Es gibt vermutlich keine Stilistik, die sich unter Schlagzeugern größerer Beliebtheit erfreut als Rock in seinen vielfältigen Spielarten. Im ersten Teil unserer Serie dreht es sich um den vielleicht meistgespielten Rockgroove überhaupt. Wer jetzt aufpasst und sich die Sticks schnappt, legt den Grundstein für unzählige weitere Songs, denn die Systematik lässt sich auf unzählige weitere Beats übertragen.

- Blues, Country und Gospel waren die Vorfahren der Rockmusik
- John Bonham hat das Rockdrumming für immer verändert
- Diese Rockdrummer solltet ihr euch auch mal anhören
- Diese Drums und Cymbals haben die ersten Rockdrummer gespielt
- Das Equipment – Was ihr für Rockdrumming braucht
- Welche Bassdrum-Felle klingen gut für Rock?
- Welche Snarefelle eignen sich für einen guten Rocksound?
- Für Rock sollte es bei Racktoms und Floortoms fett, aber kontrolliert zugehen
- Der Rock Song
- Beginner-Tipp
- Profi-Tipp
- Verwendetes Equipment
- Play-Alongs zum Mitspielen
Auf den ersten Blick wirken viele Rockgrooves relativ schlicht aufgebaut: die Hi-Hat oder das Ridebecken spielen den Puls als Achtel- oder Viertelnoten, während die Bassdrum praktisch immer auf der Zählzeit Eins und die Snare auf Zwei und Vier landet. Soweit, so übersichtlich. Nickende bis headbangende Köpfe im Publikum sind euch aber nur dann sicher, wenn ihr das Ganze entsprechend druckvoll und präzise rüberbringt, denn nur dann entsteht Felsen und Rollen, oder neudeutsch: Rock`n`Roll! Aber woher kommt der Stil eigentlich?
Blues, Country und Gospel waren die Vorfahren der Rockmusik
Die Musikrichtung Rock entstand Mitte bis Ende der 1940er-Jahre und entwickelte sich zunächst in den USA. Sie ging aus Genres wie Blues, Rhythm and Blues, Country und Gospel hervor. Als einer der wichtigsten Vorläufer gilt der Rock’n’Roll, der durch Künstler wie Chuck Berry, Little Richard, Fats Domino und Elvis Presley extrem populär wurde. Der Stil war eine Neuheit, das Drumming war daher noch stark vom Jazz und Blues beeinflusst. Statt dem druckvollen, „straighten“ Backbeat, der heute mit Rock assoziiert wird, besaßen die Rock’n’Roll-Songs der ersten Jahre einen leichteren, oft triolischen Puls.
Ab den 1960er-Jahren modernisierte sich der Rock’n’Roll und wurde deutlich europäischer, oder besser: britischer. Bands wie die Beatles, die Rolling Stones, The Who und Led Zeppelin klangen aggressiver, die Grooves wurden druckvoller und die Drums wurden lauter abgemischt.

John Bonham hat das Rockdrumming für immer verändert
Wenn ihr euch mit Rockmusik und dem passenden Getrommel befassen möchtet, kommt ihr um John Bonham, den Led Zeppelin-Drummer, nicht herum. Direkt mit dem ersten, 1969 erschienenen Album der Band demonstrierte Bonham seinen technisch versierten und einzigartig explosiven Stil. Groß, schwer und leichtfüßig zugleich, so lässt sich sein Spiel am besten umschreiben. Checkt mal Songs wie „Good Times Bad Times“ oder das unglaublich fett klingende „When The Levee Breaks“. Auch soundtechnisch hat die Band Maßstäbe gesetzt, der trockene Drumsound der 50er und 60er war mit Led Zeppelin vorbei, jetzt wurde den Drums viel Raum gelassen, unterstützt von neuen Produktionstechniken wie Hall, Echo und das Aufnehmen der Drums mit weiter weg stehenden Mikrofonen.

