Johannes Pöhlmann fertigt seine Vincent-Bässe in einer kleinen Werkstatt nordöstlich von Nürnberg in akribischer Handarbeit. Inspiriert sind die Instrumente größtenteils von den ikonischen Bassdesigns aus dem Hause Fender, technisch gehen sie jedoch durchaus eigene Wege: Unter dem Stichwort „True Tone“ bündelt Pöhlmann eine Reihe konstruktiver Details, die Gewicht, Spielkomfort und Klangbalance gezielt optimieren sollen. Shortscale-Bässe haben spätestens seit den Sechzigern ihren festen Platz in der Basswelt – nicht zuletzt geprägt vom 1966 vorgestellten Fender Mustang Bass. Der Vincent Pony greift genau dieses Shortscale-Prinzip auf, versteht sich jedoch nicht als bloße Kopie. Vielmehr überträgt Johannes Pöhlmann die Idee des kompakten, leicht spielbaren Basses in sein eigenes „True Tone“-Konzept und formt daraus eine modernisierte Boutique-Interpretation des Klassikers. Ob dieser Spagat gelingt und was das niedliche Pony-Bassmodell klanglich zu bieten hat, klären wir im folgenden Test.

- lebendiger Shortscale-Sound
- erstklassige Verarbeitungsqualität
- sehr geringes Gewicht bei perfekter Balance
- exzellenter Spielkomfort
- hochwertiger Häussel Split-Coil
- hochwertige Hardware
- inklusive hochwertiger Canto-Gigbag
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Vincent Pony: Erster Eindruck
Der Vincent Pony erinnert erwartungsgemäß bereits auf den ersten Blick stark an den Fender Mustang Bass – den legendären Shorty aus dem Hause Fender. Vielleicht liegt darin auch die Antwort auf die Namensgebung des kleinen Vincent-Basses – schließlich sind sowohl Mustang als auch Pony Pferderassen!
Auch der Vincent Pony besitzt den typischen länglichen Korpus mit kurzen Hörnern, etwa in der Größe des Originals. Und auch bei der Holzauswahl orientiert man sich am Klassiker aus den USA und hat altbewährte Erle gewählt.
Bei den Farben zeigt sich Vincent derzeit erfreulich experimentierfreudig und bietet den Pony aktuell in sage und schreibe 19 Varianten an. Die Auswahl kann einem die Entscheidung durchaus schwer machen. Ein persönlicher Favorit wäre allerdings tatsächlich die Lackierung unseres Testkandidaten: Dieser kommt in einem blau-grünen Farbton namens „Deep Ocean“, der dem kleinen Pony eine schicke Noblesse verleiht und hervorragend mit dem dreilagigen Tortoise-Pickguard harmoniert.
Was versteht man unter dem „True Tone“-Konzept von Vincent Bass Guitars?
Unter der Lackierung des Vincent Pony verstecken sich bereits die ersten „True Tone“-Maßnahmen: Der Korpus wurde mit Hohlkammern versehen, die das Gewicht reduzieren und laut Vincent für eine schnellere Ansprache sowie einen satteren Ton sorgen sollen.
Dabei handelt es sich übrigens nicht um die üblichen größeren Kammern im oberen Bodybereich, sondern um zahlreiche kleine wabenartige Ausfräsungen über die gesamte Korpusoberseite. Diese werden mit einer Decke verschlossen und anschließend deckend lackiert – von außen ist davon also nichts zu sehen!

Wie wurde der Hals des Vincent Pony Basses gestaltet?
Ein echter Augenschmaus ist der einteilige angeschraubte Hals des Vincent-Shortys. Dieser besteht aus geröstetem Ahorn, das eine wunderschöne Flammung zeigt. Durch die dunklere Färbung in Kombination mit der lebendigen Maserung wirkt der Hals ausgesprochen edel – und zwar von vorne wie von hinten, denn ein separates Griffbrett gibt es nicht.
Auf der Rückseite verläuft ein heller Ahornstreifen, mit dem der Kanal für den von hinten eingesetzten Zweiwege-Halsstab verschlossen wurde – ein klassischer „Skunk Stripe“ also. Der Hals wurde mit 20 (inklusive Nullbund) sauber abgerichteten und hochglanzpolierten Bünden im schmalen Vintage-Format ausgestattet und wird mit vier in Hülsen sitzenden Schrauben sicher mit dem Korpus verschraubt. Zur Orientierung dienen die üblichen runden Lagenmarkierungen auf Griffbrett und Flanke.
