Regungsloses Publikum – Konzertbesucher trauen sich nicht mehr zu tanzen

Konzerte sind zum Mitsingen, Zuhören und Tanzen da. Sie bieten Besuchern die Möglichkeit sich körperlich frei auszudrücken, zu springen, die Arme in die Luft zu werfen und sich einmal ganz auszupowern. Daher das Sprichwort “Tanze, als würde niemand zusehen”. Doch leider beobachten immer mehr Musiker und Konzertgänger, dass das Publikum fast stillsteht.

© Canva

Grund dafür ist unter anderem die starke Präsenz von Smartphones bei Konzerten. Bekanntermaßen ist es üblich, dass bei Auftritten sehr viel gefilmt wird und die filmenden Personen daher weniger tanzen. Für außenstehende Menschen entsteht dadurch zusätzlich die Angst auf Aufnahmen fremder Personen zu sehen zu sein.

Gerade junge Konzert- und Clubbesucher fürchten beim Tanzen unvorteilhaft oder komisch auszusehen und somit online zur Zielscheibe von Spott zu werden. Diese Sorge ist nicht unberechtigt. Immer wieder werden Leute ungewollt zum Meme, da sie ohne ihr Wissen gefilmt wurden und diese Videos online viral gehen. So kann beispielsweise ein intimer Moment beim Konzert von Millionen Menschen auf Social-Media gesehen und geteilt werden.

Natürlich möchte niemand, weder Künstler noch Besucher, ein regungsloses Publikum sehen. Jedoch wollen Zuhörer auch nicht die einzigen sein, die in einem Meer von Handykameras tanzen und singen. Choreograf Sydney Skybetter von der Brown University in Sidney beschreibt die Zurückhaltung daher als Selbstschutz, nicht als Desinteresse. Laut ihm wäre das neue Sprichwort: “Tanze so, als könnte jederzeit jemand zusehen – und das Filmmaterial dich für immer verfolgen.

© Canva

Selbstverständlich gibt es Menschen, die einfach nicht tanzen möchten oder es nicht können, was nachvollziehbar und gerechtfertigt ist. Doch eine wachsende Zahl von Online-Nutzern betont, dass sie sich gerne frei ausdrücken wollen, sich aber nicht trauen. Dasselbe gilt übrigens für das Mitsingen, Rufen und Pfeifen. Besucher die filmen wollen schließlich nicht, dass ihre Stimmen die Musik übertönen. Das Ergebnis: Konzerte werden zunehmend stiller.

Wie reagieren die Musiker?

Neben den Konzertgängern betrifft dieses Problem auch Musiker und Bands. Einige bekannte Künstler äußern ihre Frustration darüber. Bruno Mars erklärte bei einem Konzert: “Es ist unsere Aufgabe, euch zum Tanzen zu bringen. Und das geht nicht, wenn ihr die Show filmt, oder?” In einem späteren Interview ergänzte er: “Früher hättest du Glück gehabt, wenn du ein Konzert mit einer Videokamera betreten und diese am Ende noch bei dir gehabt hättest. Heute bringt jeder sein Smartphone mit und filmt alles. Ich wünsche mir, dass die Leute zu den Shows kommen und sie wieder so genießen wie früher.”

© Wikimedia Commons: Brothers Le

Grammygewinner und Songwriter Tyler, The Creator erklärte in einem Interview Folgendes: “Ich habe ein paar Freunde gefragt, warum sie in der Öffentlichkeit nicht tanzen, und einige sagten, aus Angst, gefilmt zu werden. Da dachte ich: Verdammt – eine natürliche Form des Ausdrucks und eine besondere Verbindung zur Musik ist inzwischen wie ein Geist geworden. Das brachte mich zum Nachdenken, wie viel von unserem menschlichen Geist durch die Angst, zu einem Meme zu werden, getötet wurde – nur weil man eine gute Zeit haben wollte.”

Produzent und DJ Kaytranada kritisierte mehrfach unbewegliche Crowds und schrieb dazu auf X: “Ich glaube, wir sind in ein Zeitalter gekommen, in dem alle versuchen, einen Moment für ihre eigene Präsenz in den sozialen Medien einzufangen. Das ist ihre Art, Wertschätzung zu zeigen – statt zu tanzen und Konzerte so zu genießen, wie wir es früher getan haben.”

Handyverbot auf Konzerten

Einige Clubs, Veranstaltungen und Künstler reagieren mit einem strikten Handyverbot. Unter anderem haben bereits Bob Dylan, Beyoncé, Tool, Guns n’ Roses, Björk und Jack White Richtlinien für Handys bei ihren Konzerten aufgestellt. Laut zahlreichen Online-Nutzern schaffen diese Regelungen eine deutlich bessere Konzerterfahrung.

Einige DJs berichten außerdem, dass sich die Atmosphäre dadurch spürbar verändert. Daniela Zepeda, eine DJ aus L.A. unter dem Namen Xica Soul erklärt, dass sich “Menschen wirklich in der Musik verlieren“, wenn Handys auf der Tanzfläche verboten sind. “Es gibt dann dieses unausgesprochene Gefühl, dass das, was im Club passiert, auch im Club bleibt.”

Ohne Kameras lassen sich die Menschen eher fallen, da der Moment geschützt ist und im Raum bleibt. So hoffen auch andere Künstler wieder einen sicheren Raum für freie Entfaltung zu schaffen.

Hot or Not
?
Phones-at-Concert Bild

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

Kommentieren
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bonedo YouTube
  • The NUX Solid Studio MkII sounds like THIS
  • The Real Deal? | Peavey 6505 1992 Original Block Letter – Sound Demo
  • Cort A5 Beyond - Sound Demo (no talking)