Jimi Hendrix Alben im Ranking: Welches ist sein bestes Album?

Drei Studioalben, knapp zwei Jahre und ein musikalisches Vermächtnis, das bis heute nachwirkt. Zwischen 1967 und 1968 verwandelte die Jimi Hendrix Experience den Blues in psychedelischen Rock, das Tonstudio in ein eigenständiges Instrument und die E Gitarre in eine völlig neue Ausdrucksform. Gemeinsam mit Bassist Noel Redding und Schlagzeuger Mitch Mitchell veröffentlichte Jimi Hendrix drei Alben, die zu den wichtigsten Werken der Rockgeschichte gehören.

Photographer: Ary Groeneveld (?) ; Auteursrechthouder: Gemeente Rotterdam (Stadsarchief) CC-0, CC0, via Wikimedia Commons

Was macht „Axis: Bold as Love“ zu einem psychedelischen Meisterwerk?

Nur wenige Monate nach Are You Experienced veröffentlichte die Jimi Hendrix Experience bereits ihr zweites Album. Trotzdem klingt Axis: Bold as Love nicht wie ein hastig produzierter Nachschlag. Die Platte dokumentiert eine Band, die innerhalb kürzester Zeit enorm gewachsen war und nun begann, die Möglichkeiten des Tonstudios konsequent auszureizen.

Beim Debüt hatte Produzent Chas Chandler noch großen Wert auf kurze und radiotaugliche Songs gelegt. Während der Aufnahmen zu Axis: Bold as Love erhielt Hendrix deutlich mehr Raum für eigene Ideen. Gemeinsam mit Toningenieur Eddie Kramer arbeitete er mit Overdubs, rückwärts abgespielten Gitarren, Flanging, ausgeprägtem Stereo Panning und speziell angefertigten Effektgeräten wie dem Octavia Pedal. Dass diese vielschichtigen Aufnahmen auf einer Vierspurmaschine entstanden, ist aus heutiger Sicht bemerkenswert. Hendrix entwickelte bereits Klangideen, für die die Studiotechnik der damaligen Zeit kaum ausgelegt war. Viele Effekte mussten deshalb mit großer Geduld und experimentellen Methoden erzeugt werden.

Auch die Entstehungsgeschichte des Albums verlief turbulent. Hendrix verlor die Masterbänder der kompletten ersten Albumseite vermutlich auf der Rückbank eines Taxis. Chas Chandler und Eddie Kramer mussten die Aufnahmen daraufhin in einer nächtlichen Marathonaktion rekonstruieren. Von „If 6 Was 9“ existierte nur noch eine beschädigte Kopie, die Noel Redding zuvor angefertigt hatte. Das zerknitterte Tonband wurde vorsichtig mit einem Bügeleisen geglättet, damit es wieder durch die Studiomaschine laufen konnte. Dass aus diesen Umständen ein derart detailreiches Album entstand, ist beinahe ebenso beeindruckend wie die Musik selbst.

Musikalisch ist Axis: Bold as Love vor allem das große Rhythmusgitarrenalbum von Jimi Hendrix. Seine Soli bewegen sich flüssig und frei durch die Songs, während seine Riffs häufig präzise, kantig und erstaunlich kontrolliert wirken. „Spanish Castle Magic“ gehört zu seinen stärksten Gitarrenstücken. Hendrix, Noel Redding und Mitch Mitchell spielen nicht bloß nebeneinander, sondern bewegen sich wie ein einziger musikalischer Organismus. Das zentrale Riff treibt den Song unerbittlich voran. Mitchell setzt messerscharfe Fills, während Reddings achtsaitiger Bass verhindert, dass die Nummer unter ihrer eigenen Energie zusammenbricht.

Das Herzstück des Albums ist jedoch „Little Wing“. Kaum ein anderer Song zeigt Hendrix so zart und konzentriert. Die Gitarre klingt weich, flüssig und schimmernd. Das Glockenspiel legt sich wie kleine Lichtreflexe über die Aufnahme. Auch textlich gehört „Little Wing“ zu Hendrix’ stärksten Momenten. Mit wenigen impressionistischen Bildern erschafft er eine Figur aus Schmetterlingen, Zebras, Mondlicht und Märchen. Hinter der romantischen Oberfläche liegt jedoch eine kaum greifbare Melancholie. Nach etwas mehr als zwei Minuten ist der Song bereits vorbei. Mehr Zeit benötigt er nicht, um seine Wirkung zu entfalten.

