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Die meistgehassten Gitarrensoli der Rockgeschichte: Genial daneben oder einfach schlecht?

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden – doch kaum jemand diskutiert musikalische Fehltritte so leidenschaftlich wie Gitarristen. Besonders, wenn sie von erfolgreicheren Kollegen stammen. Kein Wunder also, dass einige Soli in Foren, YouTube-Kommentaren, Worst-of-Listen und Musiker-Diskussionen immer wieder als Negativbeispiele auftauchen. Entweder, weil sie technisch unsauber gespielt oder harmonisch unpassend sind, oder weil sie vor lauter Speed-Gefrickel, Wah-Wah- oder anderweitigem Effekt-Einsatz kaum noch Raum für Musik lassen. Hier findet ihr fünf solcher Beispiele.

Die meistgehassten Gitarrensoli der Rockgeschichte
Credits: Shutterstock / PrinceOfLove

Kunst oder Katastrophe?
Warum schlechte Gitarrensoli oft Geschmackssache sind.

Eines gleich vorweg: Die Bewertung „schlecht“ ist immer relativ. Ein bewusst atonales oder punkig-ranziges Solo kann genau richtig sein, wenn es die Stimmung des Songs unterstützt oder eben gezielt konterkariert. Die Soli von Nirvanas „Milk It“ oder „Mother“ von The Police sind sehr gute Beispiele dafür, wie man Schrägheit zu einem ästhetischen Konzept machen kann. 

Fragwürdig wird es dort, wo die Grenzen verschwimmen: Ist das noch Kunst oder kann das weg? Die folgenden Beispiele gehören zu den Gitarrensoli, die besonders häufig kritisiert, verspottet oder zumindest heiß diskutiert werden. 

Beastie Boys – No Sleep Till Brooklyn (Gitarrist: Kerry King)

Die Beastie Boys treffen auf Slayer bzw. auf dessen Gitarristen, Kerry King. Dieser Gastauftritt ist eigentlich ein fantastischer Kulturcrash: Die Beastie Boys grooven sich durch ihren Rap-Rock-Song, und plötzlich kommt wie aus dem Nichts ein atonales Metal-Gewitter mit Whammy-Bar-Orgien, schrillen Harmonics und High-Gain-Sound.

Was für die einen wie blanke Comedy erscheint, ist für andere genau der richtige Over-the-top-Moment. Und genau das macht das Solo so legendär: Es passt entweder perfekt, weil es so schräg ist, oder es ist genau aus diesem Grund verstörend.

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Poison – Guitar Solo (Live) (Gitarrist: C.C. DeVille)

Poison steht wie kaum eine andere Band – von Mötley Crüe vielleicht abgesehen – für die schillernde Überdrehtheit des 80er-Glam- und Hair-Metal. Die Live-Soli des Gitarristen C.C. DeVille bewegen sich dabei häufig zwischen stadiontauglicher Rockstarpose, Shred-Licks und chaotischem Notenregen – je nach Tagesform und Schmerzgrenze des Publikums. Aufnahmen wie „Swallow This Live“ werden deshalb gerne als Beispiel dafür genannt, was passiert, wenn Rockstar-Attitüde wichtiger wird als Musikalität und dramaturgischer Aufbau. Fairerweise muss man jedoch sagen: In diesem Genre gehört schlechter Geschmack fast schon zum guten Geschmack.

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Metallica – Lux Æterna (Gitarrist: Kirk Hammett)

Kirk Hammett muss in Gitarrenforen so einiges einstecken und insbesondere das Solo von „Lux Æterna“ erntet oft Kritik: Viele Fans empfinden es als zu spontan, zu „faul“ und zu uninspiriert. Statt der epischen Größe eines „One“-, „Master of Puppets“- oder „Fade to Black“-Solos gibt es einen hektischen Lead-Ausbruch, bestehend aus Pentatonik-Alarm und archetypischem Hammett-Wah. 

Kirk nimmt das mit Humor und sagt selbst: „Ich habe die ganze Zeit nur gelacht … Ich könnte sechs oder sieben Drei-Oktaven-Arpeggien in Sechzehntelnoten aneinanderreihen, mich jeden Tag hinsetzen und üben und sagen: ‘Hey, seht mal, was ich kann!’ … Das wird in keinem Metallica-Song funktionieren!“ Ob man nun das Solo als rohe und ehrliche Improvisation oder als kompositorische Bequemlichkeit wahrnimmt, entscheidet vermutlich der Geschmack.

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Vinnie Vincent Invasion – Boyz Are Gonna Rock (Gitarrist: Vinnie Vincent)

Vinnie Vincent wollte nach seinem Rauswurf bei KISS offenbar keine Fragen offenlassen – außer vielleicht der einen, wie viele Noten in einen Takt passen. Der Song „Boyz Are Gonna Rock“ vom 1986 erschienenen Vinnie-Vincent-Invasion-Album liefert ein Musterbeispiel für 80er-Jahre-Shred-Auswüchse: Das Solo ist schrill, schnell, überladen und mit einer Attitüde, die Spinal Tap erblassen lässt. Klar, spielen kann der Mann, dennoch wird dieses Solo in der Gitarren-Community oft als Inbegriff gitarristischen Größenwahns gehandelt.

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Neil Young – Cinnamon Girl

Neil Young spielt in „Cinnamon Girl“ eines der bekanntesten Ein-Noten-Soli der Rockgeschichte – und genau das spaltet bis heute die Gemüter. Für die einen ist es stoische Genialität, für andere schlichtweg musikalische Faulheit. Heute wirkt Youngs Solo fast wie ein früher Gegenentwurf zum späteren Virtuosen-Kult: reduziert, roh und mit hohem Wiedererkennungswert.

Kein Wunder also, dass Youngs Gitarrenästhetik später oft mit Punk, Alternative Rock und Grunge in Verbindung gebracht wurde. Strenggenommen ist „Cinnamon Girl“ daher weniger ein gehasstes Solo als ein polarisierender Kultmoment, der zeigt, wie wenig Noten man braucht, um Gitarristen trotzdem maximal zu entzürnen.

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Fazit: Kritik ist einfach – ein gutes Solo nicht

Auflistungen dieser Art sollte man natürlich immer mit einer Prise Salz begegnen, denn eines darf man nicht vergessen: Alle hier genannten Gitarristen haben sich auf ihre Weise um die Musik verdient gemacht, ein Millionenpublikum erreicht und Songs, Sounds oder ganze Stilrichtungen mitgeprägt. Ein einzelnes fragwürdiges Solo ändert daran erst einmal gar nichts. Zudem ist es immer leicht, aus sicherer Entfernung zu kritisieren, besonders, wenn man selbst nicht vor zigtausend Menschen spielt, im Studio abliefern muss oder das halbe Jahr auf Tour ist. 

Nicht jedes Solo kann ein zweites „Comfortably Numb“ oder „Hotel California“ sein, und vielleicht sollte man von Gitarristen auch nicht erwarten, dass sie in jedem Song das Rad neu erfinden. Ein bisschen Gnade und Bescheidenheit ist also angebracht – selbst dann, wenn das Wah-Wah-Pedal eindeutig zu oft getreten wurde.

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