Beim Namen Pino Palladino denkt man heutzutage in erster Linie an seine Neo-Soul-Phase mit D’Angelo oder an seine Arbeit mit John Mayer – und an seinen roten Precision-Bass, den er meistens in diesen Projekten gespielt hat. Wer (wie ich) ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat, hat allerdings darüber hinaus noch einen anderen Sound im Kopf: Singende Fretless-Lines, mit denen Palladino in den 1980ern Songs z. B. von Paul Young veredelte. Dieser unverwechselbare Sound entstand mithilfe eines bundlosen Music Man Stingray-Basses aus dem Jahr 1979. Das Original diente nun als Vorlage für das neue Signature-Modell von Ernie Ball/Music Man. Zu den Features gehören ein Pappelkorpus mit Ahornhals und Palisandergriffbrett, ein speziell abgestimmter Alnico-V-Humbucker im Stil der späten Seventies, sowie ein handgelöteter Vintage-Style-2-Band-Preamp mit den korrekten Komponenten. Wir haben uns ein Exemplar zum Test bestellt.

- ausgewogener, singender Fretless-Sound
- sehr schöne Vintage-Optik
- Vintage-2-Band-Preamp mit organisch klingendem EQ
- angenehme Bespielbarkeit und perfekte Balance
- hochwertige Verarbeitung
- sehr schöne Vintage-Optik
- hochwertiges Mono-Softcase im Lieferumfang
- relativ hoher Preis
- Griffbrett ohne Linien erfordert etwas Eingewöhnung
Music Man Pino Palladino Stingray Fretless: Erster Eindruck
Wie schon erwähnt, ist der Pino Palladino Stingray Fretless ein Nachbau von Pinos 1979er-Stingray und sieht dementsprechend aus wie ein klassischer Vintage-Stingray – allerdings ohne die obligatorischen Gebrauchsspuren, sondern im makellosen Neuzustand.
Der Signature-Stingray ist übrigens darüber hinaus auch in einer bundierten Version erhältlich, und für Die-Hard-Fans von Pino Palladino hat Music Man sogar eine auf 15 Exemplare limitierte Version im Gepäck, die eine 100%ige Replik von Pinos Bass inklusive sämtlicher Gebrauchsspuren darstellt.
Das warme, leicht gealtert wirkende Sunburst-Finish sorgt in Kombination mit dem dreilagigen schwarzen Pickguard und dem dunklen Palisandergriffbrett für eine sehr stimmige und irgendwie auch edle Vintage-Anmutung.
Doch das Instrument sieht nicht nur edel aus, sondern ist auch qualitativ über jeden Zweifel erhaben – ganz so, wie man es von Music Man kennt. An der Verarbeitung gibt es – angefangen bei der Passgenauigkeit des Halses über die Lackierung bis hin zu den stabilen Hardware-Komponenten – rein gar nichts zu beanstanden, hier ist wirklich alles tipptopp!
Kommen beim Music Man Pino Palladino Stingray Fretless die gleichen Komponenten wie beim Original zum Einsatz?
Der Stingray orientiert sich jedoch nicht nur optisch am Original, sondern auch bei den verwendeten Materialien an den Music-Man-Spezifikationen von 1979. Bei einigen Exemplaren – so auch bei Pinos Bass – bestand der Korpus aus Pappelholz, und genau dieses Holz kommt auch beim Signature-Modell zum Einsatz.
Bedingt durch den relativ niedrigen Beschaffungspreis wird Pappel zwar häufig bei günstigeren Instrumenten verwendet, große Hersteller haben das Holz aber schon immer auch dann eingesetzt, wenn Erle oder Esche knapp waren. Wird qualitativ hochwertige Pappel oder Linde verwendet, gibt es aus klanglicher Sicht jedenfalls absolut nichts einzuwenden.
Der einteilige geschraubte Hals besteht aus Ahorn und besitzt eine schöne orangefarbene Färbung, die durch die Hochglanzlackierung wunderbar zur Geltung kommt und für einen amtlichen Vintage-Look sorgt. Hinten sieht man den dunklen Skunk Stripe aus Walnussholz, mit dem der Kanal für den Halsspannstab verschlossen wurde. Zum Einsatz kommt natürlich der für diese Zeit typische Bullet-Trussrod, der an der Kopfplatte justiert wird – es gibt also kein komfortables Einstellrad wie bei den aktuellen Stingrays!

Das Fretless-Griffbrett besteht aus Palisander und bietet zur Orientierung Punkte an der Flanke, die an den Positionen sitzen, an denen bei einem bundierten Bass die Bünde wären. Die Intonation ist damit natürlich nicht ganz so einfach wie bei Griffbrettern mit Linien, man weiß aber zumindest an acht Positionen, wo man greifen muss.