Den Gegenpol bildet „If 6 Was 9“. Das Stück ist ein psychedelisches Manifest über Individualität, Widerstand und Selbstbehauptung. Die Gitarren schneiden scharf durch den beschädigten Mix, während Mitchells Becken die Aufnahme beinahe auseinanderzureißen scheinen. Hendrix erklärt, dass er seine Freak Flag auch dann hochhalten wird, wenn die Gesellschaft sich gegen ihn stellt. „One Rainy Wish“ beginnt sanft und traumartig, wächst dann aber zu einem donnernden Refrain heran. Das abschließende „Bold as Love“ beendet die Platte mit Flanging, wirbelnden Drums und einem euphorischen Gitarrenausbruch. Es ist ein Finale, das gleichzeitig kontrolliert und entfesselt wirkt.

Warum landet Axis: Bold as Love trotzdem nur auf Platz drei? Einige Ideen wirken nicht vollständig ausgearbeitet. Songs wie „Ain’t No Telling“ und „Little Miss Lover“ enden beinahe so, als wären sie etwas zu früh ausgeblendet worden. Auch der Auftakt aus „EXP“ und „Up from the Skies“ setzt im Vergleich zu „Purple Haze“ oder dem Beginn von Electric Ladyland ein eher zurückhaltendes Zeichen. Dennoch bleibt Axis: Bold as Love ein faszinierendes Übergangswerk. Es ist verspielter als das Debüt, kompakter als sein Nachfolger und bei jedem Hören voller neuer Details.

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Warum gehört „Are You Experienced“ zu den besten Debütalben der Rockgeschichte?

Manche Debütalben stellen eine neue Band vor. Are You Experienced stellte eine neue musikalische Realität vor. Als die Jimi Hendrix Experience 1966 auf der Bildfläche erschien, klang das Trio, als hätte es Blues, Soul, Rock und Science Fiction gemeinsam in einen übersteuerten Verstärker geschickt. Hendrix war zu diesem Zeitpunkt zwar kein Anfänger mehr. Er hatte jahrelang in Clubs gespielt und als Begleitmusiker gearbeitet. Erst mit Noel Redding und Mitch Mitchell fand er jedoch die Besetzung, die seine Ideen in kontrollierte Explosionen verwandeln konnte.

Schon „Purple Haze“ wirkt wie ein Signal aus einer fremden Galaxie. Drei Musiker erzeugen einen hypnotischen, melodischen und zugleich völlig neuartigen Sound. Hendrix’ Stimme klingt soulig und sehnsüchtig. Seine Gitarre spielt nicht nur Akkorde und Soli, sondern verändert die gesamte Atmosphäre des Stücks. „Foxy Lady“ ist dagegen ein schwerer und lasziver Rocksong mit einem Riff, das unmittelbar körperlich wirkt. Gitarrenton, Breaks und Rhythmus machen den Song zu einer der wichtigsten Visitenkarten des typischen Hendrix Sounds. „Manic Depression“ wird von Mitch Mitchells hektischem und beinahe taumelndem Schlagzeug angetrieben. Die Drums verstärken die innere Spannung des Songs, während Hendrix mit einem schleifenden Riff und einem fuzzgetränkten Solo dagegenhält. Noel Reddings Bass sorgt dafür, dass die Nummer trotz aller manischen Bewegung nicht auseinanderfällt.

Darin lag die große Stärke der Jimi Hendrix Experience. Das Trio konnte musikalisches Chaos erzeugen, ohne jemals die Kontrolle vollständig zu verlieren. Es klang gefährlich, war aber präziser organisiert, als es zunächst den Anschein hatte. Auch „Love or Confusion“ lebt von diesem Prinzip. Gitarrenlinien, Bass und Schlagzeug scheinen gleichzeitig in verschiedene Richtungen zu drängen. Trotzdem bleiben sie durch eine unsichtbare Spannung miteinander verbunden. „Fire“ ist kürzer, direkter und unerbittlich. Der Song ist ein kompakter Rockangriff, der den Hörer packt und erst nach dem letzten Schlag wieder loslässt.

