10 Bands, die du sofort an ihrem Bass-Sound erkennst

Vor kurzem veröffentlichten wir bereits einen Artikel zum Thema „Erkennst du diese 10 Bassisten an ihrem Sound?“. Heute widmen wir uns weiteren 10 Kandidaten, allerdings soll es diesmal um komplette Bands gehen, die man sofort anhand ihres Bass-Sounds identifizieren kann: Bands, die ohne den Sound ihres Bassisten (es ist diesmal leider tatsächlich keine Frau dabei!) undenkbar wären, da dieser den Klang der gesamten Gruppe entscheidend prägt. Wir untersuchen bei jedem Protagonisten, was seinen individuellen Ton ausmacht und wie sich sein Equipment zusammensetzt. Darüber hinaus beleuchten aber auch generelle Aspekte, die in der Summe das Thema „Bass-Sound“ definieren.

10 Bands, die du sofort an ihrem Bass-Sound erkennst
Erkennst du die 10 Bands dieses Artikels anhand ihres Bass-Sounds? So einfach wie im Fall von Chris Wolstenholme und Muse ist es leider nicht überall! (Bild: Independent Photo Agencs Slr / Alamy Stock Foto)

Was macht „Sound“ eigentlich aus?

Beim Thema „Sound“ denken zumindest Musikerinnen und Musiker reflexartig an Equipment. Wahrscheinlich hat allerdings jeder schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man mit dem gleichen Equipment, welches das eigene Idol spielt, noch lange nicht so klingt wie das Original. Trotzdem spielt dieser Aspekt natürlich eine große Rolle.

Equipment:

  • Art des Instruments (J-Style, P-Style, M-Style etc. aktiv oder passiver Bass, 4-Saiter, 5-Saiter, 6- Saiter, Fretted oder Fretless …)
  • Saiten, z. B. Roundwounds oder Flatwounds
  • spezielle Amps oder Effekte, die integrale Bestandteile des Sounds sind

Für den „Sound“ eines Musikers sind jedoch noch weitere Faktoren verantwortlich, die vor allem mit dem Menschen hinter dem Equipment zu tun haben. Hier sehr ihr die wichtigsten Aspekte:

Spieltechnik:

  • Art des Anschlags: Finger, Slap, Pick, wie hart oder soft, mit wie viel Attack, wie und wo berühren die Finger oder das Pick die Saiten, etc.
  • Greifhand: Wie fest drückt jemand, gibt es typische Intonationsmerkmale aufgrund des individuellen Drucks der Finger, welche Fingersätze werden bevorzugt, vertikales vs. eher horizontales Spiel …
  • Artikulationen: „Wie“ spielt man eine Note, Hammer-Ons, Pull-Off, Bending, Slide

Harmonik:

  • Auswahl der Noten: Definiert sowohl das Genre als auch den persönlichen Stil, z. B. Bluestonleiter klingt „dreckig“, Skalen und Arpeggios kultivierter etc.

Weitere Faktoren:

  • Ethnischer, soziologischer und kultureller Background: Es ist z. B. eher selten, dass deutsche Bassleute Latin-Musik so spielen, wie jemand, der in Südamerika mit dieser Musik aufgewachsen ist.
  • Musikalische Sozialisation: Welche Musik war prägend für das Individuum, welche Lieblingsbands wurden gehört, wie war es um die lokale Szene bestellt, etc. All diese Faktoren sind höchst individuell und werden sich auf spezielle Weise im eigenen Sound widerspiegeln.

Also, auf geht’s! Die folgende Liste stellt selbstverständlich keine Rangfolge dar und ist zudem nur eine kleine Auswahl. Seid also bitte nicht traurig, wenn euer persönlicher Favorit nicht dabei ist – wir würden uns allerdings über weitere Hörtipps eurerseits freuen. Hinterlasst gerne einfach einen Kommentar unter diesem Artikel. Für den Einstieg präsentieren wir euch zunächst alle Kandidaten in einer Fotostrecke:

Ley Claypool Primus
Fotostrecke: 10 Bilder Les Claypool ist ein sensationeller Bassist mit Sinn für extrem schrägen Humor: Seine Band Primus wäre ohne seine Basslines undenkbar! (Bild: Gonzales Photo / Alamy Stock Photo)

Primus (Bassist: Les Claypool)

Genre: Prog Rock Pop Funk

Stilmerkmale: Extrem vielseitig, Anschlag reicht von konventionell mit Fingern und Slap zu Flamenco Style, Strumming und Tapping, Double Stops, Power Chords, Akkorde, Verwenden von Leersaiten im Stil einer Country-Gitarre, viele perkussive Elemente, etc.

Equipment: Carl Thompson Bässe, Fender Jazz Bässe, Maloney Pachyderm Bass, Ibanez Musician Bass, Rickenbacker 4003 etc., Mesa Boogie Amps und Boxen, Ampeg Amps und Boxen, Overdrive, Distortion, Octaver, Fuzz, Envelope Filter, Delay, Dunlop Strings

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Vulfpeck (Bassist: Joe Dart)

Genre: Funk, Soul, Jazz

Stilmerkmale: Staccato Fingerstyle, viele Dead Notes, Raking, Wechsel zwischen straighten und synkopierten Rhythmen, Wechsel zwischen luftig und dicht, Wechsel zwischen „statisch“ und „sehr melodisch“, Bassline „ist“ oft der Song, zahlreiche Registerwechsel.

