Der September wird heiß. In Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wird gewählt. Umso wichtiger ist es, klar Stellung zu beziehen. Hier kommen sechs Songs von sechs Artists, die für die Demokratie einstehen und sich stabil gegen rechts positionieren. Denn am Ende geht es um nichts Geringeres als das, was in Artikel 1 des Grundgesetzes steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Oder, wie die große Margot Friedländer es auf den Punkt brachte: „Seid Menschen!“

Danger Dan – Keine Angst
„Und die Geschichte hat uns schon mal gezeigt
Es wird noch schlimmer, wenn man gar nichts tut und schweigt
Keine Angst, nehmt es selber in die Hand
Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang“
Es war der Aufschrei des Sommers, als Danger Dan und Igor Levit kurzfristig aus der ZDF-Sendung Die Anstalt ausgeladen wurden. Eigentlich war geplant, dass sie dort Danger Dans neue Single Keine Angst spielen – im Anschluss sollte über den Inhalt diskutiert werden. Schnell war von Zensur die Rede. Die Macher der Anstalt und die Künstler positionierten sich gegen die Entscheidung der ZDF-Intendanz. Das Ende des Textes ist streitbar, die darin formulierte Anleitung für viele linke junge, auf dem Land lebende Menschen aber ein Strohhalm, der ihnen in der Alltagsrealität ein Stück Selbstermächtigung ermöglicht.
Marlo Großhardt feat. EALA – Kleinstadtpropaganda
„Von geht keiner in die Großstadt, um da irgendwas zu studier’n
Wir bleiben, bis der Kampf gewonn’n ist
Gibt noch paar Nasen zu riskier’n“
Der aus einem kleinen Dorf nahe Hamburg stammende 24-jährige Musiker Marlo Großhardt hat sich in seiner jungen Karriere von Anfang an politisch klar positioniert und Songs geschrieben, die, so Großhardt, „nicht um den heißen Bei herumreden“. Auf seinem gerade erschienen dritten Album Bildet Banden knüpft Großhardt mit dem Song Kleinstadtpropaganda an die großartigen Lieder Partisanen und Oma an. Genau wie Danger Dan beleuchtet er darin die sich zuspitzende Situation im ländlichen Raum und formuliert seine Handlungsanweisung.
Apsilon – Sommermärchen
„Ich bin neun Jahre alt jetzt
Ich pust’ neun Flamm’n aus, darf mein Ballack-Trikot tragen
Mein Baba macht den Fernseher an am Abеnd
Und nachdem der Sprechеr meint, dass die Weltmeisterschaft bald startet
Wird er ein bisschen ernster in der Sprache und er sagt
„Zwei Kugeln in den Kopf, der Tote hatte schwarze Haare“
Es ist der Sommer 2006. Bei der Heim-WM wird Deutschland trotz „Sommermärchen“ nicht wie erhofft Weltmeister, der NSU mordet unbemerkt weiter und der Berliner Rapper Apsilon feiert seinen neunten Geburtstag. Zwanzig Jahre später blickt er mit seinem neuen Song Sommermärchen auf diese Zeit zurück und stellt die Euphorie der Heim-WM der bitteren Realität rechter Gewalt gegenüber – berührend aus der Perspektive eines Kindes, mit Recap und Plot-Twist in der letzten Strophe.
Soffie – Für immer Frühling
„Du nennst es Utopie, ich nenn’ es Heimat
Revolutionierte Freiheit
Und wenn ich mei’m Bett abends einschlaf’
Träum’ ich davon
Von dem Land, in dem für immer Frühling ist“
Mit Für Immer Frühling gelang der Künstlerin Soffie 2024 fast über Nacht der Durchbruch: Der Song ging auf Social Media viral. Darin formuliert Soffie ihre Utopie von einer gerechten Welt, in der für alle Menschen Platz ist – als Singalong mit deeper Botschaft.
Let Me Drown & Friends – „Alle hassen Nazis“ (Cover)
„Das ist ja nicht mal links, was ich sag’, guck ma’
Wir sind ja nicht mal linksradikal
Das ist einfach nur normal
Alle hassen Nazis“
Im Original stammt Alle hassen Nazis von der Berliner Band KAFVKA und erschien bereits 2018. Seitdem ist der Song zur Hymne vieler Demos gegen rechts geworden. Im August 2026 veröffentlicht die Regensburger Band Let Me Drown eine Coverversion des Songs. Unterstützt wird sie dabei von 13 weitere Bands aus der Metal- und Hardcore-Szene: Captivated, Pentastone, Consvmer, Leyka, Devil May Care, Mavis, XO Armor, Defiance, Haxan 030, Drover, Minus Youth, Deadend und Love & Lose. Die gesamten Einnahmen von Song und Shirt, auf dem „Nie wieder ist jetzt“ steht, gehen an den weißen Ring e.V. der sich für Kriminalitätsopfer einsetzt.
