Man könnte problemlos einen kompletten Artikel schreiben, der lediglich die Auszeichnungen aufzählt, mit denen der Ausnahmebassist, Komponist, Produzent, Dirigent und Arrangeur Stanley Clarke in seiner langen, vielfältigen und einzigartigen Karriere geehrt wurde, die bis zum heutigen Tage bereits ein halbes Jahrhundert umfasst. Stanley Clarke war der erste Solobassist seines Genres, der unter eigenem Namen ausverkaufte Welttourneen unternahm und dessen Alben mit Goldenen Schallplatten ausgezeichnet wurden. Gemeinsam mit dem legendären Jaco Pastorius revolutionierte und emanzipierte er das Bassspiel und veränderte sowohl die Geschichte des E-Basses als auch die Art, wie der E-Bass und dessen Spieler vom Publikum wahrgenommen werden. Für diese unfassbare Leistung möchten wir uns bei Stanley Clarke mit diesem Artikel bedanken.

(Bild: CTK / Alamy Stock Photo)
- Die Anfänge: Wie begann die Karriere von Stanley Clarke?
- Warum war Return To Forever ein Meilenstein in der Karriere Stanley Clarkes?
- Wie verlief die Solokarriere von Stanley Clarke?
- An welchen weiteren Projekten wirkte Stanley Clarke mit?
- Für welche Filmmusiken ist Stanley Clarke bekannt?
- Was zeichnet den musikalischen Stil von Stanley Clarke aus?
- Welches Equipment benutzt Stanley Clarke?
- Was für Auszeichnungen erhielt Stanley Clarke im Laufe der Jahre?
Die Anfänge: Wie begann die Karriere von Stanley Clarke?
Stanley Marvin Clarke wurde am 30. Juni 1951 in Philadelphia (Pennsylvania, USA) geboren. Musik war bereits sehr früh ein großer Bestandteil seines Lebens; sein erstes Instrument war die Violine. Als er in seinen Teenager-Jahren jedoch zu einer stattlichen Größe von über 1,90 Meter heranwuchs, wurde die Violine zu klein für seine Finger.
Der logische Wechsel zum Cello war die Folge – mit diesem sollte Stanley aber nie richtig warm werden. Schließlich entdeckte Stanley in der Ecke eines Schulbandraums einen Kontrabass, und fand in ihm prompt seine neue Bestimmung!
Stanley Clarke verbrachte seine Schulzeit auf der „Levering Elementary“, der „Settlement Music School“ und der „Roxborough High School“. In dieser Zeit übte er wie besessen, um sich den Traum zu erfüllen, eines Tages im „Philadelphia Sinfonieorchester“ zu spielen. Gleichzeitig beschäftige er sich parallel aber auch mit Jazz.
Im zarten Alter von gerade einmal 15 Jahren hatte Stanley seinen ersten bezahlten Gig, als er vom Saxophonisten Byard Lancaster gebeten wurde, einige Shows in der „Landmark Showboat Lounge“ zu spielen, wo sonst Größen wie Miles Davis, John Coltrane, Art Blakey und Stan Getz auftraten. Seine Gage betrug 75,- Dollar – für den jungen Stanley enorm viel Geld! Der Gedanke, auf diese Weise seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, war für ihn daher verlockend und motivierend zugleich.
In Stanleys Highschool-Jahren wurden Bands wie The Beatles, The Rolling Stones und andere in den USA berühmt, was dazu führte, dass er sich ebenfalls für den E-Bass zu interessieren begann. Dies eröffnete natürlich noch einmal ganz andere Möglichkeiten in Sachen Bands und Gigs. So spielte Stanley unter anderem in Blues-, Country- und Top40-Bands.
Nach seinem Studium an der „Philadelphia Musical Academy“ zog er nach New York. Die Kunde von dem hochtalentierten neuen Bassisten mit der etwas schlaksigen Erscheinung machte schnell die Runde.
Es dauerte nicht lange, bis Stanley mit Jazzgrößen wie Horace Silver, Art Blakey, Dexter Gordon, Joe Henderson, Pharao Saunders, Gil Evans und Stan Getz spielte. Auf diesem Wege traf er abermals auf den Pianisten Chick Corea, mit dem er bereits in Philadelphia Kontakt gehabt hatte. Beide waren vom Talent und den Fähigkeiten des jeweils anderen begeistert und teilten die gleiche Vision eines musikalischen Projekts.

Warum war Return To Forever ein Meilenstein in der Karriere Stanley Clarkes?
„Return To Forever“ war ursprünglich der Titel eines Soloalbums von Chick Corea, auf dem Stanley Clarke Bass spielte. Bald wurde dies aber der Namen einer Band, in der auch Joe Farrell (Flöte, Saxophon), Airto Moreira (Schlagzeug, Percussion) und dessen Frau Flora Purim (Gesang) mitwirkten.