Der Hals wurde mit drei Schrauben und einer Pino-Palladino-Signature-Halsplatte samt eingraviertem Namenszug am Korpus befestigt. Typisch für diese Dreipunktbefestigung ist die Micro-Tilt-Schraube, mit der sich bei Bedarf der Halswinkel feinjustieren lässt.
Die Saiten werden in einem Graphtech-Nubone-Sattel mit der stattlichen Breite von 42,8 mm geführt, der laut Music Man von Hand bearbeitet wurde, um Pinos Modifikationen zur Klangverbesserung nachzubilden. Was genau dahintersteckt, wird allerdings nicht näher beschrieben.
Über welche Hardware verfügt der Music Man Pino Palladino Stingray Fretless?
Damit sind wir beim Thema Hardware angelangt und blicken zunächst auf die kompakte Kopfplatte, auf der vier Vintage-Mechaniken aus dem Hause Schaller in der Stingray-typischen 3+1-Anordnung sitzen. Außerdem gibt es hier einen runden Saitenniederhalter für die beiden mittleren Saiten. Spannender wird es am anderen Ende des Basses, denn hier werden die Saiten von einer sogenannten „Pre Ernie Ball“-Brücke aufgenommen.
Dies solide Bass-Bridge kommt natürlich in der typischen rundlichen Stingray-Form und besitzt eine Grundplatte aus Stahl sowie Saitenreiter aus Messing, die mit den charakteristischen seitlichen Pfosten gegen Verrutschen gesichert sind. Im vorderen Bereich gibt es außerdem für jede Saite kleine Dämpfer, die sich über Rändelschrauben lösen lassen, sodass die Saiten durch Gummis abgedämpft werden können. Bei einem Fretless-Bass ist diese Dämpfung wohl eher kontraproduktiv, aber sie sind eben Teil des historischen Stingray-Designs und deshalb auch hier zu finden.
Die Saiten werden bei dieser Bridge durch den Korpus und anschließend durch Löcher in der Bodenplatte aufgezogen. Apropos Saiten: Auch hier orientiert man sich an Pino Palladinos Vorlieben. Der Music Man Pino Palladino Stingray Fretless ist ab Werk mit extrem dünnen Ernie-Ball-Nickelsaiten in den Stärken .036/.055/.065/.090 bespannt.
Mit welchem Tonabnehmer ist der Music Man Pino Palladino Stingray Fretless ausgestattet?
Für die Klangabnahme sorgt beim Music Man Pino Palladino Stingray Fretless ein speziell abgestimmter Alnico-V-Humbucker, der mit 42-Gauge-Draht gewickelt wird und sich eng an den frühen Stingray-Pickups der späten 70er-Jahre orientiert.
Auch bei der Elektronik wollte Music Man offensichtlich möglichst nah am Original bleiben: Der Bass arbeitet mit dem klassischen zweibandigen „Boost-Only“-Preamp für Bässe und Höhen, wie er bei den frühen Stingrays vor der später eingeführten 3-Band-Schaltung verwendet wurde.
Diese Schaltung wird im Hause Ernie Ball von Hand verlötet und orientiert sich an den historischen Bauteilspezifikationen – unter anderem kommt ein 500-kΩ-Treble-Poti zum Einsatz, das für einen etwas milderen und kontrollierteren Höhenbereich im Vergleich zum bissigeren 1-MΩ-Poti sorgt. Geregelt wird ganz traditionell über drei Potis für Volume, Bass und Treble, die auf der typischen bananenförmigen Control Plate montiert sind. Ohne Strom geht bei diesem aktiven Stingray natürlich nichts – der 9-Volt-Block sitzt in einem kleinen Fach auf der Rückseite, das mit einem schicken verchromten Metalldeckel verschlossen ist.
Was umfasst der Lieferumfang des Music Man Pino Palladino Stingrays?
Von sehr guter Qualität ist auch das Softcase, in dem der Signature-Stingray ausgeliefert wird. Es stammt vom renommierten Hersteller Mono, ist stabil und bietet trotz seines geringen Gewichts einen sehr guten Schutz für den Bass.
Dieser liegt in einer mit Plüsch ausgekleideten Formschale und kann sich darin nicht bewegen. Eine große Fronttasche bietet zudem reichlich Platz für Zubehör. Im Case finden wir neben dem Bass das typische Music-Man-Stoffsäckchen mit Einstellwerkzeug sowie eine kurze Beschreibung der Elektronik.

















