Bei der Wahl der richtigen Gitarrenbrücke haben Gitarristen heute zahlreiche Möglichkeiten, die von einer festen Brücke über klassische Vintage-Tremolos bis hin zum Floyd-Rose-Tremolo reichen. Letzteres machte vor allem in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit seiner enormen Stimmstabilität und auf den Gitarren renommierter Guitar-Heroes Furore. Doch welches Tremolosystem ist besser? Wie so oft gibt es auch bei Gitarrenbrücken keine Vorteile ohne Nachteile. Deshalb vergleichen wir in diesem Feature das traditionelle Vintage-Tremolo mit dem Floyd-Rose-System und zeigen, wo die Unterschiede bei Stimmstabilität, Sound, Saitenwechsel, Oktavreinheit und Wartung liegen.

Inhaltsverzeichnis
- Stimmstabilität im Vergleich: Warum Floyd Rose bei extremen Whammy-Bar-Einsätzen vorne liegt
- Soundvergleich: Warum Vintage-Tremolos oft mehr Twang und Sustain liefern
- Tremolo stilllegen: mehr Sound, bessere Stimmstabilität und weniger Probleme bei Saitenriss
- Saitenwechsel und Stimmen: Warum Vintage-Tremolos alltagstauglicher sind
- Oktavreinheit einstellen: Warum das Floyd Rose mehr Aufwand macht
- Floyd Rose vs. Vintage-Tremolo: Unterschiede bei Wartung und Verschleiß
Stimmstabilität im Vergleich: Warum Floyd Rose bei extremen Whammy-Bar-Einsätzen vorne liegt
Das Floyd Rose-Tremolo wurde vor allem deshalb so populär, weil es extrem stimmstabil ist und besonders in den Achtziger- und Neunzigerjahren exzessive Aktionen mit dem Tremolohebel (Whammy-Bar) an der Tagesordnung waren. Aus diesem Grund sieht man das System nicht nur bei Gitarristen wie Van Halen oder Steve Vai, sondern auch bei Studiogitarristen der 80er wie Steve Lukather, Dann Huff oder Michael Landau. Das Floyd Rose hält das Tuning aufgrund der doppelten Arretierung der Saiten und des minimalen Reibungswiderstandes tadellos, was mit damaligen Vintage-Tremolos nur schwer realisierbar war.
Mittlerweile ist dieses Argument jedoch zum Teil hinfällig, denn gute, modernisierte Vintage-Tremolosysteme wie beispielsweise das Wilkinson VSVG in Kombination mit Locking-Tunern halten die Stimmung ebenfalls problemlos. Und bei Bedarf hilft, wie eh und je, ein kleiner Tropfen Ballistol oder anderes säurefreies Öl, die Reibung dort zu minimieren, wo die Saiten aufliegen. Trotzdem wird beim direkten Aufeinandertreffen extremer Whammy-Stunts und großer Intervall-Detunings das Floyd Rose als klarer Sieger den Ring verlassen.
Soundvergleich: Warum Vintage-Tremolos oft mehr Twang und Sustain liefern
Ein großer Minuspunkt von Floyd-Rose-Tremolos ist sicherlich der Soundverlust, den ihre Konstruktion mit sich bringt. Die winzigen Auflagepunkte, die sich durch die Messerkanten ergeben, übertragen die Saitenschwingungen naturgemäß nicht in dem Maß wie eine feste Brücke oder ein fest auf den Korpus geschraubtes System. Insgesamt werden weniger Bässe wiedergegeben, insbesondere wenn das System “floating” aufgesetzt ist, also frei schwebend und nach oben und unten verstimmbar. Hier hat ein Vintage-Tremolo klar die Nase vorn, vorausgesetzt, das verwendete Material bei Saitenreitern und Tremoloblock ist gut gewählt, denn es klingt insgesamt ausgewogener, spritziger und liefert mehr Twang.
An dieser Stelle lässt sich allerdings ein berechtigter Einwand anbringen: Auch moderne, vintage-orientierte 2-Punkt-Tremolos wie das Gotoh 510 oder das Babicz FCH 2-Point übertragen die Saitenschwingungen ebenfalls nicht so direkt auf den Korpus wie eine feste Brücke oder ein komplett aufliegendes Vintage-Tremolo. Bei hochwertigen Systemen fällt dieser Unterschied jedoch meist deutlich geringer aus als bei einem Floyd Rose und bleibt in der Praxis oft eher nuanciert.
