Marleaux Artio Test

Ich vermute, ich persönlich wäre niemals auf die Idee gekommen, mir eine Marleaux Diva als bundierten Bass zu wünschen. Zu sehr ist bei diesem extravaganten Modell alles auf das Thema „fretless“ zugeschnitten, und genau diese Features machen die Diva ja auch seit vielen Jahren zu einem der kompromisslosesten und begehrtesten Fretless-Bässe der Szene. Offenbar hatten andere Marleaux-Fans diesbezüglich aber deutlich mehr Fantasie als ich, denn Gerald Marleaux wurde tatsächlich im Laufe der Jahre immer wieder auch nach einer bundierten Diva gefragt. Einfach Bünde auf die Diva zu tackern, kam für den innovationsfreudigen Bassbauer aus dem Harz jedoch nicht infrage. Wenn, dann sollte es schon ein eigenständiges Instrument mit einem neuen Konzept sein. Und exakt dieses Instrument erblickt nun das Licht der Welt auf dem Guitar Summit 2026: Vorhang auf für den Marleaux Artio! Der Fünfsaiter übernimmt zwar die markante Korpusform der Diva, schlägt konzeptionell aber eine völlig neue Richtung ein. Neben einer Multiscale-Bundierung mit schrägen Frets treffen wir hier auf eine sehr spannende Tonabnehmer-Bestückung: Ein Delano Xtender Quad Coil wird von zwei Delano JSBC Split Coils flankiert – eine Konfiguration, die bereits erahnen lässt, dass der Artio klanglich in eine sehr spezielle Richtung geht.

Marleaux Artio 5
Der neue Marleaux Artio im ausgiebigen Test.

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Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • extrem viele eigenständige Sounds in erstklassiger Boutique-Qualität
  • sehr spezielle, stimmige Optik
  • sehr durchdachtes Pickup- und Elektronik-Konzept
  • erstklassiger Spielkomfort/Ergonomie
  • Top Verarbeitungs- und Materialqualität
Contra
  • Pickup- und Elektronikkonzept erfordert Bereitschaft zur Einarbeitung

Marleaux Artio – das Wichtigste in Kürze

  • aktiver Multiscale-Fünfsaiter mit drei Pickups
  • Mensuren: 33,5“–34,5“
  • Korpus aus Linde mit „Darkside Grey Satin“-Finish
  • Hals aus drei Teilen Flamed Maple, gesperrt mit Räuchereiche
  • Ebenholzgriffbrett mit 26 gefächerten Bünden und Nullbund
  • Custom Delano Xtender Quad-Coil (schaltbar single, parallel, seriell) und zwei Custom JSBC Split-Coil
  • Marleaux/Behn Artio Dreiband-Elektronik mit passiver Höhenblende, passiv/aktiv
  • Marleaux/Gotoh-Mechaniken und Marleaux Brücke, schwarz
  • inklusive Canto-Softcase

Welchen ersten Eindruck vermittelt der Marleaux Artio?

Der Marleaux Artio ist schon eine imposante Erscheinung. Das liegt zum einen am bauchigen-extravaganten Diva-Korpus mit seinem extralangen oberen Horn, und zum anderen an der ungewöhnlichen Tonabnehmer- und Elektroniksituation.

Zwischen Griffbrett und Brücke ist schon ordentlich was los – aber keine Angst, wir dröseln das später noch genau auf. Zum speziellen Look trägt außerdem die attraktiv gemaserte Decke aus Birke bei, die vom Satin-Finish in „Darkside Grey“ überzogen wird und dem Bass eine gewisse geheimnisvolle Aura verleiht. Der Fünfsaiter dürfte mit seinem markanten Erscheinungsbild fraglos die Gemüter spalten. Stimmig und harmonisch ist das Design aber allemal – klar, es ist ja auch ein Marleaux-Bass!

Marleaux Artio 5
Da liegt es in voller Pracht: Ein neues Bassmodell aus dem Hause Marleaux!