Are You Experienced besteht jedoch nicht nur aus Lautstärke und Verzerrung. „The Wind Cries Mary“ beweist, wie feinfühlig Hendrix spielen konnte. Seine Gitarre klingt weich und beinahe sprechend. Der Song war zugleich ein wichtiges Signal. Die Jimi Hendrix Experience war nicht nur ein psychedelischer Tornado, sondern konnte ebenso überzeugend verletzlich und melodisch auftreten. Ähnlich schwebend wirkt „May This Be Love“. Der Gitarrenklang erinnert an Wasser und erscheint klar, fließend und schwerelos. Mit „Third Stone from the Sun“ verlässt das Album endgültig den Boden. Verfremdete Stimmen, schwebende Sounds und lange instrumentale Passagen erschaffen eine außerirdische Szenerie. Hendrix komponiert hier weniger einen traditionellen Song als eine Vorstellung davon, wie sich der Weltraum in Rockmusik anhören könnte. Das Ergebnis klingt gleichzeitig traumartig, bedrohlich und erstaunlich modern.

Der abschließende Titelsong wird schließlich zum psychedelischen Mission Statement. Rückwärts klingende Effekte, militärisch anmutende Drums und Hendrix’ berühmte Frage, ob das Publikum wirklich experienced sei, machen das Finale unvergesslich. Zwischen der britischen und der amerikanischen Version von Are You Experienced bestehen erhebliche Unterschiede. Die US Fassung ersetzte mehrere Stücke durch erfolgreiche Singles wie „Purple Haze“, „Hey Joe“ und „The Wind Cries Mary“. Die amerikanische Ausgabe erhielt außerdem ein deutlich farbenfroheres und psychedelischeres Cover. Diese Gestaltung gefiel Hendrix besser als das dunklere britische Motiv und passte zweifellos besser zur klanglichen Wirkung des Albums.

Are You Experienced landet auf Platz zwei, weil es als Debüt nahezu konkurrenzlos ist. Das Album klingt auch Jahrzehnte später unmittelbar, gefährlich und überraschend. Während andere Gruppen vor allem ihre musikalischen Einflüsse präsentierten, schuf Hendrix eine eigene Sprache. Erst auf Electric Ladyland sollte er diese Sprache jedoch zu einem vollständigen musikalischen Universum ausbauen.

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Warum ist „Electric Ladyland“ das beste Album von Jimi Hendrix?

Electric Ladyland ist nicht nur das beste Album der Jimi Hendrix Experience. Es ist der Moment, in dem Hendrix vom revolutionären Gitarristen endgültig zum grenzenlosen Studiokünstler wurde. Das 1968 veröffentlichte Doppelalbum war die letzte offizielle Hendrix Studioplatte, die zu seinen Lebzeiten erschien. Gleichzeitig war es das einzige Album der Jimi Hendrix Experience, für das er die vollständige Produktionsverantwortung trug. Diese neue Kontrolle ist in jeder Minute zu hören. Die ersten beiden Alben funktionierten trotz aller Experimente noch überwiegend wie Sammlungen kompakter Songs. Electric Ladyland wurde dagegen als umfassendes Erlebnis konzipiert.

Die vier Plattenseiten besitzen jeweils eine eigene Atmosphäre. Lange Jams, ungewöhnliche Mischungen, surreale Effekte und zahlreiche Gastmusiker lassen das Album deutlich größer und freier als seine beiden Vorgänger erscheinen. Bereits der Beginn macht deutlich, dass hier keine Regeln mehr gelten. Das rückwärts laufende Klangexperiment „…And the Gods Made Love“ geht in das schwerelose „Have You Ever Been to Electric Ladyland“ über. Die Instrumente wirken, als würden sie in einer Flüssigkeit treiben. Kurz darauf reißt „Crosstown Traffic“ die Traumwelt wieder auseinander. Der Song ist kompakt, aggressiv und voller hektischer Bewegungen durch das Stereobild. Der chaotische Mix und die wilden Gitarren spiegeln die rastlose Energie des Textes perfekt wider.

Dann folgt „Voodoo Chile“. Die rund 15 Minuten lange Blues Session mit Steve Winwood an der Orgel zeigt, weshalb Hendrix’ Größe nicht allein mit technischer Virtuosität erklärt werden kann. Seine Gitarre ist kein Werkzeug für Tricks, sondern eine Verlängerung seiner Stimme und seiner Persönlichkeit. Mitch Mitchell reagiert mit explosiven Fills auf jede Wendung, während die Orgel den Jam in immer tiefere und hypnotischere Regionen zieht. Das Stück klingt nicht komponiert, sondern beschworen.