Paula Paula – Kein Arschloch
„Ich will Geld dafür, dass ich kein Arschloch werd’
Freundlich bleiben wird mir täglich mehr erschwert
Bei ‘nem staatlich finanzierten rechten Mob
Wird Ruhigbleiben und Atmen halt zum Vollzeitjob“
Sängerin Marlène Colle von der Band Paula Paula bezeichnet ihre Musik als „Dystopisch-romantischen Aufruhrpop“. Auf ihrem gerade veröffentlichten Album Heilige Scheiße versammelt sie 10 politische Songs – ein Rundumschlag „aus der Mitte des Misthaufens … mit Texten, die mit der einen Hand ins Gesicht hauen, während sie die andere zur endgültigen Versöhnung ausstrecken.“ Einer davon ist Kein Arschloch. Darin fordert Marlène eine Ausgleichszahlung dafür, den Menschen und der Welt empathisch zugewandt zu bleiben – und eben kein Arschloch zu sein.
Auf Tour
Alle sechs Artists spielen diesen Herbst live. Besucht sie auf Tour und kauft euch eure Tickets im Vorverkauf, um sie zu supporten.
Apsilon
10.11. Nürnberg – Z-Bau
11.11. Münster – Skaters Palace
12.11. Köln – Carlswerk Voctoria
16.11. Wiesbaden – Schlachthof
18.11. Berlin – Columbiahalle
– Rest der Tour ist ausverkauft
Tickets
Soffie
3.11. Nürnberg – Z-Bau Galerie
4.11. Wien – Flucc
5.11. München – Ampere
6.11. Zürich – Exil
8.11. Stuttgart – Im Wizemann
11.11. Hannover – LUX
12.11. Hamburg – Knust
13.11. Bremen – Kulturzentrum Lagerhaus
14.11. Rostock – M.A.U. Club
18.11. Leipzig – Moritzbastei
19.11. Erfurt – Kalif Storch
20.11. Berlin – Franzz Club
21.11. Köln – Luxor
22.11. Frankfürt – Nachtleben
Tickets
Paula Paula
25.09. Kiel – Hansa
26.09. Hamburg – Knust
11.11. Wiesbaden – Schlachthof
12.11. Erlangen – E-Werk
13.11. München – Milla
14.11. Karlsruhe- Tollhaus
26.11. Berlin – Badehaus
27.11. Kassel – Schlachthof
28.11. Leipzig – Horns Erben
29.11. Berlin – Badehaus (Zusatzshow)
Tickets
Let Me Drown
31.10. Göppingen – Core Fest 2026, EWS Arena
Tickets
Danger Dan
Komplette November Tour ist ausverkauft.
Tickets für die Sommertour 2027 findet ihr hier.
























Bluegrass Picker sagt:
#1 - 05.09.2026 um 11:32 Uhr
Für Demokratie einstehen kann durchaus auch die Aufgabe von Musik sein. Kein Mensch bei klarem Verstand wünscht sich ein derartiges Regime zurück. Die einseitige Fixierung "gegen Rechts" lässt aber außer Acht, dass Demokratie auch durch Islamisten und Linksextreme bedroht ist. Die Linksextremen haben uns in letzter Zeit mehr als einmal den Strom abgestellt und vereinnahmen den Kampf gegen rechten Extremismus für sich, was ihnen genausowenig als Monopol zusteht wie den Rechten der Heimatbegriff. Islamisten empfinden Pop- und Rockmusik als unrein und wollen diese säkulare und libertäre Gesellschaft unterwandern. Ehrlich gesagt, macht einem Freigeist wie mir das Letztere weit mehr Sorgen denn die Entwicklung zur von Houllebeque beschriebenen Unterwerfung ist inzwischen deutlich in unserem Gesellschaftsbild sichtbar. In einem deutlichen Willen zur medialen Kontrolle von Sprachduktus und Terminologie über das Verbot von Indianerkostümen für Kinder an Fasching bis hin zur Umbenennung von Weihnachten als Lichterfest und der Abschaffung von Schweinefleisch in den Kantinen. Davon redet komischerweise kein Mensch und es wird auch kein Lied dagegen veröffentlicht. Von oben verordnete politische Korrektheit erzeugt Argwohn. Von oben verordnete sprachliche Veränderung erzeugt Widerwillen. Aber von oben verordnete Cancel Culture, Thementabus und Sprechverbote erzeugen äußerstes Misstrauen. Wenn dann auch noch ein Landeschef sich das Plagiats schuldig gemacht hat, bekommen wir solche Wahlergebnisse wie am Sonntag in Sachsen-Anhalt. Als freigeistige und demokratische Musiker haben wir die Pflicht, alle Missstände in diesem Land beim Namen zu benennen. Sehr lobenswert, dass Wolfgang Niedecken und Herbert Grönemeyer zu ihren Überzeugungen stehen. Vielleicht sollten sie aber auch mal überlegen, was zu dieser Entwicklung im Moment geführt hat. Eine Sehnsucht der Wähler nach 1933 war es mit Sicherheit nicht.
