Optisch hat sich nix geändert: Das Shure MVX2U bleibt auch in der 2. Generation ein Däumling. Jetzt ist das digitale Mic-Plug Audio-Interface endlich mit mobilen Endgeräten kompatibel. Wie das MVX2U Gen 2 klingt und welche neuen Features die Motiv Mix App an Bord hat, erfährst du in diesem Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
kompaktes Mic-Plug Interface
Mix App mit zweckdienlichen Bearbeitungsoptionen
Gen 2 ist kompatibel mit mobilen Geräten
guter Sound
Preis-Leistungsverhältnis stimmt
Contra
eher für Reportage, Podcast, Streaming als Audio-Produktion
Klangaufhübschung an der Tischkante und unterwegs
Mic-Plug Audio-Interfaces sind ultrakompakt, bleiben aber klanglich schon mal hinter größeren Lösungen zurück. Shure hat das in China gefertigte MVX2U upgedatet: Gen 2 will vor allem das Eingangssignal an Tablets und Smartphones aufhübschen, vorausgesetzt, du stöpselst den Winzling an ein ordentliches Mikro. Primär ist das Interface für die Sprachübertragung von Streamern, Broad-, und Podcastern gedacht.
Verriegelbarer Female-XLR-Stecker für den sicheren Anschluss am Mikrofon.
USB und Monitoring
Hardwareseitig gibt es keine nennenswerten Veränderungen gegenüber der von uns gründlich getesteten Gen 1-Version. Das latenzfreie Monitoring über die 3,5mm-Buchse ist solide; die USB-C-Verbindung mit mitgeliefertem Kabel stabil. Allerdings fehlt ein USB-C zu USB-A-Kabel.
USB-C-Port und Miniklinken-Kopfhörerbuchse.
Shure MVX2U Gen 2 Setup
Für das Setup lade ich die aktuellen Versionen der Apps ‚Motiv Mix‘ (Windows) und ‚Motiv Audio‘ (Android) herunter. Der Eingangsdialog der Motiv Mix App erläutert anhand prägnanter Icons die Optionen vor der Aufnahme und im Post-Recording. Jedoch erkennt der Desktop-Computer das Audio-Interface nicht als solches. Laut Kundendienst muss die Mic-Interface-Kombi in den PC-Einstellungen als externes Mikro akzeptiert und zur Nutzung in der Mix App freigeschaltet werden. Gesagt, getan.
Für Snare-Takes oder Motörhead-Cover kannst du Klassiker wie das SM57 dranhängen. Aufnahme in 16 Bit: Einfache graphische Darstellung in der Motiv Audio App.Screenshot der App
Sprachaufnahme
Die in der Desktop-App angezeigte Aufnahmequalität (32 Bit/48 kHz) sorgt schnell für Irritation: Das MVX2U nimmt die A/D-Wandlung auf maximal 24 Bit Tiefe vor und ist auch in Gen 2 nicht Floating-Point-fähig. Der Auto-Level-Modus ist eine der neuen DSP-Funktionen. Er pegelt nach, wenn Sprecher sich auf das Mikrofon zu- oder von ihm fortbewegen. Der ‚Digital Popper Stopper‘ minimiert Plosivlaute. Gegenüber einem effektiven Popschutz aus Schaumstoff bietet er keinen nennenswerten Vorteil. Zu guter Letzt soll der ‚Real-time Denoiser‘ Beeinträchtigungen, zum Beispiel durch Lüftergeräusche, in Echtzeit gegenkorrigieren. Das funktioniert und erinnert entfernt an Restaurationssoftware wie iZotopes RX, stinkt aber nicht gegen eine vollwertige akustische Raumoptimierung an.
Ein Mikrofon für das Aufnehmen von Gesang anzuschaffen reicht leider nicht aus: Mikrofon-Zubehör ist nötig. Wir erklären, was ihr braucht und worauf ihr achten müsst.
Interessanter ist, wie sich das MVX2U klanglich auf neutralem Boden schlägt. Der Maximal-Gain liegt weiterhin bei 60 dB, das reicht, dürfte aber mehr sein. Doch genug gemeckert: Als A/D-wandelnder Hosentaschen-Mic-Preamp macht das Mini-Interface seine Sache wirklich gut. Bleiben wir zunächst im Shure-versum und stöpseln das MVX2U Gen 2 an das passive dynamische MV7X, welches gegenüber dem MV7Xi nur einen XLR-Output hat und sich über Vorverstärkung, Interface- und DSP-Funktionen freut.