Vincent legt Wert auf eine natürliche Haptik und hat den Hals deshalb zum Schutz lediglich mit einem dezenten Öl-Finish versehen. Der Halswinkel lässt sich beim Pony übrigens über ein praktisches Einstellrad am Halsende justieren. Das passende Werkzeug legt Vincent erfreulicherweise bei – im Zweifel dürfte aber natürlich auch ein vergleichbares Tool seinen Dienst tun.
Was für Besonderheiten gibt es am Headstock des Vincent Pony?
Direkt hinter dem Nullbund sitzt beim Vincent eine weitere konstruktive Besonderheit: Ein aus leichtem Carbon gefertigter Saitenniederhalter übernimmt gleichzeitig die Führung der Saiten. Ein klassischer Sattel ist daher nicht notwendig – die Saiten werden sauber ausgerichtet und verlaufen anschließend schnurgerade weiter zur Kopfplatte.
Diese fällt beim Pony etwas schmaler aus als bei den Longscale-Modellen Metropol und Akkurat, wurde aber ebenso im klassischen Stil gehalten. Hier finden wir das Vincent-Logo sowie vier hochwertige Hipshot-Mechaniken aus amerikanischer Fertigung. Verbaut hat man Hipshot Ultralites, die nicht nur präzise arbeiten, sondern dank ihres äußerst geringen Gewichts auch einer möglichen Kopflastigkeit entgegenwirken.
Was versteht man unter der „Vincent True Tone Bridge“?
Am anderen Ende des Instruments kommt die sogenannte „Vintage True Tone Bridge“ zum Einsatz. Optisch erinnert sie an eine traditionelle Winkelbrücke, wirkt jedoch massiver und konstruktiv überarbeitet. Diese Bassbrücke besteht aus hartem Edelstahl und verfügt über Rillen für die äußeren Reiter, damit diese nicht verrutschen können. Die Saitenabstände sind nicht variabel und betragen an der Bridge 20 mm.
Alternativ zur klassischen Saitenführung lassen sich die Strings auch in Öffnungen an der Bodenplatte einhängen. Diese führen etwa 2,5 Zentimeter tief in einen unter der Brücke sitzenden Tonblock aus Ahorn – also nicht vollständig durch den Body wie beim String-Through-Prinzip, jedoch mit ähnlicher Wirkung: Der steilere Saitenwinkel erhöht den Druck auf die Reiter und soll so die Schwingungsübertragung in den Korpus verbessern.
Wie es sich für einen klassischen Vintage-Shorty gehört, ist der Vincent Pony ab Werk mit Flatwound-Saiten bestückt. Zum Einsatz kommt ein Satz JF 324 Nickel Flat Wounds in den Stärken .043, .056, .070 und .106 vom Traditionshersteller Thomastik-Infeld. Flats gelten bekanntermaßen als ausgesprochen langlebig – je nach Klangvorlieben dürfte ein Wechsel erst nach vielen Jahren (wenn nicht gar Jahrzehnten!) erforderlich sein.
Mit welchem Pickup ist der Vincent Pony ausgestattet?
Damit sind wir auch schon bei der Klangabnahme des Vincent Pony angekommen. Wie bei allen seinen Modellen setzt Vincent auch hier auf die Expertise des deutschen Pickup-Spezialisten Harry Häussel. Verbaut ist ein Split-Coil mit der Bezeichnung „Häussel Pony Bass Custom“, der in der für dieses Modell typischen Position installiert wurde.
Beide Spulenhälften lassen sich selbstverständlich über jeweils zwei Schrauben in der Höhe justieren, sodass sich die Lautstärke der Saitenpaare sauber angleichen lässt. Die Bedienung erfolgt klassisch über ein Lautstärkepoti sowie eine Tonblende zum Absenken der Höhen, beide ausgestattet mit schlichten Dome-Knöpfen aus Metall.
Was umfasst der Lieferumfang des Vincent Pony-Modells?
Der Vincent Pony ist zwar ein kompakter Bass und angenehm leicht zu transportieren, ohne Gigbag sollte man ihn aber natürlich nicht auf Tour schicken. Vincent legt dem Pony natürlich auch eine passende Tasche bei, denn zum Lieferumfang gehört eine für das Shortscale-Format maßgeschneiderte Gigbag des polnischen Herstellers Canto.
Genau genommen handelt es sich eher um ein Softcase mit verstärkten Seitenwänden, integrierter Halsauflage samt Fixierung sowie ausreichend Stauraum für Zubehör oder gar einen kleinen Micro-Amp. Im oberen Fach finden sich ein kleines Stoffsäckchen mit einem Kombiwerkzeug für Einstellarbeiten an Brücke und Halseinstellstab, ein Fläschchen Öl und ein Stück Fließ zur Pflege des geölten Halses.