Die zweite Plattenseite ist direkter und rockiger. Noel Reddings „Little Miss Strange“ wird durch Hendrix’ farbenreiche Gitarrenharmonien veredelt. „Long Hot Summer Night“ verbindet schroffe Eröffnungslicks, helle Pianoverzierungen und geisterhaft verfremdete Hintergrundstimmen. Der Song ist melodisch und groovt, klingt aber gleichzeitig, als könnte die gesamte Konstruktion jeden Moment einstürzen. Gerade diese Spannung gehört zu den besonderen Reizen des Albums. In „Come On“ verwandelt Hendrix den Rhythm and Blues Song von Earl King in ein rasendes Gitarrenvehikel. „Gypsy Eyes“ gehört zu den rhythmisch vertracktesten Stücken der Platte. Hendrix’ Spiel ist gleichzeitig kontrolliert, chaotisch, körperlich und eigenwillig. „Burning of the Midnight Lamp“ beendet die Seite mit einem majestätischen Crescendo aus donnernden Drums und beinahe engelsgleichen Chören.

Auf der dritten Seite wird Electric Ladyland endgültig zum psychedelischen Film ohne Bilder. „Rainy Day, Dream Away“ zeichnet eine entspannte und verregnete Rauschszene. Anschließend taucht „1983… A Merman I Should Turn to Be“ in eine futuristische Unterwasserwelt ab. Das Stück bewegt sich durch mehrere Phasen. Hallgetränkte Gitarren führen zu einem feurigen Aufbau, einer langen kontemplativen Passage und schließlich einem filmischen Finale. Zusammen mit dem Geräuschintermezzo „Moon, Turn the Tides… Gently Gently Away“ entsteht eine geschlossene Traumsequenz, die auf einem gewöhnlichen Rockalbum kaum vorstellbar gewesen wäre. Electric Ladyland interessiert sich allerdings ohnehin wenig für die Regeln eines gewöhnlichen Rockalbums.

Die vierte Seite verbindet viele Motive der Platte miteinander. „Still Raining, Still Dreaming“ greift den Groove von „Rainy Day, Dream Away“ wieder auf, spielt ihn jedoch lauter und aggressiver. „House Burning Down“ wirkt wie ein apokalyptischer Endspurt. Drums und Gitarren erscheinen gleichzeitig massiv und geisterhaft. Und dann ist da „All Along the Watchtower“. Hendrix spielte Bob Dylans Song nicht einfach nach, sondern baute ihn vollständig um. Gesang, Rhythmusgruppe und Gitarrenschichten erzeugen eine dramatische Größe, die das Original nicht kopiert, sondern völlig neu interpretiert. Jede Gitarrenlinie zeichnet eine weitere Melodie um den Song. Es ist das Ideal einer Coverversion. Die Aufnahme respektiert die Vorlage, klingt aber trotzdem wie ein eigenständiges Werk von Jimi Hendrix.

Mit „Voodoo Child, Slight Return“ endet das Album schließlich laut, selbstbewusst und monumental. Das berühmte Wah Wah Intro öffnet die Tür zu einem letzten elektrischen Gewitter. Hendrix klingt nicht mehr wie jemand, der die Möglichkeiten der Gitarre erkundet. Er klingt wie ein Musiker, der sein Instrument vollständig in den Dienst seiner künstlerischen Vision gestellt hat.

Electric Ladyland steht auf Platz eins im Jimi Hendrix Album Ranking, weil hier alle Seiten des Musikers zusammenfinden. Zu hören sind der Bluesmusiker, der Songwriter, der Improvisator, der Klangforscher, der Bandleader und der Produzent. Das Album ist ausufernd, aber nicht beliebig. Es ist experimentell, aber niemals gefühllos. Electric Ladyland beweist, dass die Bedeutung von Jimi Hendrix weit über spektakuläre Soli und brennende Gitarren hinausging. Seine eigentliche Revolution bestand darin, Rockmusik als grenzenlosen Raum zu begreifen. Electric Ladyland ist der Ort, an dem dieser Raum bis heute am weitesten geöffnet bleibt.

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