Aus welchen Hölzern besteht der Marleaux Artio?

Wie bei den Instrumenten aus der Harzer Bass-Manufaktur üblich, lassen sich natürlich zahlreiche Details (Hölzer, Finish etc.) individuell anpassen. Die meisten Hölzer für den Artio kommen übrigens, wie bei Marleaux üblich, aus der näheren Umgebung – also aus den Wäldern Niedersachsens.

Das gilt auch für den Korpus, der bei unserem Test-Artio aus Linde besteht. Ich höre jetzt schon wieder das Gemosere einiger Holzspezialisten: „Wie, was … Linde??? Das ist doch Billigholz und klingt wie Pappe!“ Ja, qualitativ minderwertige Linde mag wie Pappe klingen – genauso wie minderwertige Erle oder Esche. Hochwertige Linde ist dagegen ein hervorragendes Tonholz für Instrumente, und bei Marleaux kann man bombensicher davon ausgehen, dass hier nicht am falschen Ende gespart wurde.

Traditioneller geht es beim Hals des Fanned-Fret-Fünfsaiters zu, für den Gerald drei Lagen geflammten Ahorns verwendet, die mit Räuchereiche-Streifen gesperrt sind. Mit sechs Schrauben wurde der Hals sicher mit dem Korpus verbunden, sodass sich hier garantiert nichts bewegt. Für eine einheitliche Optik wurde die Halszunge zwischen Griffbrettende und erstem Pickup mit einem Aufleimer aus dem Holz der Decke versehen. Hier findet sich auch der Zugang zum Dual-Action-Trussrod, über den sich die Halskrümmung bei Bedarf korrigieren lässt. Das Griffbrett ist das einzige Holz, das nicht das Marleaux-Prädikat „Regio Tone Wood“ trägt, sondern aus Afrika stammt. Klar, Ebenholz wächst nun einmal nicht in unseren Breitengraden.

Marleaux Artio 5
Fotostrecke: 5 Bilder Klar, rein äußerlich erinnert …

Was ist das Besondere an der Bundierung des Marleaux Artio?

Bestückt wurde das Griffbrett mit 26 Bünden und einem Nullbund, die allesamt schräg eingesetzt sind, da wir es mit einem Multiscale- beziehungsweise V-Scale-Bass (wie Marleaux ihn nennt) zu tun haben. Die Fächerung fällt bei Mensuren von 34,5″ für die H-Saite bis 33,5″ für die G-Saite allerdings ausgesprochen mild aus – beim Spielen bemerkt man sie tatsächlich kaum.

Was man dagegen sofort bemerkt, ist die handwerkliche Perfektion der Bundierung. Die Bünde wurden allesamt super akkurat abgerichtet und so sauber verrundet, dass sie beim Spielen quasi nicht spürbar sind. Eine komfortable Saitenlage ohne Schnarren und eine geschmeidige Haptik sind damit garantiert – so kenne ich das von Marleaux eigentlich auch nicht anders!

Der Kunststoffsattel dient dank des Nullbunds lediglich zur Saitenführung und führt diese zur typischen kompakten Marleaux-Kopfplatte, die ebenfalls mit einem Aufleimer aus dem Holz der Decke versehen und, wie der gesamte Bass, in „Darkside Grey“ lackiert ist. Klar, ein „Matching Headstock“ ist bei einem derart noblen Bass natürlich Ehrensache!

Marleaux Artio 5
Fotostrecke: 4 Bilder

Welche Hardware kommt beim Marleaux Artio zum Einsatz?

Neben einem schicken Marleaux-Schriftzug trägt die Kopfplatte fünf gekapselte Stimmmechaniken in 3:2-Anordnung, die von Gotoh stammen und speziell für Marleaux gebrandet wurden. Es handelt sich um erstklassige und extrem robuste Tuner, die sahnig und leichtgängig laufen und die Stimmung bombenfest halten. Kein Wunder also, dass diese Teilchen schon seit Jahrzehnten auf Edelbässen verschiedenster Hersteller zu finden sind.