Cosmosquare sagt:
#1.1 - 05.09.2026 um 19:03 Uhr
Lieber Bluegrass Picker, besser hätte ich es nicht ausdrücken können - vielen Dank für Deinen aufrichtigen, mutigen, sachlichen und differenzierten Kommentar!
Antwort auf #1 von Bluegrass Picker
Melden Empfehlen Empfehlung entfernenMusikGegenRechtsIstSuper sagt:
#1.1.1 - 06.09.2026 um 18:52 Uhr
Ich glaube, du vermischst hier mehrere Dinge. Ein Artikel über Lieder gegen Rechtsextremismus muss nicht gleichzeitig alle anderen Gefahren für die Demokratie behandeln. Der Hinweis auf Islamismus, Linksextremismus oder Cancel Culture hat nichts mit dem Thema des Artikels zutun. Das ist an dieser Stelle schlicht Whataboutism. Inhaltlich sind einige deiner Beispiele zudem zumindest fragwürdig bzw. stark verkürzt dargestellt. Und aus der Tatsache, dass es gesellschaftliche Entwicklungen gibt, die du kritisch siehst, folgt weder, dass diese tatsächlich „von oben verordnet“ sind, noch dass sie die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt erklären. Man kann durchaus fordern, dass Musiker sich auch mit anderen Formen von Extremismus beschäftigen. Aber daraus eine Relativierung des Themas Rechtsextremismus zu machen, führt an der eigentlichen Diskussion vorbei und ist bei der aktuellen Lage fehl am Platz. An die Redaktion: Herzlichen Dank, dass ihr hier Stellung bezieht. Wir brauchen das dringend mehr in unserer Gesellschaft.
Antwort auf #1.1 von Cosmosquare
Melden Empfehlen Empfehlung entfernenBluegrass Picker sagt:
#1.1.1.1 - 07.09.2026 um 06:48 Uhr
Grundsätzlich falsch. Entweder man will Demokratie schützen oder nicht, dann muss man aber auch alle Gefahren benennen die der Demokratie drohen. Das hat mit Relativierung oder Whataboutism überhaupt nichts zu tun. Es sei denn, man kocht sein eigenes Süppchen und beschwört ständig die Gefahr von Rechts. Das ist nachweislich eine Spezialität der Ultralinken. Das Problem von Friedrich Merz ist, dass er sich schlauer vorkommt als der Rest der Bevölkerung und mit der Finanzierung eines fremden Krieges diese von ihren eigenen Problemen abzulenken sucht. Das Ergebnis haben wir seit gestern abend. Wir dürfen noch mehr zahlen, dürfen noch mehr und länger arbeiten und das für Menschen und Ziele, die seit den Gründervätern nachweislich nicht im Grundgesetz verankert sind. Es wäre fatal so weiter zu wursteln wie bisher. Und offenbar weiß der Wähler sich nicht mehr anders als mit Protestwahlen zu helfen.
Antwort auf #1.1.1 von MusikGegenRechtsIstSuper
Melden Empfehlen Empfehlung entfernenBluegrass Picker sagt:
#1.1.1.1.1 - 07.09.2026 um 07:24 Uhr
PS. Es wäre schön, wenn bei allem Engagement die Redaktion sich auf die reinen Tugenden einer medialen Plattform für Musiker besinnen würde,anstatt der zunehmend um sich greifenden Politisierung und Propaganda auch noch hier weiter Raum zu geben. Lassen wir uns unser schönes Hobby nicht durch politische Spaltungen und Lagerkämpfe verderben. Es reicht schon, dass Fussballvereine das mit sich machen lassen.
Antwort auf #1.1.1.1 von Bluegrass Picker
Melden Empfehlen Empfehlung entfernenJuergen sagt:
#2 - 07.09.2026 um 21:52 Uhr
Unsere Band Good4Nothing hat mit „Nicht die Polizei“ auch einen Antifa ProgRock Song in der Setlist, den wir aktuell öfters spielen.