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Die-Prinzen-Sänger über AfD-Wähler: „Das sind keine Zombies“

Sebastian Krumbiegel will AfD-Wähler nicht pauschal verurteilen. Der Sänger von Die Prinzen setzt auf Gespräche und Verständnis für die Ursachen des Frusts. Bei Rassismus und Antisemitismus endet für ihn allerdings jede Nachsicht.

Uploaded by The weaver, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Sebastian Krumbiegel ist nicht dafür bekannt, politische Debatten einfach nur auszusitzen. Seit Jahren engagiert sich der Sänger von Die Prinzen gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus, steht bei Demonstrationen auf der Bühne und sagt ziemlich deutlich, was er denkt. Dass er ausgerechnet bei AfD-Wählern für einen differenzierteren Blick wirbt, dürfte so manchen überraschen. Krumbiegel will sie nicht pauschal verurteilen, sondern verstehen, warum sie ihr Kreuz bei der Partei machen.

Die Aussagen fallen mitten in den Wahlkampf. Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Zwei Wochen später folgen die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Im Interview mit dem „Playboy“ erklärte der 60-Jährige, er wolle nicht jeden beschimpfen, der die AfD wählt. Gerade in ländlichen Regionen fühlten sich viele Menschen abgehängt. Wenn Busverbindungen verschwinden, Kneipen und Clubs schließen und der Eindruck entsteht, dass sich die Politik ohnehin nicht mehr für den eigenen Ort interessiert, sei der Frust zumindest nachvollziehbar. Eine Entschuldigung für die Wahl der AfD ist das für Krumbiegel trotzdem nicht. Man müsse aber herausfinden, was Menschen dorthin treibe. „Das sind ja trotz allem keine Zombies.“

Mit AfD-Wählern reden – nicht mit Parteikadern

Schon im Februar sagte Krumbiegel im Gespräch mit „Politik & Kultur“, dass er vor AfD-Anhängern auftreten würde, nicht jedoch vor Funktionären der Partei. Sein Ziel sei es, Denkanstöße zu geben und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Wie das aussehen kann, hat er bereits vor der Thüringer Landtagswahl 2024 ausprobiert. In Themar beteiligte sich Krumbiegel an einem kleinen Festival, das einen Gegenpunkt zu den dortigen Rechtsrock-Veranstaltungen setzen sollte. Seine Erkenntnis daraus: Menschen nicht verteufeln, ansprechbar bleiben und trotzdem eine rote Linie ziehen.

Denn Verständnis bedeutet für den Prinzen-Sänger keineswegs, jede Position hinzunehmen. Bei rassistischen oder antisemitischen Aussagen ist für ihn Schluss.

Krumbiegel warnt vor Verschiebung nach rechts

Wie ernst ihm diese Grenze ist, macht Krumbiegel im April bei der Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora deutlich. Dort warnte er davor, wie sich der gesellschaftliche Diskurs langsam verschiebt. Problematische Sprache komme längst nicht mehr nur vom äußersten rechten Rand, sondern sei inzwischen auch in Talkshows und Parlamenten angekommen.

Sein Vorschlag: weniger pauschale Beschimpfungen, mehr Gespräche und eine Politik, die Menschen wieder konkrete Perspektiven bietet. Dazu gehören für Krumbiegel auch funktionierende Infrastruktur und kulturelle Angebote. Ob sich damit noch jedes festgefahrene Weltbild erreichen lässt, bleibt offen.

Der Appell wird deutlich: miteinander reden, ohne menschenfeindliche Positionen auch nur einen Zentimeter salonfähiger zu machen.

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