Die Brücke wird von Marleaux gefertigt und besteht aus dem Steg, über welchen die Saiten laufen, sowie aus fünf dahinterliegenden Hülsen, in die die Ballends gehängt werden. Die Saiten laufen über jeweils zwei Inbusschräubchen, die zur Anpassung der Saitenlage dienen – dieses System hat Gerald ursprünglich für den Marleaux Spock entwickelt, wenn ich mich richtig erinnere.

Die runden Saitenreiter können zur Korrektur der Intonation mit einer Inbusschraube gelöst und wieder arretiert werden. Die gesamte Konstruktion ist wirklich eine formschöne und leicht zu handhabende Lösung – klasse!

Marleaux Artio 5
Fotostrecke: 5 Bilder Am Headstock sitzen die fünf sehr hochwertigen …

Was ist das Besondere an der Tonabnehmer-Bestückung des Marleaux Artio?

Kommen wir nun zu dem Faktor, der den neuen Artio wohl am deutlichsten von allen anderen Marleaux-Modellen unterscheidet: die Tonabnehmer- und Elektronikausstattung. Das Auge täuscht nicht, an Bord sind tatsächlich drei Pickups, die beim Artio für ein wahres Feuerwerk unterschiedlicher Sounds sorgen. In der Mittelposition sitzt das berühmte „Delano-Ei“, also der Quad-Coil-Pickup mit der offiziellen Bezeichnung „Xtender“. Der Pickup wurde mit einem Spulenschalter ausgestattet, der den Parallel-, Serien- und Single-Coil-Betrieb ermöglicht. Eingerahmt wird der Xtender von zwei Delano JSBC Pickups. Dabei handelt es sich um Split-Coils (also Humbucker), die allerdings den Sound klassischer Singlecoils liefern sollen.

Die beiden JSBCs lassen sich jeweils über einen kleinen Schalter ein- und ausschalten. Der Xtender verfügt dagegen über einen eigenen Lautstärkeregler und kann somit entweder alleine betrieben oder stufenlos zu einem der beiden JSBCs bzw. zu beiden gleichzeitig hinzugemischt werden. Selbstverständlich lassen sich die beiden JSBCs auch ohne den Xtender betreiben. Zusammen mit den drei verschiedenen Spulenschaltungen des Xtenders ergibt sich damit bereits ein beeindruckendes Füllhorn an Klangmöglichkeiten – später dazu mehr! Beide Pickup-Typen sind auf jeden Fall bewährte und häufig von Marleaux eingesetzte Modelle, mussten für die Drei-Pickup-Konfiguration des Artio allerdings angepasst werden – es handelt sich also nicht um die Standardvarianten.

Damit ist aber noch lange nicht genug: Auch die Elektronik wurde von Wolfgang Behn und Gerald Marleaux auf das spezielle Klangziel des Artio abgestimmt und ist entsprechend flexibel. Sie bietet einen Dreiband-Equalizer mit Bässen (70Hz +/-14dB) und Höhen (8KHz +/-12dB) auf einem Doppelpoti sowie einem weiteren Doppelpoti für Mitten (500Hz +/-12dB) und die passive Tonblende. Letztere funktioniert allerdings tatsächlich nur im passiven Betrieb. Die beiden verbleibenden Potis dienen als Lautstärkeregler für den Xtender bzw. für die Gesamtlautstärke des Basses.

Der Regler für die Gesamtlautstärke ist, wie bei Marleaux üblich, als Push/Pull-Poti ausgeführt und schaltet zwischen aktivem und passivem Betrieb um. Klar, das hört sich alles in allem ziemlich kompliziert an und ist sicher nichts für Bassleute, die nicht bereit sind, mehr als einen Lautstärkeregler und eine Tonblende zu bedienen. Für Klangforscher gibt es hier aber wohl eine Menge Optionen zu entdecken, wie mir scheint – mehr dazu dann im Praxisteil.