Spätere Mitglieder waren Mingo Lewis (Percussion), Bill Connors (Gitarre), Lenny White (Schlagzeug) und Al Di Meola (Gitarre). Die musikalische Richtung war eine energetische Mischung aus Jazz, Latin, Rock, Blues und anderen Elementen. Heute würde man diesen Stil wohl am ehesten noch als “Fusion” bezeichnen – ein Begriff, der jedoch in den 80er-Jahren stark gelitten hat.
Return To Forever (kurz RTF) waren ungemein erfolgreich. Die Auftritte glichen eher Rock- als Jazzkonzerten. Das gemeinsame Album „No Mystery“ gewann sogar einen Grammy. 1977 war dann nach weiteren Umbesetzungen aber Schluss: Chick Corea und Stanley Clarke widmeten sich vorerst ausgiebig ihren Solokarrieren. Erst 2008 kam es zu einer Reunion mit Konzerten in den USA und Europa, da alte Live-Mitschnitte von RTF auf YouTube beliebt wurden.
Wie verlief die Solokarriere von Stanley Clarke?
Spätestens seit Return To Forever war Stanley Clarke in der Musikszene als neuer Shooting Star bekannt. In der Folge kam das Plattenlabel „Emperor Records“ auf ihn zu und bot ihm einen Vertrag an.
Sein selbstbetiteltes Debütalbum aus dem Jahr 1974 und vor allem die Nachfolger „Journey To Love“ (1975) und „School Days“ (1976) setzten eine neue Messlatte für das, was auf dem Kontra- und E-Bass möglich war. Stanley spielte Grooves, Akkorde, Rhythmus-Gitarre, Perkussion, Soli und vieles mehr auf seinem Instrument und veränderte die Wahrnehmung des Basses und dessen Möglichkeiten für immer. Mit dem Song „School Days“ schuf er zudem eine der bekanntesten Basshymnen aller Zeiten.
Bis zum heutigen Tag veröffentlicht Stanley Clarke noch regelmäßig Alben unter seinen Namen, seit 2010 in einer festen Besetzung als The Stanley Clarke Band. Derzeit (Stand 2026) ist der 74jährige auch körperlich noch in der Lage, Konzerte auf der ganzen Welt zu geben – zum Glück, denn jeder Auftritt ist ein Erlebnis!
An welchen weiteren Projekten wirkte Stanley Clarke mit?
Natürlich suchte Stanley im Laufe seiner langen Karriere immer wieder Kooperationen mit anderen Musikern. An erster Stelle steht hier natürlich sein guter Freund George Duke. Clarke und den Ausnahme-Pianisten und Keyboarder verband musikalisch eine Art Seelenverwandtschaft. Die beiden veröffentlichten mit The Clarke/Duke Project drei Alben, die Jazz mit Pop und Rock vermischten. Der Song „Sweet Baby“ aus ihrem ersten Album (1981) bescherte ihnen sogar einen Top-20-Hit!
Unter den Namen „Animal Logic“ tat sich Stanley 1987 mit Police-Drummer Stuart Copeland und der Sängerin Deborah Holland zusammen. Zwei Alben und mehrere Singles wurden veröffentlicht, bevor man 1991 wieder getrennte Wege ging.
2005 rief Stanley die Acoustic Fusion Supergroup TRIO! ins Leben. Weitere Mitglieder waren der Banjo-Virtuose Bela Fleck und der Jazzgeiger Jean Luc Ponty. Laut wurde es dann im Jahr 2008, als Stanley mit Marcus Miller und Victor Wooten das Album „Thunder“ veröffentlichte.
Der Name war Programm, denn hier machten drei der bedeutendsten Bassisten der letzten 40 Jahre gemeinsame Sache und zeigten der Welt, wo der (Bass-)Hammer hängt. Natürlich folgte auch eine gemeinsame Tournee, die sehr erfolgreich war.
Weitere Kooperationen und Projekte von und mit Stanley Clarke sind derart zahlreich, dass ich hier nur ein paar Eckpfeiler als Stichpunkte aufführe – alles andere würde den Rahmen sprengen.
- The New Barbarians mit Keith Richards und Ronnie Wood
- Rite Of Strings mit Al Di Meola und Jean Luc Ponty
- Chick Corea & Lenny White
- Jeff Beck
- Jack DeJohnette
- „Superband“ mit Larry Carlton, Billy Cobham, Najee und Deron Johnson
- „Vertu“ mit Lenny White, Rachel Z, Karen Briggs und Ritchie Kotzen
- etc.
Ein enorm wichtiges Projekt ist aber auch die „Stanley Clarke Foundation“, welche Stanley zusammen mit seiner Frau Sofia betreibt. Mit dieser gemeinnützigen Organisation unterstützen die beiden jedes Jahr vielversprechende junge Musikerinnen und Musiker mit Stipendien.
Für welche Filmmusiken ist Stanley Clarke bekannt?
Mehr oder wieder zufällig fand Stanley im Laufe der Jahre eine zweite Leidenschaft: die Filmmusik. Aufgrund seiner Popularität wurde der Bassist Mitte der 80er-Jahre eingeladen, eine Episode der beliebten CBS-Show „Pee Wee’s Playhouse“ zu vertonen.
