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Die CD ist zurück: Warum die Gen Z wieder CDs kauft

Die Neunziger sind zurück und haben offenbar ihre CD-Sammlung mitgebracht. Während Spotify und Co. weiterhin den Musikalltag bestimmen, entdecken immer mehr junge Menschen ein Format wieder, das längst als Auslaufmodell galt. Ob alte Rockalben vom Flohmarkt, neue Veröffentlichungen der Lieblingsband oder der erste eigene CD-Player, physische Musik ist wieder gefragt. Und das nicht nur aus Nostalgie. Steigende Verkaufszahlen zeigen, dass die CD ein echtes Comeback erlebt.

Jakub / Adobe Stock Education License

CD-Comeback: Die Umsätze steigen um fast 60 Prozent

Lange sah es so aus, als würde die CD langsam, aber sicher aus unseren Wohnzimmern verschwinden. Streamingdienste machten ganze Musiksammlungen auf Knopfdruck verfügbar, während Schallplatten längst ihren zweiten Frühling erlebten. Die CD landete dagegen häufig auf dem Flohmarkt oder in irgendeiner Kiste im Keller. Doch das könnte sich jetzt ändern.

Laut dem Halbjahresbericht der Recording Industry Association of America (RIAA) stiegen die CD-Umsätze in den USA in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 um satte 58,6 Prozent. Insgesamt wurden rund 171 Millionen US-Dollar erwirtschaftet, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch etwa 108 Millionen US-Dollar.

Auch bei den verkauften Stückzahlen geht es bergauf. Laut dem Marktforschungsunternehmen Luminate wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 16,3 Millionen CDs verkauft, ein Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Vinyl bleibt allerdings weiterhin das erfolgreichere physische Musikformat. Mit Schallplatten wurden im selben Zeitraum rund 554 Millionen US-Dollar umgesetzt. Auch bei den Stückzahlen liegt Vinyl mit 21,8 Millionen verkauften Exemplaren noch vor der CD.

Warum die Gen Z wieder CDs kauft

Für viele junge Musikfans ist die CD mehr als ein Relikt aus dem Kinderzimmer ihrer Eltern. Statt sich durch endlose Playlists zu klicken, wird ein Album bewusst ausgewählt, aus der Hülle genommen und in den Player gelegt. Dazu gibt es ein Booklet mit Songtexten, Fotos und Artwork. Was früher ganz normal war, wird für eine Generation, die mit Streaming aufgewachsen ist, zu einem neuen Musikerlebnis.

Dabei geht es längst nicht immer ums tatsächliche Musikhören. Eine Zahl aus dem Luminate-Bericht überrascht besonders: Rund die Hälfte der CD-Käufer aus der Gen Z und der Millennial-Generation besitzt nicht einmal einen CD-Player. Für sie ist die CD vor allem ein Sammlerstück, ein Erinnerungsstück an die Lieblingsband oder einfach ein schönes Objekt fürs Regal. Auch die Möglichkeit, Künstler durch den Kauf ihrer Veröffentlichungen finanziell zu unterstützen, spielt eine Rolle.

Andere entdecken dagegen gerade die alte Technik für sich. Laut einem Bericht des Guardian verzeichnete die britische Kaufhauskette John Lewis seit Juli 2026 einen Anstieg der Suchanfragen nach CD-Playern um 96 Prozent. Einige Modelle waren zwischenzeitlich sogar online ausverkauft. Der Discman feiert also tatsächlich ein Comeback. Hoffentlich erinnert sich die neue Generation auch daran, dass man damit besser nicht allzu wild durch die Gegend hüpft.

CDs statt Vinyl: Der Preis macht den Unterschied

Während Schallplatten längst zu begehrten Sammlerstücken geworden sind, kann der Einstieg ins Vinylhobby ziemlich teuer werden. Neben den Platten selbst braucht es schließlich noch einen Plattenspieler und gegebenenfalls passende Lautsprecher. Bei CDs sieht das anders aus. Gebrauchte Alben gibt es auf Flohmärkten und in Secondhandläden häufig schon für wenige Euro. Auch neue Veröffentlichungen sind meist deutlich günstiger als ihre Vinylversionen.

In Großbritannien kostet eine neue Schallplatte häufig rund 35 Pfund, während eine CD bereits für etwa 12 Pfund zu haben ist. Noch günstiger wird es auf dem Gebrauchtmarkt: Im lokalen Plattenladen in Manchester gibt es Oasis’ „Definitely Maybe“ auf CD schon für vier Pfund. Für die Vinyl-Neuauflage werden dagegen etwa 25 bis 30 Pfund fällig.

Gerade für junge Rockfans eröffnet das neue Möglichkeiten. Wer sich eine Sammlung mit Alben von Nirvana, Green Day, Linkin Park oder den Red Hot Chili Peppers aufbauen möchte, findet auf CD häufig günstige Angebote. Und anders als bei manchen seltenen Vinylpressungen muss dafür nicht gleich das halbe Monatsbudget draufgehen.

Von K-Pop bis Rock: Die CD wird wieder zum Sammlerstück

Einen wichtigen Anteil am CD-Comeback hat die K-Pop-Szene. Viele Künstler veröffentlichen ihre Alben in aufwendig gestalteten Editionen mit Fotokarten, Postern und exklusivem Zusatzmaterial. Häufig erscheinen gleich mehrere Versionen derselben Veröffentlichung mit unterschiedlichen Covern oder Beilagen. Wer seine Sammlung vervollständigen möchte, greift deshalb mitunter mehrfach zu.

Das Comeback-Album „ARIRANG“ von BTS gehört zu den Veröffentlichungen, die den CD-Markt 2026 besonders angekurbelt haben. Doch der Aufschwung beschränkt sich keineswegs auf K-Pop. Laut Luminate wären die CD-Verkäufe auch ohne BTS und andere Künstler des Genres im ersten Halbjahr um 6,7 Prozent gestiegen.

Auch in der Rockszene bleibt die Nachfrage nach physischen Tonträgern groß. Laut Luminate entfielen im ersten Halbjahr 2026 rund 44,5 Prozent der physischen Albumverkäufe in den USA auf Rockmusik. Damit lag das Genre deutlich vor Pop mit 16 Prozent sowie R&B und Hip-Hop, die gemeinsam auf 13,2 Prozent kamen. Limitierte Editionen, besondere Cover und Deluxe-Versionen machen CDs für Rockfans interessant. Gerade bei älteren Alben bieten Neuauflagen außerdem die Möglichkeit, die eigene Sammlung zu ergänzen oder längst vergriffene Veröffentlichungen wiederzuentdecken. Eine signierte CD der Lieblingsband macht sich schließlich deutlich besser im Regal als ein Screenshot der Spotify-Bibliothek.

Dass Streaming deshalb plötzlich ausgedient hat, ist allerdings unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Laut Luminate stieg die Zahl der On-Demand-Audiostreams in den USA im ersten Halbjahr 2026 um 4,8 Prozent auf rund 732,7 Milliarden Abrufe. Die CD muss Spotify also nicht ersetzen. Wer seine Lieblingsband beim Streaming entdeckt, kann sich anschließend das Album fürs eigene Regal kaufen.

Ob zum Musikhören oder als Sammlerstück, die kleinen Silberlinge haben wieder ihren Platz gefunden. Vielleicht lohnt es sich also doch, noch einmal die alten CD-Kisten auf dem Dachboden zu durchstöbern. Wer weiß, welche vergessenen Lieblingsalben dort auf ihre zweite Karriere warten.

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