Der Marleaux/Behn-Artio-Preamp ist übrigens ausgesprochen genügsam und begnügt sich mit gerade einmal 1 mA Stromverbrauch, was eine sehr lange Batterielebensdauer verspricht. Irgendwann muss der 9-Volt-Block natürlich trotzdem gewechselt werden. Er sitzt in einem separaten Fach auf der Rückseite, das ebenso wie das Elektronikfach mit einem schick gemaserten Holzdeckel verschlossen wird.

Marleaux Artio 5
Fotostrecke: 6 Bilder Nicht weniger als drei Delano-Pickups …

Wie ist das Handling des Marleaux Artio?

Muss man die Verarbeitung eines Marleaux eigentlich überhaupt noch erwähnen? Ich persönlich habe jedenfalls noch keinen Bass aus Geralds Werkstatt mit irgendwelchen Schlampereien gesehen, und auch der Artio spielt in Sachen Verarbeitung erwartungsgemäß auf höchstem Boutique-Niveau.

Die Holzarbeiten wurden mit den kleinstmöglichen Toleranzen ausgeführt, die Lackierung ist 1A, die Hardware edel, funktional und robust, und die bereits erwähnte Bundierung ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Klar, billig ist dieses Package natürlich nicht – aber Gerald liefert dafür eben auch entsprechend ab!

Marleaux Artio 5
So ungewöhnlich der Look des neuen Marleaux-Basses ist, so vorbildlich ist seine Verarbeitung!

Wie ist das Handling des Marleaux Artio?

Der Artio sieht vielleicht nicht ganz so gemütlich aus wie die anderen Marleaux-Modelle, in Sachen Spielkomfort und Ergonomie steht er diesen aber in nichts nach. Ja, er ist nicht der kleinste Bass aus der Harzer Werkstatt und besitzt zudem eine etwas längere Mensur. Ergonomisch ist dieses Modell aber derart gut durchdacht, dass man davon beim Spielen kaum etwas spürt.

Durch das lang gestreckte obere Korpushorn hängt das 4,3 kg schwere Instrument perfekt ausbalanciert am Körper, während die geschwungene untere Korpushälfte für hervorragenden Halt auf dem Oberschenkel sorgt, wenn man gerne im Sitzen spielt. Alle Lagen sind wirklich mühelos erreichbar und selbst der 26. Bund lässt sich ohne Hindernisse spielen – wer sich gerne in den höchsten Lagen austobt, hat mit dem Artio richtig Spaß!

Auch die unterschiedlichen Mensuren erfordern quasi keine Eingewöhnung – die Spieltechnik der linken Hand passt sich in kürzester Zeit an die gefächerten Bünde an. Wobei die Fächerung ohnehin ausgesprochen mild ausfällt: Mit 34,5″ auf der H-Saite sind es gerade einmal knapp 1,3 cm mehr als bei einem klassischen 34″-Longscale-Bass, während die G-Saite mit 33,5″ etwas kürzer ausfällt. Mit einer Sattelbreite von 45 mm und einem Saitenabstand von 19 mm an der Brücke besitzt der Hals des Artio außerdem Dimensionen, mit denen die meisten Bassleute vertraut sein sollten und die für die meisten Spieltechniken wunderbar funktionieren.

Dazu gesellt sich ein eher flaches Profil, das wirklich toll in der Hand liegt und sich durch das Satin-Finish ungemein seidig anfühlt. Man merkt es eben auch beim Artio an allen Ecken und Enden, dass Gerald Marleaux größten Wert auf hohen Komfort legt – der erwachsene Multiscale-Fünfsaiter lässt sich alles in allem wirklich traumhaft leicht spielen. Dazu trägt natürlich auch das erstklassige Setup ab Werk bei: Der Artio kam mit perfekt justierter Halskrümmung und sehr niedriger Saitenlage bei mir an, sodass ich das Einstellwerkzeug in der Gigbag lassen und sofort mit dem Test loslegen konnte.