Dies hatte eine Emmy-Nominierung zur Folge – und Stanley entdeckt hier prompt eine neue Passion, die nun schon viele Jahre andauert. Als Komponist, Arrangeur und Dirigent für Kino und TV ist Stanley Clarke bis jetzt für ca. 70 Scores verantwortlich.
Zu den bekanntesten Filmen zählen „Boyz ‘N the Hood“, „What’s Love Got To Do With It?“, „The Transporter“, „Romeo Must Die“, „Passenger 57“, „Poetic Justice“, „Best Man Holiday“ usw. Zu den Früchten dieser Arbeit zählten drei Emmy-Nominierungen, eine Oscar-Nominierung und der „BMI Award“ für „Boyz ‘N the Hood“. Im Jahr 2014 wurde Stanley Clarke in die „Academy of Motion Picture Arts & Sciences“ aufgenommen.

(Bild: Kazimierz Jurewicz / Alamy Stock Photo)
Was zeichnet den musikalischen Stil von Stanley Clarke aus?
Stange Clarke ist ohne Frage einer der technisch versiertesten und virtuosesten Bassisten, die es je gegeben hat. Hier findet ihr einige der wichtigsten Stilmerkmale, die ich aus mehreren Transkriptionen Was zeichnet den musikalischen Stil von Stanley Clarke aus?gelernt habe:
- Klarer und differenzierter Hifi-Sound
- Anschlag nahe am Hals
- Bei Bedarf Drei-Finger-Anschlag, ähnlich einer klassischen Gitarre
- Viel Kraft/Attack
- Wenig Hammer-Ons und Pull-Offs, schlägt dem Großteil der Töne an
- Schnelle vertikale Läufe auf dem Griffbrett
- Viele pentatonische Motive und Melodien, bei Bedarf aber auch komplettes Register an Jazz-Tonmaterial
- Viele Powerchords (Grundton plus Quinte)
- Häufige Verwendung von Dezimen (gerne mit Leersaiten)
- Nutzt Physik des Instruments gerade bei Eigenkompositionen (Tonarten, Leersaiten, etc.)
- Strumming-Technik, um Akkorde anzuschlagen
- Häufige Verwendung von Flageoletts; gerne zusammen mit Pitch-Shifting-Effekten durch Herunterdrücken der Saite hinter dem Sattel
- Perkussive Slaptechnik mit vielen Deadnotes
- Flüssiger Wechsel zwischen Strumming und Slap
- Double Thumbing
Welches Equipment benutzt Stanley Clarke?
Einige von Stanley Clarkes Bässen sind für Soli, Akkorde etc. in der Tenor-Stimmung A-D-G-C gestimmt. Seine Alembic-Bässe besitzen separate Ausgänge für den Bridge- und den Neck-Pickup.
Beide Signale gehen in jeweils einen Alembic F-1X Preamp und von dort in einen Ampeg-Verstärker mit Stereo-Eingang. Das Signal des Bridge-Pickups wird bei Bedarf noch einmal zusätzlich durch einen kleinen Fender-Gitarrencombo geschickt, um für etwas Verzerrung zu sorgen.
Zu Stanleys weiterem Equipment gehört:
- Ca. 200 Jahre alter deutscher Kontrabass
- Kopie seines deutschen Kontrabasses
- Underwood Kontrabass-Pickup
- Alembic Series I Bässe
- Alembic Stanley Clarke Signature Bass
- Alembic F-1X Preamp
- Früher diverse SWR-Verstärker und -Boxen
- Heute: Je nach Bühnengröße diverse Ampeg-Verstärker und -Boxen
- Fender-Gitarrencombo
- Rodenberg 707 Clean Booster
- EBS Octaver
- EBS Reverb
- EBS Bass IQ Envelope Filter
- EBS Signature Acoustic Preamp 507014
- EBS Signature Wah Pedal
- etc.
Was für Auszeichnungen erhielt Stanley Clarke im Laufe der Jahre?
Hier nur ein kleiner Einblick in das, was man als Bassist so erreichen kann:
- Mehrere Gold- und Platinplatten
- Mehrere Grammy Awards
- Mehrere Emmy-Nominierungen für Filmmusik
- Jazzman des Jahres im „Rolling Stone Magazine“
- Playboy’s Music Award
- Lifetime Achievement Award des „Bass Player Magazin“
- Aufnahme in „Gallery of Greats“ des „Guitar Player Magazine“
- Mehrfach „Best Electric Bass Player“ im „Downbeat Magazine“
- Schlüssel zur Stadt Philadelphia
- Doktortitel der „Philadelphia University of the Arts“
- „Miles Davis Award“ für Lebenswerk
- etc.
Wir verneigen uns vor Stanley Clarke und seiner ebenso langjährigen wie vielfältigen Karriere!
Thomas Meinlschmidt