Tremolo stilllegen: mehr Sound, bessere Stimmstabilität und weniger Probleme bei Saitenriss
Prinzipiell wird der Sound beider Systeme anders und oft auch besser, wenn man sie partiell “stilllegt”. Das bedeutet, dass sie so arretiert werden, dass ein Verstimmen nur nach einer Richtung möglich ist, in der Regel nach unten. Dafür kann man beispielsweise mit einem kleinen Holzklotz zwischen Tremoloblock und Korpus sorgen, oder man legt das Vintage-Tremolo komplett auf, was auch den Vorteil hat, dass die Stimmung bei einem Saitenriss nicht vollkommen flöten geht.
Einige Gitarristen haben versucht, den Klangverlust des Floyd Rose durch den Einsatz spezieller, stärkerer Humbucker zu kompensieren. Aber zur Ehrenrettung in Sachen Ton muss man auch konstatieren, dass es ganz hervorragende Beispiele gibt, die mit einem Floyd Rose eingespielt wurden. Und auch wenn der Sound sich anders präsentiert als bei einem Vintage-Tremolo – diese Eigenheit gehört zum Floyd-Rose-Charakter und hat immerhin Musikgeschichte geschrieben.
Saitenwechsel und Stimmen: Warum Vintage-Tremolos alltagstauglicher sind
Das Wechseln der Saiten und auch das Stimmen geht bei Vintage-Tremolos normalerweise leichter und schneller von der Hand und im besten Fall benötigt man nicht einmal Werkzeug. Beim Floyd Rose sind Seitenschneider oder Kombizange zum Entfernen der Ball-Ends und Inbusschlüssel unerlässlich. Hat man diese auf die Schnelle nicht greifbar, wird der Saitenwechsel ein schwieriges Unterfangen. Auch das Stimmen hat aufgrund der Leichtgängigkeit von Floyd-Rose-Systemen seine Tücken, denn stimme ich eine Saite höher, bewegt sich auch das Tremolo nach oben und die restlichen Saiten werden entspannt, sodass zu Beginn häufig nachgestimmt werden muss und der Gesamtprozess deutlich länger dauert als bei der Vintage-Variante. Dieser Umstand ist nicht zuletzt auch ein Grund, warum das Floyd Rose von manchen Usern in “Freud-Los” umgetauft wurde.
Oktavreinheit einstellen: Warum das Floyd Rose mehr Aufwand macht
Das Einstellen der Oktavreinheit ist bei fixierten Brücken in der Regel mit einem Kreuzschraubenzieher zu bewältigen. Bei Floyd-Rose-Systemen ist der Prozess etwas kniffliger und man muss aufpassen, dass der Saitenhalter beim Loslösen nicht komplett nach vorne rutscht. Glücklicherweise gibt es hierfür zusätzliche Tools, wie z. B. von Allparts oder Ibanez, die als Intonationswerkzeuge Hilfe leisten können.
Floyd Rose vs. Vintage-Tremolo: Unterschiede bei Wartung und Verschleiß
Bei Vintage-Tremolos werden kaum Wartungsarbeiten anfallen, wenn man sorgsam mit ihnen umgeht. Schwachpunkte sind, wenn überhaupt, die Schraub- bzw. Einsteckvorrichtungen des Tremoloarms, die man behutsam bedienen sollte. Beim Floyd Rose hat man es mit mehreren Schrauben und Gewinden zu tun, die permanent in Betrieb sind und nicht zu fest angezogen werden sollten, damit die Gewinde keinen Schaden nehmen. Das fängt bei den Schrauben der Saitenböckchen am Tremolo an, wo die abgeknipsten Saitenenden eingespannt werden. Hier sammeln sich auch gerne Metallspäne und Schmutz, sodass hier regelmäßig ausgeblasen oder gereinigt werden sollte. Auch die Inbusschrauben am Sattel können im Laufe der Jahre Abnutzungserscheinungen zeigen und sollten ebenfalls nicht übermäßig angezogen werden.