Ein weiterer Grund, warum sich der Artio und auch die anderen Marleaux-Bässe so leicht und direkt spielen lassen, ist das ausgeprägte Resonanzverhalten. Durch die hochwertigen Hölzer und die handwerklich erstklassig umgesetzte Konstruktion spricht der Artio wahnsinnig leicht und schnell an und bietet über den gesamten Tonumfang ein gleichmäßig-ruhiges Abschwingverhalten.

Marleaux Artio 5
Ausgezeichnete Balance und bester Zugriff auch auf die höchsten Lagen – der Artio setzt beim Thema Handling neue Maßstäbe!

Sound: Wie klingt der Marleaux Artio?

Angesichts der erwähnten Features und der perfekten Verarbeitung könnten die Voraussetzungen für den Sound am Verstärker kaum besser sein. Ich bin wirklich extrem gespannt, ob und wie sich der Artio klanglich mit seiner speziellen Ausstattung von den anderen Marleaux-Modellen absetzt! Wie immer hört ihr bei den Audiobeispielen den Bass ohne zusätzliches Equipment oder Plugins in der Nachbearbeitung – mit Ausnahme des Verzerrers in einem Beispiel.

Im Passivbetrieb liegt bekanntlich die Wahrheit, denn ein richtig guter Bass muss auch ohne Elektronik-Schnickschnack richtig gut klingen, glaube ich zumindest. Ich hege tatsächlich keinerlei Zweifel, dass das beim Artio der Fall sein wird, und starte mit dem Delano-Ei im seriellen Modus und offener Tonblende. Hui, der Artio haut einen kräftigen Sound mit klarsten Konturen raus, der durchaus an einen Stingray erinnert, unterm Strich aber eine Spur schlanker und aggressiver rüberkommt. Der X-Tender klingt super transparent und löst wunderbar fein auf – das kennen wir ja bereits von anderen Bässen mit diesem Pickup.

Für das zweite Beispiel habe ich den X-Tender wieder herausgedreht und nur den JSBC eingeschaltet. Der Artio liefert erneut einen extrem praxistauglichen und kompletten Sound, der jetzt allerdings an einen anderen Klassiker erinnert – richtig, die Rede ist vom altehrwürdigen Preci! Der Artio klingt hier schön rotzig, ist aber deutlich hochglanzpolierter und weniger mittig als der Klassiker, was nicht zuletzt am sehr klaren und detailgenauen Delano-JSBC liegt.

Beides sind also super praxistaugliche Sounds, die an Klassiker erinnern, aber ihren eigenen, etwas moderneren und verfeinerten Twist haben. Die H-Saite des Artio ist 1A und liefert ein fundamentstarkes Signal ohne unerwünschte Obertöne. Ob die zusätzlichen 0,5″ dabei tatsächlich irgendetwas verbessern, vermag ich nicht zu sagen – zu viele Faktoren spielen beim Sound einer H-Saite eine Rolle, sodass die Varianz bei Instrumenten mit gleicher Mensur oft erstaunlich groß ist.

Ähnliches gilt für die etwas kürzere G-Saite: Vielleicht klingt sie beim Artio tatsächlich einen Hauch voller, als wenn sie 34″ hätte – aber auch hier reden wir lediglich über feinste Nuancen. Ähnlich subtil ist der Effekt auf die Saitenspannung. Vielleicht bin ich da aber auch einfach zu unsensibel – ich hatte jedenfalls selbst bei guten Bässen noch nie ein Problem mit unterschiedlichen oder unausgewogenen Saitenspannungen.