John Bonham gilt als der einflussreichste Rockdrummer aller Zeiten. In diesem Drum Play-Alike Workshop zeigen wir euch seine Drumming Highlights mit Noten- und Audiobeispielen.
Diese Rockdrummer solltet ihr euch auch mal anhören
In der Geschichte der Rockmusik bis heute finden sich eine Menge Drummer, die als Vorbilder für euer eigenes Spiel taugen. Dass es dabei nicht unbedingt um technische Finesse, Geschwindigkeit oder abgefahrene Fills geht, zeigen zum Beispiel Charlie Watts von den Rolling Stones, Phil Rudd von AC/DC oder Meg White von den White Stripes. In allen genannten Fällen sorgt der einzigartige, schnörkellose Stil der Drummer für den charakteristischen Sound der Band.
Anders sieht es bei meinen persönlichen Favoriten aus. Dave Grohl machte nicht nur als Drummer der legendären Grunge-Rockband Nirvana Furore, er gründete später als Frontmann auch die Foo Fighters. Dort spielte ein weiterer Hero, nämlich Taylor Hawkins. Bis zu seinem viel zu frühen Tod kombinierte er Präzision, technische Brillanz und einen druckvollen Sound zu einem musikalischen Gesamtkunstwerk.
Ähnliches kann Josh Freese bescheinigt werden, es ist also kein Zufall, dass er den Drumhocker der Foo Fighters nach Taylors Tod für kurze Zeit übernommen hat. Aktuell trommelt er – wieder – bei Nine Inch Nails. Getauscht hat er mit Ilan Rubin, welcher jetzt bei den Foo Fighters trommelt. Allen ist gemein, dass sie in allen Bereichen auf höchstem Niveau spielen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen.
Diese Drums und Cymbals haben die ersten Rockdrummer gespielt
Für das Rockdrumming gilt in Sachen Equipment dasselbe wie für alle anderen Populärmusikstile der 50er-, 60er- und 70er Jahre. Die Auswahl an Drumsets, Snares und Becken kann – zumindest im Vergleich zu heute – als eingeschränkt bezeichnet werden. 14“ x 5“ und 14“ x 6,5“ waren die gängigen Snaredrum-Größen, kleinere Durchmesser und alternative Tiefen kamen teils erst viel später in Mode. Ein legendäres Kit ist sicherlich das Beatles-Schlagzeug von Ringo Starr, ein vierteiliges Ludwig in den Standardgrößen 20“x 14“ Bassdrum, 12“ x 8“ Racktom und 14“ x 14“ Floortom. Später stieg er auf eine Nummer größer (22“, 13“, 16“) um, auch dies eine reguläre Konfiguration. Wenn ihr wissen möchtet, wie sich der Klang der damaligen Drums tatsächlich unterschieden hat, solltet ihr euch dieses Video unbedingt ansehen.

