„Give the drummer some!“ Der rhythmische Einfluss von Funk auf fast alle anderen modernen Stilistiken kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. James Brown, The Meters, Parliament Funkadelic und Tower of Power sind nur einige der bekanntesten Vertreter, wenn es um diese energische, Eins-betonte und von ausgefuchsten Grooves angetriebene Musikrichtung geht.
Stile wie HipHop oder Drum ‘n’ Bass würde es ohne die innovative Groove-Arbeit der Meister des Genres wie Clyde Stubblefield, Zigaboo Modeliste oder David Garibaldi in der bekannten Form nicht geben. Es ist also kein Wunder, dass die Worte Funk und Groove so oft in einem Atemzug genannt werden. Für uns Trommler ist der Funk ein spannendes Betätigungsfeld, und wie er funktionieren kann, erfahrt ihr hier.

- Quick Facts: Funk Drums – kurz zusammengefasst
- Wie ist Funk entstanden?
- Ghostnotes sind das Salz in der Suppe
- Diese Drums und Cymbals haben die ersten Funkdrummer gespielt
- Das Equipment – Was ihr für einen funky Drumsound braucht
- Welche Snaredrums klingen gut für Funk?
- Der klassische Funk-Drumsound ist trocken und fokussiert
- Drumset Add-Ons für Funk
- Der Song
- Beginner-Tipp
- Profi-Tipp
Quick Facts: Funk Drums – kurz zusammengefasst

Wie ist Funk entstanden?
Funk hat sich Ende der 1960er-Jahre in den USA entwickelt. Als Vorgängermusikstile gelten Soul und Rhythm and Blues, welche vom Motown-Studio in Detroit erst die USA und dann die ganze Welt erobert haben. Als einer der ersten und wichtigsten Künstler des Funk hat James Brown eine deutlich aggressivere Variante dieser Musikrichtungen erfunden, den Funk. Alle Instrumente sind viel stärker rhythmisiert, statt den Zählzeiten 2 und 4 wird jetzt die 1 betont (The Rhythm of the 1“).
Das Schlagzeug übernimmt jetzt eine extrem wichtige Funktion, auch der Sound wird deutlich punchiger. 1969 entsteht aus einer Studiojam „Funky Drummer“, einer der berühmtesten James Brown Songs. Am Schlagzeug sitzt Clyde Stubblefield, ein junger, technisch äußerst versierter Jazzdrummer, der es schafft, die Anweisungen des Chefs so umzusetzen, dass ein neuer Sound entsteht. Funky Drummer wird später zu einem der meist gesampleten Grooves aller Zeiten, die Tragik von Clyde Stubblefield bestand jedoch darin, dass er nie Tantiemen für die unzähligen Hits gesehen hat, die auf seinem Original-Groove basieren.
Einen mindestens ebenso großen Beitrag zur Entwicklung des Funkdrummings hat Zigaboo Modeliste geleistet, seines Zeichens Drummer der New Orleans Funkband The Meters. „Cissy Strut“ ist einer der größten Hits, allerdings wurden auch viele weitere von Zigaboo’s Grooves später gesampelt.
Neben James Brown und den Meters wurden weitere Funkbands erfolgreich, zu den legendären Supergroups gehören Sly and the Family Stone mit Greg Errico am Drumset. Wenn ihr euch mit den wichtigen Meilensteinen des Funk befassen möchtet, solltet ihr auf jeden Fall auch Kool & the Gang, die Average White Band, Earth, Wind and Fire und George Clinton’s P-Funk anhören.

