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Die kuriosesten Werbeauftritte von Rockstars

Bob Dylan verkauft Dessous, Alice Cooper Schulhefte und Ozzy kommt mit der Technik nicht klar: Wenn Rockstars in der Werbung auftauchen, treffen Rebellion und Marketing mitunter ziemlich ungebremst aufeinander. Manche Kampagnen sind überraschend clever, andere wirken selbst Jahrzehnte später noch herrlich absurd. Ein Blick auf einige der kuriosesten Werbe-Gastauftritte der Rockgeschichte.

Gage Skidmore from Peoria, AZ, United States of America, CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons

Bob Dylan und Victoria’s Secret: Dessous statt Protesthymnen

Bob Dylan gehört nicht unbedingt zu den Künstlern, bei denen man spontan an Dessous-Werbung denkt. Umso größer war die Überraschung, als der Songwriter 2004 höchstpersönlich in einem Spot für Victoria’s Secret auftauchte. Gedreht wurde in Venedig. Dylan steht ganz in Schwarz vor düster-romantischer Kulisse, während ihm ein Model mit den berühmten Victoria’s-Secret-Engelsflügeln begegnet. Dazu läuft sein Song „Love Sick“.

Das Ergebnis bewegt sich irgendwo zwischen Musikvideo, Gothic-Romanze und besonders ambitionierter Parfümwerbung. Dass ausgerechnet einer der großen Köpfe der Gegenkultur plötzlich beim Verkauf von Unterwäsche half, sorgte entsprechend für Diskussionen. Ganz aus dem Nichts kam die Zusammenarbeit allerdings nicht: Victoria’s Secret hatte bereits zuvor Musik von Dylan für Werbezwecke verwendet. Trotzdem bleibt sein persönlicher Auftritt eines jener Bilder, bei denen man auch Jahre später noch zweimal hinschauen muss.

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Alice Cooper bei Staples: „School’s Out

Mit Alice Coopers „School’s Out“ ausgerechnet für den Schulstart zu werben, hatte einen ganz eigenen Reiz. 2004 trat Cooper in einem Werbespot für den Büro- und Schulbedarfshändler Staples auf. Darin zieht der Schockrocker mit einem Mädchen durch die Regale und besorgt Hefte und anderes Schulmaterial. Das Kind erinnert ihn hoffnungsvoll daran, dass es in seinem berühmtesten Song doch schließlich „School’s out forever“ heiße. Cooper stellt klar: Gemeint sei damit offenbar nur der Sommer.

Ausgerechnet der Mann, der mit „School’s Out“ seit Jahrzehnten das Ende des Unterrichts zelebriert, steht plötzlich zwischen Heften, Stiften und anderem Schulbedarf.

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Ringo Starr bei Pizza Hut: Die falsche Beatles-Reunion

In einem Werbespot spricht Ringo Starr davon, die „Jungs“ wieder zusammenzubringen. Für einen Moment scheint tatsächlich eine Beatles-Reunion in der Luft zu liegen, bis statt Paul McCartney und George Harrison plötzlich Micky Dolenz, Peter Tork und Davy Jones von den Monkees auftauchen. Ringos trockene Reaktion: „Wrong lads.“ Damit ist die vermeintliche Wiedervereinigung schnell aufgeklärt und der Weg frei für die eigentliche Hauptrolle des Spots: Pizza.

Beworben wurde die damals neue Stuffed-Crust-Pizza von Pizza Hut, deren Einführung 1995 von einer groß angelegten Werbekampagne begleitet wurde. Ganz unumstritten war Ringos Ausflug ins Fast-Food-Geschäft allerdings nicht. Die „Los Angeles Times“ zeigte sich damals wenig begeistert von der Kombination aus Beatles-Nostalgie, Monkees und Pizza, während Ringos Anwalt Bruce Grakal den Auftritt schlicht als humorvoll gemeinten Werbegag verteidigte.

2025 verriet Starr, dass er wegen verschiedener Lebensmittelallergien noch nie in seinem Leben Pizza gegessen habe. Rückblickend passt dazu ein kleines Detail der Werbung erstaunlich gut: Während die Monkees herzhaft zugreifen, hält Ringo sein Stück zwar in der Hand, beim Reinbeißen sieht man ihn jedoch nicht. Damit dürfte ausgerechnet der Mann, der Pizza Hut beim Verkauf der Stuffed-Crust-Pizza half, zu den wenigen Werbestars gehören, die das beworbene Produkt selbst nie probiert haben.

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David Bowie für Vittel: Ein Haus voller Bowies

David Bowie hatte im Laufe seiner Karriere genügend Alter Egos erschaffen, um eine komplette Werbekampagne allein zu besetzen. Der Mineralwasserhersteller Vittel machte sich das 2003 zunutze. In einem aufwendig produzierten Spot begegnet Bowie in einem Haus verschiedenen Figuren aus seiner eigenen Vergangenheit. Ziggy Stardust und andere Bowie-Inkarnationen tauchen wie ausgesprochen exzentrische Mitbewohner auf. Im Hintergrund läuft „Never Get Old“.