Aufsehen erregten die Schlagzeuge von The Who-Drummer Keith Moon, der mit seinem Custom Premier Set „Pictures of Lily“ sofort erkennbar war. Ab dem Ende der 60er definierte John Bonham den großen Rocksound, Bassdrums der Größen 24“ oder 26“ wurden kombiniert mit 14“ oder 15“ Racktoms sowie 16“ und 18“ Floortoms, das Ganze wurde zwecks gesteigerter Durchsetzungskraft hoch gestimmt und laut bespielt.
Das Equipment – Was ihr für Rockdrumming braucht
Attitüde, Druck, ein zuverlässiger Puls – damit werdet ihr auf jedem Drumset eine gute Rockperformance hinlegen. Wenn eine Bassdrum, eine Snaredrum, zwei bis drei Toms, Hi-Hat und Crashride vorhanden sind, könnt ihr loslegen. In den meisten Rocksongs kommt tatsächlich auch nicht mehr vor.
Solltet ihr aber gerade planen, ein passendes Drumset zusammenzustellen, sollte die Bassdrum nicht kleiner sein als 22“, beim Floortom würde ich persönlich ein 16“ oder 18“ Modell wählen. Ob ihr ein 12“ oder 13“ Racktom wählt, ist nicht wichtig, größere Toms lassen sich jedoch immer tiefer stimmen und besitzen mehr Dynamikreserven. Spannend wird es jedoch bei der Fellbestückung und dem Tuning, denn damit könnt ihr einiges aus euren Drums herausholen.
Welche Bassdrum-Felle klingen gut für Rock?
Tief, druckvoll, eher kurz und kontrolliert spielbar, so könnte man die Eigenschaften einer guten Rock-Bassdrum umschreiben. Die Trommel selbst ist dabei gar nicht so wichtig, spannender sind ihre Fellbestückung, ihr Tuning und ihr Setup. Alle drei Elemente kannst du relativ günstig und schnell umsetzen. So sollte euer Resonanzfell ein Loch haben, welches ihr mit einem Cutter einfach hineinschneiden könnt. Es gibt aber auch bereits entsprechend vorbereitete Felle. Durch das Loch entweicht die Luft schneller, das Spielgefühl wird damit kontrollierter und der Sound insgesamt kürzer. Alles Attribute, die sehr gut zur Anwendung passen.
Dann empfiehlt sich eine lockere bis sehr lockere Spannung des Schlagfells. Damit wird der Pitch der Trommel tief, gleichzeitig verbessert sich der Attack. Apropos Attack: ein Schlägel mit einer Spielfläche aus Kunststoff, Holz oder Leder sorgt für mehr Punch, dazu solltet ihr einen Patch auf das Fell kleben. Der verbessert ebenfalls den Anschlagssound und sorgt außerdem für eine deutlich gesteigerte Lebensdauer eures Bassdrum-Fells. Hier kommen ein paar Produkttipps.
Welche Snarefelle eignen sich für einen guten Rocksound?
Rockdrumming lebt wie kaum eine andere Musikrichtung von einem passenden Snaresound. Und der wiederum lässt sich sehr effektiv über die Wahl des Snarefells beeinflussen. Anders als bei der Bassdrum, geht die Spanne der Soundmöglichkeiten aber weit über „die eine“ Stimmung hinaus. Einige Rocksongs brauchen einen tiefen, “nassen“ Sound, bei anderen knallt die Snaredrum kurz und hoch. Beides lässt sich auch mit einlagigen, weiß beschichteten Standardfellen erreichen. Das Tuning und die Dämpfung sind dann ausschlaggebend.
Es gibt aber noch einen Faktor und das ist die Haltbarkeit. Rockdrumming ist kräftig, damit ist die Belastung für die Felle deutlich höher. Die Hersteller bieten daher viele Modelle mit einer zusätzlichen Folienlage an, auch mittige Verstärkungspunkte siehst du bei den Fellen der bekannten Drummer regelmäßig.
Für Rock sollte es bei Racktoms und Floortoms fett, aber kontrolliert zugehen
Auch bei euren Toms kommt es darauf an, welchen Stil ihr selbst umsetzen möchtet. Wie oben schon erwähnt, hat John Bonham riesige Toms mit einer hohen Stimmung und harter Spielweise kombiniert. Sein Sound ist legendär, moderne Stile zeichnen sich jedoch durch eher tiefere Stimmungen aus, speziell Floortoms sollen einen fetten Impuls liefern und wenig Ton. Bestimmt kommt euch auch das Phänomen störender Obertöne bekannt vor, die sich speziell in nicht optimalen Räumen sehr nervig auswirken können.
Auch hier haben die Hersteller Lösungen parat. Doppellagige Felldesigns erhöhen die Haltbarkeit und reduzieren ungewolltes „Nachsingen“. Noch effektiver sind am Rand eingesetzte Dämpfringe. Diese wirken genau dort, wo die Obertöne entstehen und erzeugen damit einen subjektiv fetteren, saubereren Ton. Du kannst aber auch selbst den Grad der Dämpfung festlegen, zum Beispiel mit dem berühmten „Gaffatape“, Moongel oder textilen Produkten wie jenen von Mr. Muff.
Der Rock Song
Unser Song-Beispiel besteht aus zwei jeweils achttaktigen Parts, die sich der Einfachheit halber im Playalong wiederholen. Die Form ist also eine simple Strophe-Chorus Abfolge:

In der Strophe spielt ihr die geschlossene Hi-Hat als unbetonte – also gleich laute – Achtelnoten. Dazu kommt die Bassdrum auf den Zählzeiten Eins, Drei, sowie Drei und. Mit der Snare spielt ihr den klassischen „Backbeat“ auf Zwei und Vier.

Der Refrain markiert im Rocksong einen Höhepunkt, den ihr mit dem Drumpart unterstützen solltet. Zum Glück gestaltet sich das oft wirklich einfach. In unserem Beispiel wechselt ihr dazu auf das Ride-Becken, welches mit seinem breiten und längeren Sound die Gitarren- und Basslinie schön „zusammenklebt“ und dadurch effektiv unterstützt. Und so klingt das ganze:
Beginner-Tipp
Ein häufiger Fehler bei Einsteigern ist die zu kräftig gespielte Pulshand – also die Hi-Hat oder das Ride. Sind diese beiden Becken im Verhältnis zu laut, geraten die für das pumpende Feeling so wichtige Bassdrum und Snaredrum subjektiv ins Hintertreffen. Achtet also darauf, dass ihr in Rock- und Popmusik diese beiden Trommeln in den Vordergrund bringt, indem ihr den Anschlag von Hi-Hat und Ride-Becken kontrolliert ausführt und der Bassdrum durch das Spiel mit abgehobener Ferse ordentlich Druck verleiht. Bei der Snare ist die die Nutzung des so genannten Rimshots von Vorteil, weil er der Trommel mehr „Cut“ verleiht. Hierbei trifft der Stick den Spannreifen (Rim) und die Fellmitte gleichzeitig. Für diese Technik ist etwas Übung vonnöten, ihr werdet den Dreh aber schnell raus haben.
Profi-Tipp
Alle fortgeschrittenen Trommler unter euch können in jedem vierten Takt der Strophe auf der „Vier und“ die Hi-Hat für die Länge einer Achtelnote öffnen und auf jeder „Eins“ des ersten Strophen- oder Chorustaktes einen Akzent mit dem Crash-Becken setzen. Zusätzlich könnt ihr euch an den beiden Fill-Ins versuchen, die ich jeweils im achten Takt gespielt habe. Die sehen folgendermaßen aus:

Verwendetes Equipment
Rockgrooves werden meist mit großen Trommeln und Becken gespielt, weil diese einen tendenziell tieferen und satteren Grundton haben und zudem über eine größere Dynamik verfügen als kleine Fusion-Drumsets.
In meinem Sound-Beispiel hört ihr ein vierteiliges Kit, bestehend aus einer Wahan Acryl-Bassdrum in den Maßen 24“x13“, zwei Wahan Buchenholz-Toms in 12×8 und 16×14 Zoll sowie eine 14“x5“ Noble & Cooley Cherrywood Snaredrum. Alle Trommeln sind leicht bedämpft und eher tief gestimmt. Beim Spiel habe ich auf Druck und Konstanz besonders bei der Snaredrum geachtet. An Becken habe ich ein altes 22“ Sabian Sound Control Ride der AA Serie verwendet, eine ebenso alte 14“ Sabian Medium Hi-Hat der HH Serie sowie als Crash ein 19“ Bosphorus Crash Ride. Viel Spaß beim Abrocken!
Play-Alongs zum Mitspielen
Hier könnt ihr euch drei Versionen mit und ohne Clicktrack / Drums zum Üben anhören. Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Losrocken!
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Mike Boos sagt:
#1 - 22.04.2022 um 11:01 Uhr
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