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Erst Flop, dann Top? Diese 5 Gitarren waren ihrer Zeit voraus

Manche Instrumente verändern die Musikgeschichte – doch nicht immer geschieht das sofort. Einige der heute berühmtesten Gitarren wurden bei ihrer Einführung belächelt, missverstanden oder schlicht ignoriert, weil sie dem Geschmack ihrer Zeit voraus waren. Erst spätere Generationen von Musikern entdeckten ihre besonderen Eigenschaften und machten aus kommerziellen Misserfolgen stilprägende Ikonen. Dieser Artikel erzählt die erstaunlichen Geschichten jener Gitarren, die erst floppten und dann zu Legenden wurden.

5 Gitarren: Erst Flop, dann Kult
Credits: Alamy / Brian Goodman

Warum werden aus Ladenhütern irgendwann Ikonen?

Dass manche Gitarren zunächst floppen und erst später erfolgreich werden, liegt meist nicht an mangelnder Qualität, sondern an einem Zusammenspiel aus Zeitgeist, Klientel und musikalischer Entwicklung. Häufig werden Instrumente für eine Zielgruppe entworfen, die sie letztlich ablehnt, und erst später entdecken andere Musiker Eigenschaften, die ursprünglich überhaupt nicht im Mittelpunkt standen. Neue Stilrichtungen verlangen nach neuen Sounds und zuvor unterschätzte Instrumente passen plötzlich perfekt. Oder es sind innovative Elektronik oder Schaltungen, die anfangs als zu kompliziert wahrgenommen werden und später kreative Möglichkeiten für Experimentierfreudige bieten. Ähnlich verhielt es sich in der Vergangenheit mit Gitarrendesigns, die ihrer Zeit voraus waren: Weil viele Musiker lieber an Vertrautem festhielten, wurden ungewöhnliche Formen oder technische Neuerungen nicht selten als fremd oder zu futuristisch wahrgenommen. 

Woher kommt der späte Erfolg?

Ein entscheidender Faktor ist sicherlich der Gebrauchtmarkt. Da erfolglose Instrumente meist recht günstig über die Theke gehen, sind vor allem junge Musiker mit begrenztem Budget die Käufer. Die Instrumente werden bei ihnen häufig unkonventionell und in neuen Musikstilen eingesetzt, womit sich nicht selten auch das Image der Gitarren grundlegend wandelt. Dazu trägt auch die öffentliche Wahrnehmung bei, die umso schneller wirkt, je bekannter und einflussreicher der Künstler hinter der Gitarre ist. Auf diese Weise werden aus ehemaligen Ladenhütern plötzlich begehrte Kultinstrumente.

Gibson Explorer (1958) – vom Mega-Flop zur Metal-Ikone

Die Gibson Explorer, heute eine der ikonischsten Gitarren des Hard Rock und des Metal, startete ihre Karriere alles andere als erfolgreich. Ende der 1950er-Jahre sah sich Gibson mit dem wachsenden Erfolg der modernen Fender-Modelle konfrontiert und wollte ein bewusst zukunftsorientiertes Gegengewicht schaffen. Das Ergebnis war 1958 die Explorer in einem Design, das sich deutlich von den bis dahin etablierten Gitarrenformen abhob. 

Allerdings war die Musikwelt für ein derart gewagtes Erscheinungsbild noch nicht bereit und betrachtete die kantige Gitarre wie ein Instrument aus einer anderen Zeit. Entsprechend gering fiel die Nachfrage aus: Nach nur wenigen Dutzend gefertigten Exemplaren stellte Gibson die Produktion bereits 1959 wieder ein. Erst in den 1970er- und 1980er-Jahren erlebte die Explorer ihre späte Renaissance. Hard-Rock- und Metal-Gitarristen entdeckten die aggressive Optik und den druckvollen Sound für sich und machten das einstige Sorgenkind zur Stil-Ikone. Musiker wie James Hetfield (Metallica), Matthias Jabs (Scorpions) oder auch U2-Gitarrist The Edge trugen maßgeblich dazu bei, dass sich die Explorer zu einem der markantesten Gitarrendesigns der Rockgeschichte entwickelte.