Equipment: Music Man Stingray Signature Bässe, Flatwound Saiten, Markbass Amps und Boxen, Kompressor

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The Who (Bassist: John Entwistle)

Genre: Rock

Stilmerkmale: Anschlag mit allen Finger nahe des Griffbretts oder „Tippen“ auf dem Griffbrett („Typewriter-Technik“), viele perkussive Elemente, Anschlag mit Plektrum, schnelle Registerwechsel, Slides, Hammer-Ons, Pull-Offs, viel Vibrato, Bendings, melodische Interaktion mit den Vocals, Frage-Antwort-Spiel, häufig Moll-Pentatonik und Bluestonleiter, vielfach Oktavgriff mit gleichzeitig klingendem Grundton und Oktave, sehr brillanter Sound mit viel Top End, Overdrive

Equipment: 1961 und 1966 Fender Precision Bass, Epiphone Rivoli EBV232 semi-acoustic bass, 1964 Rickenbacker 4001S Bass, Danelectro Longhorn, Gibson EB-2, Fender Bass VI, 1966 Fender Jazz Bass, Vox Sidewinder IV V272 Bass, 1967 Rickenbacker 4005, 1964 Gibson Thunderbird IV Bass, “The Axe” Custom Bass, Alembic Series I Bässe, Warwick Buzzard Bässe, Modulus Graphite Buzzard, Status Graphite John Entwistle Buzzard Bass, Alembic Spyder bass, und viele mehr, Vox AC15, Marshall JTM45, Marshall 8×12-Boxen, Sound City L100 Amp, Sunn 100S Amp, Hiwatt DR103 100 und Hiwatt CP103 100 Amps, Hiwatt SE4122 oder SE4123 4×12-Boxen, Hiwatt SE4151 4×15-Boxen, Gallien-Krueger 2000 Preamp, TC Electronic 2290 Multieffekt, TC Electronic 1128 Graphic Equalizer, Yamaha SPX1000 Multieffekt, Trace Elliot MP11 Preamp, Trace Elliot RA500-Endstufen, mehrere A.S.S. 4x12er, 1x15er und 16x5er (!!!) Boxen, Ashdown John Entwistle Signature Preamp, Ashdown John Entwistle ASS 112 1×12“- und 1×15“-Boxen, Fender und LaBella Flatwounds, Rotosound Swing Bass 0.45 – 105

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Rush (Bassist: Geddy Lee)

Genre: Prog Rock

Stilmerkmale: Kraftvoller Anschlag, zumeist mit dem Zeigefinger (oft auch aus dem Handgelenk statt aus dem Fingergelenk) in Nähe des Halses, viel Attack, Anschlagen der Saiten auch bei Ausholbewegung des Fingers, viele Artikulationen wie Hammer-On, Pull-Off und vor allem Slide, Double Stops, wenig klassische Moll-Pentatonik, sondern eher Tonleitern, Arpeggios und Chromatik, schnelle Registerwechsel, fließender, bewegter, melodischer Stil, wenig typisches Rock-Bassspiel, wie Achtel auf dem Grundton, Bassline häufig Gegenmelodie zu Gesang, ungerade Taktarten, rhythmische Überlagerungen (ungerade Gruppierungen über geraden Puls)

Equipment: 72er Fender Jazz Bass, Rickenbacker 4001, Wal MK I und MK II und viele andere Bässe, über die Jahrzehnte Ampeg SVT, Sunn, Traynor, Trace Elliot oder Orange Amps. Aktuell Tech21 2112 Signature Preamp mit zwei Kanälen: fettes, saturiertes (vorzugsweise durch Röhren-Endstufe) und komprimiertes Low End gepaart mit verzerrten Top End.

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Kings X (Dug Pinnick)

Genre: Rock, Hard Rock

Stilmerkmale: Anschlag mit Pick, Riff-orientiert, moderate Tempi, viel Luft in Basslines, Drop Tunings, Moll-Pentatonik, Chromatik, häufiges Doppeln der Gesangsmelodie

Equipment: Schecter PJ und P-Style Bässe, Schecter DP 12 12-Saiter Bass, Tech21 Signature dUg Ultra Head und Boxen, Tech21 Signature Preamp

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Tool (Bassist: Justin Chancellor)

Genre: Prog Rock, Hard Rock

Stilmerkmale: Anschlag mit Pick oder (seltener) mit den Fingern, viele Oktav-Griffe, Power Chords, Double Stops, Akkorde, Flagoletts, Leersaiten als Pedal-Ton, sehr melodisch, Dur- und Moll-Tonleitern, aber auch Jazz-Vokabular wie Phrygisch Dominant, Drop Tunings, Hammer-Ons, Pull-Offs, Slides, Registerwechsel, nutzt ganzes Griffbrett, synkopierte Rhythmen, ungerade Taktarten