Audio Samples
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Passiv, XTtender seriell, Tonregler: offen Passiv, Neck-PU, Tonregler: offen
Marleaux Artio 5
Marleaux Artio

Jetzt wird’s spannend, denn nun mischen wir mal die Pickups – nach wie vor im passiven Betrieb. Im ersten Beispiel habe ich den Halstonabnehmer mit dem Mittel-Pickup kombiniert. Der X-Tender arbeitet dabei im Singlecoil-Modus und ist voll aufgedreht. Der Sound verliert im Vergleich zum Solobetrieb der Pickups zwar etwas an Punch und Spritzigkeit, wird dafür aber komplexer und dichter, was auf den ersten Blick vielleicht weniger Wow-Effekt, aber ohne Frage seinen Reiz hat. Ein wirklich eigenständiger Sound, der für sich spricht!

Im zweiten Beispiel habe ich zusätzlich noch den Stegtonabnehmer hinzugeschaltet – jetzt sind also alle drei Pickups aktiv. Obwohl ich den Groove im Palm-Muting-Stil spiele, hört man, dass der Sound mehr Definition und einen stärkeren Attack erhält. Klar, die zusätzlichen Höhen und Hochmitten entfalten hier klar ihre Wirkung. Ein sehr runder und organischer Sound mit ganz eigenem Charakter!

Audio Samples
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Passiv, Neck-PU & Xtender Singlecoil, Tonregler: offen Passiv, Neck-PU, Xtender Singlecoil, Bridge-PU, Tonregler: 80%

Die passiven Sounds sind ohne Frage richtig klasse, und wenn man den Dreiband-Equalizer der Artio-Elektronik hinzunimmt, lässt sich daraus noch einiges mehr machen. Mit einem leichten Bass- und Mitten-Boost klingt der Halstonabnehmer abermals voller und knurriger und rückt klanglich noch näher an den Preci.

Im zweiten Beispiel hört ihr eine Kombination des Xtenders im Singlecoil-Modus mit dem Stegtonabnehmer. Am Equalizer habe ich die Bässe zu 60 Prozent, die Mitten zu 40 Prozent, und die Höhen nur ganz leicht angehoben. Der qualitativ hochwertige EQ klingt ausgesprochen transparent und verfälscht den Grundsound auch bei deutlichen Eingriffen nicht, macht ihn jedoch plastischer und lebendiger – diese Abstimmung ist wirklich top! Das Resultat ist ein wunderschöner Sound mit hervorragender Artikulation und schimmernden Höhen, der sich beispielsweise bei solistischen Einlagen ganz hervorragend macht.

Für das dritte Beispiel habe ich den JSBC in der Halsposition mit dem Xtender im parallelen Modus bei etwa 80%iger Lautstärke kombiniert. Das Low-End habe ich mit einem dezenten Bass-Boost leicht gestärkt.

Audio Samples
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Neck-PU, Bass-Boost: 30%, Mid-Boost: 30% Xtender Singlecoil & Bridge-PU, Bass-Boost: 60%, Mid-Boost: 40%, Treble-Boost: 20% Neck-PU, Xtender parallel, 80%, Bass-Boost: 30%
Marleaux Artio 5
Marleaux Bassguitars kommen aus Clausthal-Zellerfeld im schönen Harz.

Als nächstes folgen zwei Slapsounds, die ich mit unterschiedlichen Pickups und EQ-Einstellungen eingespielt habe. Der erste geht mehr in Richtung Jazz Bass, besitzt aber fraglos ganz eigene Klangnuancen, die nicht zuletzt aus der Position des vorderen JSBC resultieren, der etwas weiter in Richtung Steg sitzt. Mit dem EQ habe ich sowohl die Bässe als auch die Mitten und Höhen angehoben (70%, 40% und 30%). Im zweiten Beispiel hört ihr nur den Xtender im parallelen Modus mit einem satten Bass- und Höhenboost, wie ihn viele auch bei einem Stingray verwenden würden.

Audio Samples
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Beide JSBC, Bass-Boost: 70%, Mid-Boost: 40%, Treble-Boost: 30% Xtender parallel, Bass-Boost: 90%, Treble-Boost: 100%

Ein Bass, der dermaßen gut definierte und kräftige Sounds liefert wie der Marleaux Artio, müsste sich doch auch gut an einer Zerre machen, oder? Ja, tut er: Für den nachfolgenden Heavy-Sound habe ich den Xtender in den Parallelbetrieb geschaltet und Bässe und Mitten leicht, sowie die Höhen stark geboostet.