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Gibson Flying V (1958) – wann wurde das Futuristische plötzlich cool?

Die Gibson Flying V gehört neben der Explorer und der sagenumwobenen Moderne zur sogenannten „Modernistic“-Reihe, die Gibson Ende der 1950er-Jahre entwickelte. Doch auch sie teilte zunächst das Schicksal ihrer kantigen Schwester: Viele Gitarristen standen der ungewöhnlichen Form skeptisch gegenüber, zumal sich die Flying V im Sitzen ungewohnt spielen ließ und ihr auffälliges Erscheinungsbild kaum zum Bühnenbild jener Zeit passte. Die Nachfrage blieb entsprechend gering, sodass Gibson die Produktion bereits 1959 wieder einstellte.

Erst Anfang der 1960er-Jahre begann sich das Image zu wandeln, als Bluesgitarrist Albert King die Flying V für sich entdeckte und ihr einen eigenständigen Charakter verlieh. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde das Modell schließlich von Hard-Rock- und Metal-Gitarristen neu interpretiert und entwickelte sich zum stilprägenden Instrument. Musiker wie Michael Schenker, Randy Rhoads oder später Dave Mustaine machten die Flying V – bzw. ihre charakteristische Silhouette – endgültig zur Rock-Ikone.

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Fender Jazzmaster (1958) – wie ein Jazz-Konzept zur Alternative-Ikone wurde

Der Name verrät es bereits: Die Fender Jazzmaster wurde als modernes High-End-Instrument entwickelt, das Jazzgitarristen ansprechen und den etablierten Gibson-Jazzgitarren Konkurrenz machen sollte. Leo Fender hatte jedoch die Rechnung ohne seine Zielgruppe gemacht – denn viele Jazzmusiker konnten mit dem neuen Konzept wenig anfangen. Die ungewohnte Offset-Form wirkte fremd, die Elektronik erschien zu komplex und der offenere, weniger sustainreiche Klang entsprach nicht den Erwartungen. Zwar fand die Jazzmaster Anfang der 1960er-Jahre eine Heimat in der Surf-Rock-Szene, doch in den folgenden Jahrzehnten verlor sie stark an Popularität.

In den späten 1970ern galt sie als überholt und war in amerikanischen Pfandhäusern oft für wenige Dollar zu finden, bevor 1980 die Produktion eingestellt wurde. Genau dieser niedrige Preis machte sie jedoch für junge, weniger wohlhabende Musiker attraktiv. Punk-, Indie- und Alternative-Gitarristen entdeckten die klanglichen Eigenheiten des Modells neu und machten sie schließlich zum Kultinstrument. Künstler und Bands wie Elvis Costello, Sonic Youth und My Bloody Valentine trugen entscheidend zur Renaissance der Jazzmaster bei.

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Fender AV II 66 JAZZMASTER RW WT3TB
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Fender Player II Jazzmaster RW 3TS
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Fender Jaguar (1962) – vom Surf-Sound zum Indie-Symbol?

An dieser Stelle stellt sich eine naheliegende Frage: Wenn die Jazzmaster ihr ursprüngliches Zielpublikum verfehlte, warum brachte Fender nur wenige Jahre später ein äußerlich ähnliches Modell auf den Markt? Mit dem Aufkommen des Surf-Rock entstand plötzlich eine neue Generation von Spielern, die das Offset-Design der Jazzmaster schätzte, jedoch einen durchsetzungsfähigeren Klang suchte. Fender reagierte darauf mit einer gezielten Weiterentwicklung des Konzepts. Die 1962 vorgestellte Jaguar übernahm die Grundidee der Jazzmaster, erhielt jedoch eine kürzere Mensur, umfangreiche Chrom-Applikationen sowie eine verbesserte Abschirmung gegen Nebengeräusche. Speziell konstruierte Pickups unterstützen den charakteristischen „Twang“ des Surf-Rock. 