Equipment: Wal MKII Bässe, Warwick Streamer Bässe, Music Man Stingray Bässe, Fender Precision Bass, Mesa Boogie Amps und Boxen, Flanger, Chorus, Delay, Reverb, Overdrive, Octaver, Tremolo, Pitch Shifter, Fuzz, Ernie Ball Slinky Strings

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The Beatles (Bassist: Paul McCartney)

Genre: Rock’n’Roll, Pop

Stilmerkmale: zu Beginn noch viel Wechselbass und Walking Bass, später fließender, melodischer Stil, häufig zweite Stimme zu Gesang, Bassline häufig integraler Bestandteil des Songs, Dur- und Moll-Tonleitern, Arpeggios, Hammer-Ons, Pull-Offs, Slides

Equipment: Höfner 500/1 Bass (Beatles Bass), Flatwound-Saiten, Vox Amps, Fender Amps, Mesa Boogie Amps

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Muse (Bassist: Chris Wholstenholme)

Genre: Rock, Pop

Stilmerkmale: Wechsel zwischen rhythmisch simpel und komplex, Wechsel zwischen melodisch statisch zu fließend, Gegenpart zu Gesangsmelodie, Registerwechsel, nutzt komplettes Griffbrett, je nach Song Finger, Pick oder Slap, Tonleitern, Arpeggios, Chromatik, exzessiver Einsatz von Effekten

Equipment: Fender Jazz Bässe, Status Signature Bass, Pedulla Bässe, Gibson Bässe, Marshall Amps, Ampeg SVT Amps, diverse Octaver, diverse Fuzz, Overdrive, Phaser, Chorus, Envelope Filter, Delay etc.

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Iron Maiden (Bassist: Steve Harris)

Genre: Hard Rock

Stilmerkmale: Mitten- und höhenbetonter, aggressiver „Klacker-Sound“ mit vielen Saitengeräuschen, relativ leichter Anschlag mit zwei Fingern (gerne auch mit Fingernägeln), Raking für Arpeggios wie Dreiklänge oder Powerchords. Anschlag mit Daumen und Zeigefinger,

Strumming von Powerchords, Galopping Horse (Kombination aus Achtelnote und zwei Sechzehntelnoten pro Viertelschlag), Dur- oder Molltonleiter, meist beschränkt auf Quintraum (Grundton bis zur Quinte), viele Hammer-Ons und Pull-Offs

Equipment: Fender Steve Harris Signature Bass, Guild Akustik Bass, Fender Kingman Akustik Bass, Ibanez Roadster Bässe, Superfalcon und Unicorn Bässe, Yamaha BB1100S Bass, Rotosound Steve Harris Signature Flatwound Strings, Marshall 4×12-Boxen Electro Voice Speaker, Aphex Audio Exciter, Trace Elliot Series 6 GP12X, Custom Alectron Preamp, C-Audio SR707 Endstufen, Tech21 Sansamp Steve Harris Signature Preamp, DBX 160 Kompressoren

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Motörhead (Bassist: Lemmy)

Genre: Rock’n’Roll, Hard Rock, Heavy Metal, Punk, Blues

Stilmerkmale: Anschlag mit dickem Plektrum in Nähe des Halses, definierter Sound mit wenig Bass, dafür aber viel Mitten und Höhen, aggressiver, bissiger Sound durch Verzerrung der Marshall-Verstärker, viele Leersaiten als Drone Note plus gegriffene Töne, um Akkorde darzustellen, viele Songs in Tonarten wie E, A, D, um Leersaiten verwenden können, Powerchords aus Quinten oder Quarten, schnelle Tempi, viele in Punk verwurzelte Rhythmen, keine elaborierten Grooves mit Drums, meist aggressive durchgehende Achtelgrooves mit einigen gebundenen oder vorgezogenen Noten, hauptsächlich Pentatonik oder Bluestonleiter.

Equipment: Rickenbacker 4004 Lemmy Kilmister „Rickenbastard“ (ab 1996 sein Hauptinstrument), Rickenbacker 4000 Lemmy Kilmister „Born To Lose“, Rickenbacker 4003, Hopf Studio-Bass, Gibson Thunderbird IV, Hagström H8 8-String-Bass, James Trussart Steelcaster, Gibson EB-3 und viele mehr, Dean Markley 2674 Blue Steel, Dunlop Lemmy Signature Stainless Steel Bass Strings 0.50 – 105, Dunlop Nylon 1.14 Pick

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Honorable Mentions

Natürlich ist auch diese Liste wieder viel zu kurz, um jedem gerecht zu werden. Weitere Namen, die einem bei diesem Thema sofort in den Kopf kommen, sind Geezer Butler, Duff McKagan, Tim Commerford, Chris Squire, Mark Hoppus und viele andere. Ganz zu schweigen vom legendären Ladi Geisler mit seinem Knack-Bass im Orchester von Bert Kaempfert. Viele dieser Bassleute haben wir bereits mit eigenen Artikeln gewürdigt – stöbert einfach mal auf diesen Seiten im bonedo-Bassbereich!

Bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

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