Das MVX2U sitzt wie dafür gemacht am MV7X.
Im Praxistest zeigt sich das Shure MVX2U Gen 2 als kompetentes Helferlein, das meine Stimme auch ohne Bearbeitung des Eingangssignals gut abbildet. Im direkten Vergleich kann es mit einem Interface der Klasse des RME UFX nicht mithalten, doch ist dies ein Äpfel-und-Birnen Vergleich: Die Preisklassen und Einsatzgebiete sind zu verschieden. Durch Einstöpseln des MVX2U in’s Kondensator-Mikrofon DPA d:facto II überprüfe ich die Phantomspeisung. Läuft.
Das Shure MVX2U Gen 2 am DPA-Handheld
Im User Guide für das MVX2U gibt Shure einen Sweet Spot zwischen 15 und 30 cm Entfernung an, weshalb ich mich für 20 cm entscheide. Klangformende Einstellungen sind deaktiviert und abgesehen von der anschließenden Lautstärkenormalisierung in Cubase sind die Audiofiles unbearbeitet. Du hörst einen Auszug aus Georg Christoph Lichtenbergs gemeinfreien Sudelbüchern.
Die Eingriffsmöglichkeiten in das Klanggeschehen stelle ich für die bestmögliche Vergleichbarkeit anhand des Post-Recording-Prozessors der Motiv Mix App dar: ‚Enhance‘ ist eine dreistufige Mischung aus Loudness, Kompression, Limiting und automatischem EQ. Nicht grundlos empfiehlt Shure nur die Low-Einstellung für Sprach-Produktionen: Im Medium- und High-Setting werden mir die S-Laute zu scharf. Wie schon im Testbericht zur ersten Generation bemängelt, spart die App am De-Esser-Plug-in und für manuelles De-Essing agiert der integrierte EQ zu breitbandig bzw. fehlen anwählbare Q-Werte. In Gen 3 dann, Shure? Du hörst erneut einen kurzen Lichtenberg.
Audio
Samples
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NeutralEnhanced LowEnhanced MediumEnhanced High
Alternativen zum Shure MVXU Gen 2
Im kompakten Mic-Plug-Format gibt es keine allzu große Konkurrenz: Da wäre das hauseigene the t.bone MicPlug USB Interface von Thomann, das schlappe 33 Euro abruft. Allerdings sind die Usermeinungen gemischt. Deutlich mehr Konkurrenz bekommt das MVXU, wenn das Interface größer und weniger mobil sein darf, weil du weitgehend stationär arbeitest. Das zweikanalige Zoom UAC-232 kommt mit internen 32-Bit-Wandlern.
Einige aktive Mikros tragen die Preamp-Interface-Kombi im Gehäuse, beispielsweise das the t.bone MB 7 Beta USB Broadcast-Mikro mit USB-C, XLR- und Kopfhörer-Anschlüssen oder das besagte Shure MV7i, für das du aktuell 369 Euro berappst. Das Rode Podmic hat ebenfalls beide Anschlüsse, wurde von uns für gut befunden und ist bei den Usern beliebt.
So oder so: Das MVXU Gen 2 verstärkt traditionelle XLR-Mics flexibel und kompakt im mobilen Recording- und Streaming-Einsatz.
Wen die gute Bewertung von 4,5 aus 5 möglichen Sternen verwundert, nachdem ich hier und da Kritik geäußert habe: Gemessen am Preis und am Formfaktor ist das Shure MVX2U ein überzeugendes Audio-Interface – sei es in der ersten oder der neuen, mobilgerätetauglicheren Generation. Für meine Zwecke sind die DSP-Neuerungen ‚nice to have‘, aber nicht zwingend. Die One-Knob-Einstellungen der Prozessoren und der nicht gerade chirurgisch präzise EQ der Motiv Mix App ersetzen keine ausgewachsene DAW. Das ist auch nicht der Anspruch: Wenn du auf Messen Gesprächspartner live interviewst, sind sie ein willkommener ‚quick fix‘ in der akustisch suboptimalen Umgebung. Das ShureMVX2U Gen 2 bietet gegenüber dem internen Mikro deines Endgeräts eine deutliche klangliche Aufwertung und funktioniert einwandfrei an Tauchspulen- und Kondensator-Mikros.
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