Audio Samples
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Xtender parallel, Bass-Boost: 30%, Mid: 20%, Treble: 80%
Marleaux Artio 5
Marleaux Artio

Marleaux Artio – Fazit

Der Marleaux Artio ist kein Bass für Leute, die im Handumdrehen die bekannten traditionellen Bass-Sounds abrufen wollen, auch wenn man dies mit Blick auf die Tonabnehmer-Bestückung zunächst durchaus vermuten könnte. Klar, einige seiner Klangcharaktere erinnern durchaus an Stingray, Preci oder Jazz Bass. Authentisch wie die jeweiligen Klassiker klingt er jedoch zu keiner Zeit – und das soll er auch gar nicht! Vielmehr liefern die verschiedenen Pickup-Kombinationen und die flexible Elektronik eine ganze Reihe sehr eigenständiger Sounds, die man so bei kaum einem anderen Bass findet. Der Artio klingt dabei insgesamt etwas bissiger als viele andere Marleaux-Modelle und ist nicht ganz so sehr auf „Schönklang“ programmiert.

Gerald Marleaux hat mit dem Artio wirklich ein komplett eigenständiges Instrument entwickelt, das zum Experimentieren einlädt und dem Spieler tolle Klangmöglichkeiten eröffnet, wenn man bereit ist, etwas Zeit zu investieren. Dazu gesellen sich natürlich die typischen Marleaux-Tugenden: Das Modell ist trotz seiner etwas größeren Dimensionen und der längeren Mensur hervorragend ausbalanciert und lässt sich dank des durchdachten Designs, des komfortablen Halsprofils und der seidig-glatten Haptik traumhaft bespielen – Verarbeitung und Setup bewegen sich ohnehin auf höchstem Boutique-Niveau!

Aber auch optisch geht der Artio eigene Wege: Die markante Diva-Korpusform, das schicke Top in Verbindung mit dem mysteriös wirkenden „Darkside Grey“-Finish, und die ungewöhnliche Pickup-Anordnung machen ihn zu einem echten Hingucker, ohne dass das Gesamtdesign irgendwie beliebig wirkt.

Ja, der neue Marleaux-Sprössling dürfte sicherlich nicht jedermanns Sache sein. Wer aber einen besonderen Boutique-Bass sucht und Spaß daran hat, sich abseits der ausgetretenen Klangpfade auf Entdeckungsreise zu begeben, sollte den Artio unbedingt einmal selbst ausprobieren – jede Menge Spaß ist dabei garantiert! Herzlichen Glückwunsch zu diesem ausgefallenen neuen Bassmodell, lieber Gerald Marleaux!

Marleaux Artio 5
Marleaux Artio
  • Technische Spezifikationen:
  • Hersteller: Marleaux Bassguitars
  • Modell: Artio
  • Herstellungsland: Deutschland
  • Mensuren: 33,5“ – 34,5″
  • Korpus: Linde, Decke aus gemaserter Birke, „Darkside Grey“-Satin-Finish gebeizt,
  • Hals: angeschraubt, drei Teile geflammter Ahorn, mit Räuchereiche gesperrt, Ebenholzgriffbrett, 26 gefächerte Bünde + Nullbund
  • Tonabnehmer: Custom Delano Xtender Quad-Coil (schaltbar Singlecoil, parallel, seriell) und zwei Custom JSBC Split-Coils
  • Elektronik: Marleaux/Behn Artio 3-Band mit passiver Höhenblende, aktiv/passiv
  • Hardware: Marleaux by Gotoh, Marleaux Brücke
  • Gewicht: ca. 4,3 kg
  • Zubehör: Canto-Softcase, Werkzeug, Zertifikat
  • Preis: 6.610,- Euro
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Marleaux Artio 5

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