Der Hughes & Kettner Triamp Mark 3 ist mittlerweile zehn Jahre auf dem Markt und präsentiert sich auch zu seinem Geburtstag in originaler Frische, ohne Facelift und Verjüngungskur. Wir haben die Aufnahme von Hughes & Kettner in die Thomann-Markenfamilie zum Anlass genommen, uns das Amp-Portfolio einmal näher anzuschauen und auf Alltagstauglichkeit im aktuellen Jahr zu prüfen. Dazu gehört auch der Triamp Mark 3, der bei seiner Vorstellung als hochmoderner und flexibler Alleskönner galt.

- tolle Sounds & große Soundvielfalt
- 6 komplett getrennt regelbare Kanäle
- Noise-Gate (pro Kanal schaltbar)
- Stomp-Boost (pro Kanal schaltbar)
- FX-Loop, Master-Insert
- MIDI
- Power-Tube-Switching (pro Kanal schaltbar)
- keins

Was unterscheidet den Hughes & Kettner Triamp Mark 3 von anderen Röhrenamps?
Die erste Version des Hughes & Kettner Triamps kam 1995 auf den Markt und hatte den Anspruch, drei komplett unterschiedliche Amp-Typen in einem Topteil anzubieten: einen Clean-Amp, einen klassisch-britischen Mid-Gain-Amp und einen etwas moderneren, sustainreichen High-Gain-Amp. Jeder dieser Amps verfügte über zwei Kanäle mit einer gemeinsamen Klangregelung. Diese Architektur setzt sich auch beim Triamp Mark 3 fort, allerdings noch kompromissloser und aufwändiger. Bei ihm hat jeder Kanal eine eigene Klangregelung plus Gain- und Master-Poti, die das Frontpanel zur Heimat von insgesamt 33 Reglern machen.

Und auch bei der Endstufe ist man flexibel: Vier 6L6- und zwei EL34-Röhren bieten die Möglichkeit, die Endstufenbestückung per Schalter paarweise auszuwählen und für jeden Kanal zu speichern. Das bedeutet, dass sowohl Vor- als auch Endstufe extrem variabel sind und alle Möglichkeiten für die Suche nach dem optimalen Röhrensound bieten.
Unverwechselbar: Plexiglas-Front mit Durchblick und blauer Beleuchtung
Der Triamp Mark 3 kommt in einem mit schwarzem Tolex überzogenen Holzgehäuse, dazu Eckenschoner aus Metall und Gummifüße für stabilen Halt. Über die Plexiglas-Front erhält man einen Blick auf das Innenleben mit 15 (!) Röhren. Denn neben den bereits erwähnten sechs Endstufenröhren sind acht ECC 83 (Input, Preamp) am Start, dazu kommt eine selektierte 12AX7A-C. In dieser Hinsicht wird ein Röhrenwechsel bei diesem Amp naturgemäß etwas kostspieliger ausfallen.
Das folgende Bild zeigt die genauen Einsatzbereiche.