Ein weiterer Wartungspunkt beim Floyd Rose sind die Messerkanten, über die das Tremolo auf die Bolzen (Studs) kippt: Bei hochwertigen Systemen ist der Verschleiß zwar gering, beschädigte Auflagepunkte können dennoch dazu führen, dass das Tremolo nicht mehr sauber in die Ausgangsposition zurückkehrt. Deshalb sollten Messerkanten und Bolzen sauber gehalten und möglichst nicht unter voller Saitenspannung verstellt werden.
Die besten Licks zu beiden Tremolotypen findet ihr hier:

Tremolohebel, Whammy Bar oder Jammerhaken – drei Namen für ein geniales „Effektgerät“, das immer zur Hand ist und die Hauptrolle in unserem Workshop spielt.

Das Floyd Rose Tremolo steht für extreme Whammy-Bar-Tricks und Licks, die in unserem kleinen Workshop die Hauptrolle spielen.

























THORSTEN sagt:
#1 - 29.05.2022 um 19:13 Uhr
Ich würde sagen, nur weil man einmal im Monat ne amtliche Divebomb machen will, lohnt sich das Floyd Rose nicht, es ist ganz nett zu haben aber insgesamt gesehen m.E. zu unpraktisch.
THORSTEN sagt:
#2 - 29.05.2022 um 19:16 Uhr
Ein gutes Wilkenson 2 Punkt Tremsystem tut es auch.
THORSTEN sagt:
#3 - 29.05.2022 um 19:17 Uhr
Sehr guter Artikel übrigens.
Clara Verstand sagt:
#4 - 06.09.2025 um 08:37 Uhr
Ich spiele über 30 Jahre FR-Systeme, warte und tausche diese aus, wenn verschlissen. Was in diesem Artikel fehl, ist der Hinweis auf Verschleiß der Messerkanten und Beschädigung bei neuen Gitarren durch Höheneinstellung mit gestimmten Saiten. Das geschieht durch Reibung Messerkante auf Bolzen in Drehbewegung. Es hast die Wirkung einer Rundfeile, die die Messerkante entsprechend stumpf macht! Auswirkung: Verstimmungsschwankungen, je nach FR-Bewegungsrichtung, nach oben oder unten. Um es klar zu sagen, ein Austausch, je nach dem welche Komponente weggefeilt wurde (Bolzen, Messerkante oder beides) bleibt unausweichlich. Doch wie Höheneinstellen? Da bleibt nur alle Saiten lockern bis nur noch eine sehr geringe Spannung vorhanden ist und die Höhe einstellen (Vorher mit Höhenmessschieber Maße nehmen). Ja, das ist aufwändig, allerdings belohnt es den Aufwand mit längeren Leben deines FR-Systems. Ein weiterer Aspekt ist die Qualität der Messerkanten, hier wird vorwiegend oberflächlich gehärtetes Material verwendet. Dann von welchem Zulieferer (Subzulieferer) kommt das FR? Original oder von weit weg? Diese sind besonders anfällig auf Zerstörung durch Höheneinstellung. Oftmals geschieht das unbewusst, im Glauben eine gute Tat zu begehen und das Instrument vor Versand an Kunden einstellen zu lassen. Das hat mir einige Diskussionen mit großen Versandhändlern und Servicewerkstätten namhafter Hersteller beschert. Mir wurde unterstellt, ich sei ein FR-Fetischist (Danke, diese Auszeichnung nehme ich sehr gerne an! :-D) Das Konzept der Messerkante und Umsetzung spielt aus meiner Erfahrung heraus zusätzlich eine große Rolle: Habe eine 88er US Charvel Mod. 6 mit Schaller-FR und als zusätzliches Bauteil eingelassene Hartmetallmesserplättchen als Messerkanten. Das ist aufwändiger und kostenintensiver zu fertigen, doch die Verschleißunfreudigkeit ist das Beste was es gibt. Nach 20(!) Jahren intensiver Nutzung mussten einmal die Bolzen gewechselt werden (Keine Verschleißspuren an Messerkanten, weil diese härter als Bolzenmaterial). @Schaller: Bitte nehmt dieses Konzept wieder auf @original FR: Das wäre eine Weiterentwicklung Ibanez hat es in der Premiumserie umgesetzt... Vielleicht nützen diese Infos den ein oder anderen Grüße in die Welt der FRler