Von allen kuriosen Rockstar-Werbespots gehört die Kampagne zu den stilvolleren Beispielen. Bowie hält nicht einfach eine Wasserflasche in die Kamera. Stattdessen greift die Werbung seine eigene Popkultur-Geschichte auf und macht sie zum Konzept. Trotzdem bleibt ein gewisser Reiz des Absurden: Einige der einflussreichsten Kunstfiguren der Rockgeschichte treffen sich plötzlich in einem Mineralwasser-Spot.

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Iggy Pop und Swiftcover: Der etwas andere Versicherungsfall

Besonders verrückt wurde es 2009 beim britischen Autoversicherer Swiftcover. Iggy Pop wurde zum prominenten Gesicht einer großen Kampagne des Unternehmens. In den Spots sprang der Stooges-Frontmann gewohnt energiegeladen durch die Szenerie und erklärte die Vorzüge des Versicherers. Dann stellte sich ein interessantes Detail heraus: Swiftcover versicherte zu diesem Zeitpunkt bestimmte Berufsgruppen aus der Unterhaltungsbranche gar nicht. Der Rockstar, der für die Versicherung warb, hätte dort unter Umständen selbst keinen entsprechenden Versicherungsschutz bekommen.

Nach Beschwerden beschäftigte sich die britische Advertising Standards Authority mit der Kampagne. Die ursprüngliche Werbung durfte in dieser Form schließlich nicht weiterlaufen. Für Swiftcover war der Fall trotzdem nicht nur unangenehm. Die enorme öffentliche Aufmerksamkeit führte dazu, dass sich das Unternehmen mit seinen Bedingungen für Musiker auseinandersetzte. Iggy Pop hatte damit geschafft, was selbst jahrzehntelange Punk-Attitüde nicht zwingend erwarten ließ: Er brachte eine Versicherung dazu, über ihre Regeln für Rockmusiker nachzudenken.

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Ozzy Osbourne und Justin Bieber: „What’s a Bieber?

2011 brachte Best Buy für seinen ersten Super-Bowl-Werbespot zwei Musikgenerationen zusammen, die kaum unterschiedlicher sein konnten: Ozzy Osbourne und Justin Bieber. Der eine war längst Heavy-Metal-Legende, der andere gerade einer der größten Teenie-Stars der Welt.

Im Spot soll Ozzy Werbung für neue Mobilfunktechnik machen, verliert angesichts ständig neuer Begriffe und Geräte aber zunehmend den Überblick. Schließlich wird er durch Bieber ersetzt, passend zur Botschaft der Kampagne: Technik entwickelt sich so schnell, dass selbst gerade gekaufte Geräte bald schon wieder veraltet sein können. Beworben wurde damit Best Buys damaliges „Buy Back Program“, bei dem Kunden bestimmte Elektronikgeräte später wieder zurückverkaufen konnten. Ozzy verkörperte den überforderten Veteranen, Bieber die nächste Generation. Die Pointe liefert Ozzy am Ende selbst mit der Frage: „What’s a Bieber?

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Steven Tyler: Das singende Skittles-Porträt

Für den Super Bowl 2016 setzte Skittles erstmals einen Prominenten in einem TV-Spot ein und entschied sich mit Steven Tyler gleich für eine besonders dankbare Wahl. Der Aerosmith-Sänger passte mit seiner ohnehin extravaganten Bühnenfigur ziemlich gut zum bewusst schrägen Stil der Marke. Der Spot mit dem Titel „The Portrait“ war zugleich erst Skittles’ zweiter Auftritt beim Super Bowl.

Darin bekommt Tyler ein Porträt seiner selbst präsentiert, das vollständig aus Skittles zusammengesetzt ist. Begeistert ist er davon zunächst nicht. Das Bild kann allerdings nicht nur sprechen, sondern versucht auch, Aerosmiths „Dream On“ zu singen. Tyler fordert immer höhere Töne, bis das Porträt schließlich unter der Anstrengung auseinanderbricht und die bunten Süßigkeiten durch den Raum fliegen.

Bei der Kritik gingen die Meinungen durchaus auseinander. Während einige den schrägen Auftritt als passend zu Tyler und Skittles empfanden, bezeichnete etwa die Washington Post den Spot sinngemäß als gleichermaßen lustig und verstörend. Andere Kritiker konnten mit dem singenden Süßigkeiten-Porträt deutlich weniger anfangen. Subtil war die Werbung jedenfalls nicht, aber bei Steven Tyler wäre das vermutlich ohnehin die falsche Strategie gewesen.

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Wenn Rock’n’Roll plötzlich Werbung macht

Dass Rockstars in der Werbung funktionieren, hat oft weniger mit dem Produkt zu tun als mit der Geschichte, die sie selbst mitbringen. Ein bekanntes Gesicht, eine markante Stimme oder ein bestimmtes Image reichen oft schon, damit ein Spot sofort verständlich wird. Gerade der Gegensatz zwischen Rockstar-Mythos und Werbealltag macht viele dieser Kampagnen so einprägsam. Ganz frei von Kritik ist das natürlich nicht: Wer jahrzehntelang für Rebellion, Eigenständigkeit oder Gegenkultur stand, wirkt als Markenbotschafter schnell widersprüchlich.

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