Mittlerweile ist die blaue Beleuchtung des Amps das Erkennungszeichen von Hughes & Kettner. Beim Flaggschiff lässt sie sich sogar per Regler an der Rückseite dimmen.
Der Triamp Mark 3 hat die Maße 740 x 393 x 254 mm (B x H x T) und mit seinem Gewicht von 22 kg kämpft er definitiv nicht mehr in der Leichtgewichtsklasse. Gemessen am aktuellen Trend zum Downsizing gehört er deshalb eher in die SUV-Kategorie.
Aber wer es kompakter möchte, der findet mit Grandmeister und Tubemeister in Sachen Größe und Gewicht auch etwas zurückhaltendere Familienmitglieder im Portfolio. Auf jeden Fall lässt sich unser Kandidat trotzdem am Kunststoffgriff auf der Oberseite gut ausbalanciert tragen.
Wer bietet mehr? Das Bedienfeld beherbergt 33 Regler!
Die bereits erwähnten 33 Regler sind in zwei Reihen angeordnet. Trotz dieser Zahl ist das Ganze absolut übersichtlich organisiert. Jeder Kanal verfügt über fünf Potis. Gain und Master sind jeweils außen positioniert und etwas größer, die Klangregelung mit Bass, Middle und Treble befindet sich dazwischen. Die Markierungen der Regler sind allerdings bei direktem Licht nur schlecht zu erkennen. Die Anwahl eines Kanals direkt am Amp erfolgt neben den jeweiligen Gain-Reglern mit Tastern, die beleuchtet sind, wenn der Kanal aktiv ist.
Über der Eingangsbuchse auf der rechten Seite findet man einen weiteren Taster mit der Bezeichnung Stomp-Boost. Bei ihm handelt es sich um eine Boost-Funktion, die noch vor dem Preamp des jeweils aktiven Kanals ihre Wirkung entfaltet und diesen etwas heißer anfährt. Das erhöht die Flexibilität in puncto Zerrgrad. Sehr vorteilhaft ist, dass sich jeder Kanal das letzte aufgerufene Setting (Boost, Power Amp Tubes) merkt, sodass beim nächsten Aufrufen die gleichen Komponenten zusammenarbeiten wie vorher. Mit angeschlossenem MIDI-Floorboard wird die Bedienung noch komfortabler, doch dazu später mehr.
6 Kanäle und 7 Endstufen-Settings = 42 unterschiedliche Röhrenamps
Ganz links warten die Regelmöglichkeiten für die Master-Sektion. Neben Master-Volume, Resonance für den Low-End-Bereich und Presence für die hohen Frequenzen stehen einige Schalter zur Verfügung. Der FX-Loop-Schalter aktiviert den Effekt-Einschleifweg und der Noise-Gate-Schalter ist für die Rauschunterdrückung zuständig. Beide Features verfügen außerdem über Regelmöglichkeiten auf der Rückseite.
Über die Power-Amp-Tubes-Schalter können Endstufenröhren-Pärchen kombiniert werden. Mit den Schaltern 1/2, 3/4 und 5/6 werden die entsprechenden Röhren aktiviert, wobei die hauseigene Threedom-Amp-Technologie für die reibungslose Zusammenarbeit der verschiedenen Kombinationen sorgt. Die Leistung des Amps richtet sich nach der Auswahl der Endstufenröhren. Bei voller Kraft mit sechs auf einen Streich schickt der Triamp Mark 3 bis zu 145 Watt Leistung zu den Lautsprechern. Im Datenblatt des Herstellers wird die Leistung bei 8 Ohm folgendermaßen angegeben:
- 2x EL34: 84 Watt
- 2x 6L6: 72 Watt
- 4x 6L6: 126 Watt
- 2x 6L6, 2x EL34: 132 Watt
- 4x 6L6, 2x EL34: 145 Watt
Flexibler Sound-Lieferant: diverse Speaker-Kombinationen plus Red Box AE Out
Die Rückseite ist komplett geschlossen, sodass auch die Röhren vor unbedarften Kontakten geschützt sind. Hier bieten die vier Lautsprecheranschlüsse diverse weitere Möglichkeiten, Lautsprecherboxen zwischen 4 Ohm und 16 Ohm zu kombinieren. Es folgt der Red Box AE-Ausgang mit der Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Cabs, dazu ein Low-Cut-Schalter.