Ghostnotes sind das Salz in der Suppe
Funk ohne Ghostnotes ist wie Rock ohne Bassdrum. Das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert, trifft es aber trotzdem ziemlich genau. Ghostnotes erzeugen ein rhythmisches Netz „unter“ den Hauptschlägen aus Backbeat und Bassdrum, welches weniger hör- als vielmehr fühlbar sein soll. Würden im berühmten Song „Funky Drummer“ von James Brown (von dem auch der eingangs zitierte Ausruf stammt) die Ghostnotes fehlen, so würde ein eher lasch klingender Sechzehntel-Rockgroove übrig bleiben. Erst die leisen Schläge auf der Snare erzeugen die spannende und unglaublich cool klingende Luftigkeit, die diesen Groove zu einem der meistgesampleten Rhythmusfragmente aller Zeiten gemacht haben.
Etwas moderner geht es in unserem Play-Along zu, das – im Gegensatz zum Funky Drummer – im Shuffle-Feeling gespielt ist. Wie auch in den anderen Crash-Kurs-Folgen könnt ihr euch das Play-Along wieder mit und ohne Click herunterladen.
Diese Drums und Cymbals haben die ersten Funkdrummer gespielt
Die Auswahl an Schlagzeugen, Snares und Becken war in den 60er und 70er Jahren deutlich begrenzter als heute. Amerikanische Drummer, also auch die ersten Funkdrummer, spielen meistens amerikanische Instrumente, zum Beispiel Ludwig, Rogers, Slingerland oder Gretsch. Manchmal könnt ihr in alten Videos auch Drumsets der Marke Vox sehen. Gemeinsam waren den meisten dieser Sets die traditionellen Größen. 20“ x 14“ oder 22“ x 14“ waren die klassischen Bassdrum-Maße, Toms hatten die Dimensionen 12“ x 8“ und 13“ x 9“, dazu quadratische Floortoms. Zildjian Becken der Avedis Serie galten als Standard, Hersteller wie Sabian oder Meinl gab es damals noch nicht.
Das Equipment – Was ihr für einen funky Drumsound braucht
Je nachdem, welchen Sound ihr erreichen wollt, ist die Palette an verwendbarem Equipment entsprechend groß. Sagt euch zum Beispiel der klassische 60er Jahre James Brown Sound zu, funktionieren sowohl alte Vintage-Kisten à la Ludwig, Gretsch, Slingerland oder Rogers als auch moderne Traveller-Kits mit kleinen Bassdrums. Wie so oft ist der Schlüssel die Spielweise und die Stimmung, welche nicht zu tief ausfallen sollte. Auch die Becken sollten nicht zu schwer und laut sein, sonst klingt es schnell unausgewogen.

Gefällt euch der „hifi-mäßige“ 70er-Sound von Bands wie Tower of Power besser, macht ihr mit eurem modernen Kit nichts falsch. Einen schön präzisen Touch mit gnadenlos präsenten Ghostnotes könnt ihr mit einer flachen und hoch gestimmten Piccolo Snare erzielen.
Welche Snaredrums klingen gut für Funk?
Obwohl es unzählige Arten von Funksounds gibt, assoziieren die meisten einen eher hohen, crispen Snaresound mit der Musikrichtung. Den könnt ihr natürlich direkt mit einer entsprechend straffen Stimmung von Schlag- und Resonanzfell erreichen, den Teppich solltet ihr ebenfalls nicht zu lasch einstellen.
Beim Instrument kommen viele Modelle in Betracht. Für einen kompakten, runden Sound sind Holz-Snaredrums eine gute Wahl, eine umso direktere Ansprache erreicht ihr mit einer eher geringen Kesseltiefe. Die Klassiker wurden meistens mit 14“ x 5“ Modellen eingespielt, die Ludwig Supraphonic und die Ludwig Acrolite gelten als echte Arbeitstiere, aber auch die Gretsch CoB Snare oder Vergleichbares anderer Hersteller kam zum Einsatz.
Für einen hohen, extrem präzisen Snaresound a la Tower of Power solltet ihr eine flache Piccolo-Snaredrum kaufen. Das originale David Garibaldi Signature Modell gibt es nur noch gebraucht, allerdings ist die Auswahl an ähnlichen, teils sehr preiswerten, Trommeln groß. Hier kommen nur einige Vorschläge.
Der klassische Funk-Drumsound ist trocken und fokussiert
In den berühmten Funkbands der 60er und 70er Jahre spielten oft mehr Instrumente mit als in den typischen Blues- oder Rockbesetzungen – Bläser, Orgeln und von Sängern bediente Percussion zum Beispiel. Der Schlagzeugsound musste also klar und definiert sein. Speziell auf der Snare hilft ein trockener Klang, die Artikulation der Ghostnotes zu verbessern. Neben dem einfachen Stück Tape eignen sich viele Produkte zum Verkürzen des Sustains, zum Beispiel die Dämpfer der Firma Mr. Muff.
Eine sehr interessante Alternative sind außerdem kleine Metallteile, die ihr mithilfe von Drumgees auf der Trommel befestigen könnt. Damit wird einerseits gedämpft, gleichzeitig addiert das Metall zusätzlichen „Sizzle“, der sehr gut zu Funk, HipHop und Elektronischem passt. Ein Schellenkranz oder Ching Ring imitiert auf diese Weise sehr authentisch eine gesamplete Snaredrum, auf welcher noch der Schellenkranz zu hören ist. Funky!
Drumset Add-Ons für Funk
In vielen Funksongs wird der Drumsetgroove um weitere Elemente ergänzt. Sehr beliebt sind Shaker, Cowbells und Jamblocks. Mit einem Shaker könnt ihr zum Beispiel die Hi-Hat ersetzen, um ein durchgehendes, smoothes 16tel-Feel zu erzeugen. Cowbells und Blocks hingegen erzeugen oft Clave-Figuren, also unterbrochene Patterns, die für eine besonders funkige Rhythmisierung sorgen. Eine Übersicht der besten Drumset Add-Ons findet ihr hier, für Funk eignen sich die folgenden Teile jedenfalls auch optimal.
Der Song
Unser Track besteht aus zwei Teilen – man könnte sie als Strophe und Refrain bezeichnen – , welche ich unterschiedlich begleite. Part Eins besteht aus acht Takten, die Snare liegt dabei jeweils auf den regulären Backbeat-Zählzeiten „Zwei“ und „Vier“. Mit der Bassdrum halte ich mich zurück, sie fällt auf die „Eins“ sowie auf die „Drei und“.
Wenig aufregend auch die Arbeit der Hi-Hat, hier gibt es durchgehende, unbetonte Achtelnoten. Spannend wird es bei den Ghostnotes, also jenen Schlägen, die deutlich leiser gespielt werden als der Backbeat. Drei gibt es davon pro Takt, sie fallen auf die Zählzeiten „Zwei de“, „Drei e“ sowie auf das letzte Sechzehntel im Takt, also die „Vier de“. Im Sinne einer musikalischen Steigerung addiere ich in der zweiten Strophe zwei Dinge: eine geöffnete Hi-Hat auf „Drei und“ in jedem zweiten Takt sowie eine weitere Ghostnote auf „Eins e“.
So sieht die Notation von beiden Grooves aus:

Hört ihr im ersten Teil noch einen eintaktigen Groove, habe ich mich im Refrain-Teil für einen Zweitakter entschieden, das sorgt für längere Spannungsbögen und Abwechslung. Außerdem ist die variantenreichere Basslinie eine Steilvorlage für etwas Action im Bassdrum-Fuß. Zusätzlich spiele ich die Achtel jetzt auf dem Ridebecken, wobei ich die Viertel auf die Kuppe verlege und die Achtel-Offs auf der Schulter des Beckens platziere. Dadurch ergibt sich eine kräftige Viertelbetonung, die einen schönen Kontrast zu den Ghostnotes und zum gesamten Shuffle-Feel des Songs erzeugt.
Im ersten Takt landet die Bassdrum auf den Zählzeiten „Eins“, „Drei“, „Drei de“ sowie „Vier und“, im zweiten fehlt die „Eins“, stattdessen spiele ich die Bassdrum auf „Zwei de“ und „Drei und“. Die Ghostnotes liegen im ersten Takt auf „Zwei de“, „Drei e“ sowie „Vier de“. In Takt Zwei geht es mit „Drei e“ weiter, den Abschluss stellt die „Vier de“-Zählzeit dar. Wer möchte, kann hier auch noch auf “Eins e” ghosten.

Beginner-Tipp
Damit es groovt und funky klingt, solltet ihr alles daran setzen, die Ghostnotes im Verhältnis zum Rest schön leise zu bekommen. Der Schlüssel dazu ist die Fallhöhe des Sticks in eurer linken Hand. Eine Ghostnote entsteht aus einem kurzen „Nicken“ des Handgelenks in Richtung Snarefell. Die Ausgangshöhe der Stockspitze sollte dabei nicht mehr als fünf Zentimeter über dem Fell betragen. Dieser Standard gilt übrigens – nicht nur bei mir – für alle Stile und fast alle Spielweisen.
Lasst zunächst einfach die Bassdrum weg und spielt Hi-Hat und Snarepart sehr langsam und mechanisch, damit eure Hände den motorischen Ablauf lernen. Dazu eignen sich natürlich auch alle anderen Grooves, welche zusätzlich zum Backbeat noch Zwischenschläge beinhalten. Aber habt Geduld, der fluffige „funky drummer“ fällt nicht vom Himmel.
Profi-Tipp
Wenn ihr mit dem dynamischen Spielkonzept vertraut seid, könnt ihr das Play-Along natürlich für allerlei eigene Kreationen verwenden und weitere Ghostnotes hinzufügen, beispielsweise als eine Art Halleffekt nach dem Backbeat auf „Zwei e“ und „Vier e“. Und wer von euch richtig einsteigen möchte, dem seien die Lehrwerke von David Garibaldi und Rick Latham an Herz gelegt, hier gibt es inspirierendes Material für etliche Jahre.
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