Mit dem Abklingen des Surf-Booms und dem Aufstieg des Rock änderte sich jedoch erneut der musikalische Geschmack. Die Verkaufszahlen gingen zurück, und Fender stellte das Modell Mitte der 1970er-Jahre schließlich ein. In den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren galt die Jaguar als unmodern und war auf dem Gebrauchtmarkt günstig erhältlich. Genau das führte jedoch zu ihrer Wiederentdeckung durch Alternative- und Underground-Musiker. Später fand die Jaguar ihren festen Platz im Indie, Shoegaze und Grunge – nicht zuletzt durch Künstler wie Kurt Cobain oder Johnny Marr, die dem einstigen Ladenhüter zu neuem Kultstatus verhalfen.

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Gibson Les Paul (1952) – wie britische Gitarristen ihr ein zweites Leben schenkten

Die Gibson Les Paul ist wohl der größte Überraschungsgast dieser Liste: Die heute vielleicht berühmteste Rockgitarre der Welt geriet anfangs deutlich ins Hintertreffen. Während Fender in den 1950er-Jahren mit der futuristisch wirkenden Stratocaster den Zeitgeist traf, wirkte die 1952 eingeführte Les Paul mit gewölbter Decke und klassischem Single-Cutaway für viele junge Musiker vergleichsweise konservativ. Hinzu kam die massive Bauweise: Der Mahagoni-Korpus mit Ahorndecke machte die Les Paul deutlich schwerer als die leichteren Fender-Modelle. 

Klanglich war sie ihrer Zeit paradoxerweise voraus. Die ab 1957 verbauten PAF-Humbucker lieferten einen warmen, sustainreichen und nebengeräuscharmen Ton, während die meisten Musiker noch spritzige Cleansounds suchten. Auch der vergleichsweise hohe Preis, bedingt durch die aufwendige Konstruktion, erschwerte den Verkauf zusätzlich. Angesichts sinkender Verkaufszahlen stellte Gibson die klassische Les-Paul-Form 1961 ein. Eine neue, dünnere und leichtere Version erschien zunächst weiterhin unter dem Namen „Les Paul“ – heute kennen wir sie als SG („Solid Guitar“). 

Erst britische Gitarristen der 1960er-Jahre verhalfen dem ursprünglichen Modell zu einem spektakulären Comeback: Eric Clapton machte mit einer gebrauchten Les Paul und einem Marshall-Verstärker auf dem Bluesbreakers-Album den fetten, sustainreichen Rocksound populär. Der Rest ist Geschichte: Seit den 1960ern befindet sich die „Paula“ auf einem Siegeszug durch die Rockmusik. 1968 kehrte sie offiziell ins Gibson-Programm zurück, während die zwischen 1958 und 1960 gebauten Sunburst-Modelle heute zu den wertvollsten E-Gitarren der Welt zählen.

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Gibson Les Paul Standard 50s FadedVHB
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Fazit

Die Geschichten von Explorer, Flying V, Jazzmaster, Jaguar und Les Paul zeigen, dass Erfolg in der Musik selten vorherzusehen ist. Nicht mangelnde Qualität, sondern ein falscher Zeitpunkt, wechselnde Trends und verfehlte Zielgruppen waren zunächst Gründe für den ausbleibenden Erfolg. Erst neue Generationen von Musikern erkannten das kreative Potenzial dieser Instrumente und machten aus vermeintlichen Fehlentwicklungen begehrte Klassiker. Oft brauchte es lediglich einen neuen Sound, eine andere Szene oder einen prägenden Künstler, um die Wahrnehmung vollständig zu verändern. Wer in den 1960ern einen dieser Ladenhüter gekauft und im Koffer gelassen hätte, wäre heute vermutlich fünf- bis sechsstellig reich. So erinnern diese Gitarren daran, dass Innovation manchmal Zeit braucht – und dass aus einem Flop durchaus eine Ikone werden kann.

Weiteres aus unserer Reihe „Erst Flop, dann Top“ findet ihr hier:

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Credits: Alamy / Brian Goodman

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