Was macht die Hughes & Kettner TSC (Tube Safety Control)?
Die Anzeigen für die Kontrolle der Endstufenröhren, eine Technologie mit der Abkürzung TSC (Tube Safety Control) aus dem Hause Hughes & Kettner, findet man an dritter Position. Diese Technologie misst fortlaufend die Kennlinie der Röhren, passt den Ruhestrom entsprechend an und sorgt so für eine optimale Sound-Ausbeute und eine längere Lebensdauer der Röhren. Dabei können auch problemlos Röhren miteinander kombiniert werden. Unterstützt werden die folgenden Typen: EL34, 6L6, KT66, KT77, KT88, 7581, 6CA7, 6550 und 5881. Der Status der Röhren wird von sechs LEDs angezeigt, sodass frühzeitig zu erkennen ist, ob eine Röhre defekt ist und ausgetauscht werden muss. Zudem erlaubt die TSC das manuelle Auslesen der Kennlinien, will man erfahren, ob die verwendeten Röhrenpaare tatsächlich optimal zueinander passen.
Um einen Messvorgang zu starten, muss lediglich das Pick in den Schlitz neben den LEDs gesteckt werden. Ein separates Kapitel in der Bedienungsanleitung informiert über die Bedeutung der verschiedenen LED-Anzeigen und wie man im Falle eines Röhrenwechsels vorgehen sollte.
Welche externen Schalt- und Regelmöglichkeiten bietet der Triamp Mark 3?
Auch in Sachen Fußschalter und MIDI wird nicht gegeizt. Es gibt einen MIDI-In- und einen Out/Thru-Anschluss, wobei der Triamp Mark 3 die TSM-432 MIDI-Fußleiste schon mitbringt. Diese Schaltleiste kommt im stabilen Metallgehäuse mit sieben Schaltern und einem 2-Ziffern-Display. Am MIDI-In angeschlossen, wird sie auch von dort mit Strom versorgt. Betreiben lässt sich der Amp in zwei Modi, zum einen im herkömmlichen Stomp-Mode, in dem die Kanäle über die Schalter angewählt werden und die Stomp-Boost-Funktion einzeln aktiviert wird. Zum anderen im Preset-Mode, in dem 128 Plätze zur Verfügung stehen und folgende Features pro Preset abspeicherbar sind: Kanal, Boost On/Off, Noise-Gate-On/Off, Endstufenröhren-Kombination, FX-Loop und die Helligkeit der Frontblende in 128 Stufen. Über die Fußleiste werden die Presets mit den A-, B-, C- und D-Schaltern aufgerufen und die Bänke per Bank Up/Down gewechselt.

Mit diesen Möglichkeiten ist man extrem flexibel, vor allem dann, wenn man auch noch ein MIDI-fähiges Effektgerät benutzt, sodass alle Sounds mit einem Fußtritt am Start sind. Das Fußboard verfügt zusätzlich über zwei Anschlüsse für weitere Schalter oder Expression-Pedale, um einzelne Funktionen per MIDI steuern zu können. Auch die Helligkeit der Frontblende lässt sich bei Bedarf stufenlos per Expression-Pedal dimmen.
Noise-Gate
Zur Rauschunterdrückung ist ein Noise-Gate integriert, das auf der Rückseite bequem mit einem Regler einstellbar ist. Je weiter man den Regler nach links dreht, desto härter greift das Gate ein.
FX-Loop und Master-Insert für kreatives Sound-Tuning
Der Triamp Mark 3 ist mit einem Effektloop ausgestattet, der entweder seriell oder parallel genutzt werden kann. Für parallele Verwendung steht ein Regler (FX-Level) zum Einstellen des Mischverhältnisses zur Verfügung, außerdem gibt es einen Schalter zur Pegelabsenkung (-10 dB). Darüber hinaus steht mit dem Master-Insert ein zweiter (serieller) Loop bereit, bei dem das Signal zwischen Vor- und Endstufe abgegriffen wird (Preamp Out, Power Amp In). Hier könnte man sozusagen als Master-Volume ein einfaches Volume-Pedal anschließen, während man den Effekt-Loop parallel nutzt. Wer es noch etwas weiter treiben möchte und den Vorstufensound des Triamp Mark 3 an eine zusätzliche Endstufe schicken will, hat die Möglichkeit, dies über den Preamp-Out zu tun. Als letzte Einstellmöglichkeit auf der Rückseite bleibt der Panel-Regler, der für die Helligkeit der Beleuchtung der Frontblende zuständig ist.























J.Neuss sagt:
#1 - 17.03.2015 um 14:58 Uhr
Welcher normalsterbliche Kneipenschrammler braucht sowas? Damit kann ich ja die Frankfurter Festhalle beschallen. Bevor die Röhren in der Sättigung sind hat die Polizei mich schon verhaftet.GrußJürgen :)