Die Entwicklung von Stem-Separation lässt sich mit der Entwicklung von Timestretching gut vergleichen. Mit Hardware-Samplern der Neunziger dauerte das Stretchen eines simplen Drumloops oft noch die ganze Nacht! 1998 kam dann Sony Acid, gefolgt von Ableton Live 2001.

Diese DAWs machten das Timetretching in Echtzeit möglich! Die Soundqualität ließ zu wünschen übrig, doch der Anfang war gemacht. Mittlerweile beherrschen alle DJ-Softwares und DAWs die Manipulation von Tonhöhe und Zeit in hoher Qualität.
Stem-Separation hingegen ist gefühlt auf dem Stand von Ableton Live 1.0: Verblüffend effektiv und trotzdem noch voller Artefakte – aber selbst die können bekanntlich künstlerisch genutzt werden!
Inhaltsverzeichnis
- Welche Tracks eignen sich für Stem-Separation?
- Logic 11.2.2
- Ableton Live 12.3
- Serato Studio
- Zplane PEEL + PEEL STEMS
- iZotope RX 11
- Native Instruments Maschine 3
- Akai Pro MPC
- Hit ‘n Mix RipX
- LANDR
- Audioshake
- LALAL.AI
- Spleeter by Deezer
- Native Instruments Traktor Pro 4
- Serato Studio
- AlphaTheta rekordbox 7.2.9
- Virtual DJ
- djayPro
- Denon Engine DJ 4.2
- Zusammenfassung: Stem Separation
- Eine Übersicht: Features der Stem-Separation Tools 2026
Gang of Four & Status Quo
Beim Stemming hat sich inzwischen ein klarer Vierer-Standard etabliert: Die meisten DJ-Softwares und DAWs zerlegen Stereo-Files algorithmisch in Drums, Bass, Vocals und „Other“-Instrumente.
Den konzeptionellen Startpunkt setzte Native Instruments 2015 mit dem kommerziell wenig erfolgreichen STEMS-Format. Einen Technologiesprung lieferte Sony 2018 mit einem praxistauglichen Separation-Modell. 2019 öffnete Deezer die Stem-Trennung für den Massenmarkt.
Zur heutigen Reife geführt wurde das Verfahren durch Entwickler wie iZotope, Audionamix, Serato sowie Music.AI – deren Technologien inzwischen auch in Ableton (seit Version 12.3) integriert.
Charakteristisch für diese Systeme ist die Offline-Berechnung: Stereo-Signal wird vorab in vier oder mehr Stems zerlegt – mit hoher Qualität und ohne Echtzeitfähigkeit. Parallel dazu arbeitet zplane an Realtime-Separation, aktuell jedoch noch mit spürbarer Latenz.
Auch Hardware-Plattformen verfügen inzwischen über genügend Rechenleistung für Stem-Splitting, etwa aktuelle Systeme von Akai. DJ-Controller können Stems wiedergeben – die eigentliche Trennung erfolgt jedoch weiterhin in externer Software.
Wofür sind Stems gut?
Mal eben Vocals aus dem Lieblingstrack ziehen und in der eigenen Produktion verwenden: Das ist easy machbar – und genau deshalb schauen viele Künstler kritisch auf die Entwicklungen. Mit Stems ist es eben nun noch einfach geworden, Urheber- und Leistungsrechte zu verletzen. Lang lebe der Bootleg!

Auf der anderen Seite tun sich dank Stem-Technologie auch viele kreative und faszinierende Möglichkeiten auf:
- Restauration der eigenen Arbeit durch Zugriff auf alte Sounds: Eigene Tracks, die ohne moderne DAW direkt in Stereo aufgenommen oder gerendert wurden, können jetzt endlich auseinandergepflückt und neu abgemischt werden.
- Bereitstellung von Remix-Files: Sounds können dank Stem-Technologie aus den Stereo-Masters herausgezogen und für Remixes oder Live-Performances aufbereitet werden.
- Levels neu mischen: Ist der Gesang zu laut oder sind die Drums zu leise? Mit Stem-Separation kann man das oft fixen, ohne erneut ins Studio gehen zu müssen.
- Regrooven: Alte, untight gespielte Aufnahmen können dank Stems und z. B. Ableton Lives Warp-Technolgie endlich in den richtigen Groove gebracht werden.
- Übungsmaterial: Wie spielt der Drummer oder der Bassist seinen Part? Mit Stems lassen sich die Instrumententeile zum Üben und Nachspielen extrahieren.
- Sounddesign: Mit den separierten Synthesizern einer Aufnahme lassen sich die Sounds viel einfacher nachprogrammieren.
Welche Tracks eignen sich für Stem-Separation?
Stem-Separation kann man an jedem Musikstück ausprobieren. Viele Tools und Algorithmen bieten keine Einstellmöglichkeiten und somit wird es eh ne bunte Wundertüte, wie das Ergebnis am Ende klingt.
Generell lässt sich aber schon sagen, dass sich aufgeräumte, sauber produzierte Tracks natürlich sehr viel besser in Stems aufbrechen lassen als Stücke mit vielen Harmonischen wie verzerrte Gitarren, Flöten oder Glocken
Stem-Splitter kommen auch viel besser mit Stücken klar, in denen alle Elemente gut getuned sind. Starkes Übersprechen von Geräuschen hat mit der Qualität des Stem-Algorithmus ebenso viel zu tun wie das Ausgangsmaterial selbst.
Aus Gründen des Urheber- und Leistungsschutzrechts nutze ich für die Audiobeispiele einen lizenzfreien House-Track mit Gesang aus der Dose.
Womit erzeugt man Stems?
Es gibt drei große Gruppen: DAWs, Apps und Plugins, Online-Tools und DJ-Software. Alle haben ihre Vor-und-Nachteile und wir versuchen, euch einen Überblick über diesen sehr dynamischen Markt zu geben.

DAWs, Apps und Plugins
Fast jede DAW, die etwas auf sich hält, integriert mittlerweile Stem-Separation. Der Vorteil: Man kann meist ohne Umschweife direkt mit den Stems weiterarbeiten, ohne den Workflow zu ändern.
Logic 11.2.2
Logic 11 war die erste „klassische“ DAW mit Stem-Separation. Als Ableton-User sich gedulden mussten, waren Logic-User bereits begeistert von der neuen Wunderwaffe auf dem Desktop.

Mit Version 11.2.2 hat Logic nach wie vor die Nase vorn: In unserem House-Track-Test gelang hier eine überragend saubere Trennung zwischen Piano, Gitarre und den anderen Instrumenten. Viele andere Mitbewerber scheitern daran bislang noch.
Ableton Live 12.3
Die Berliner haben sich wie immer Zeit gelassen, bis mit Live 12.3 Stem-Separation kam, in dem der Algorithmus von Music.AI praxisnah eingebaut wurde. Lives Spalt-Algorithmus ist prinzipiell ein Bounce-in-Place auf Stereoiden, für die Ableton Live Software UND den standalone-controller Push 3.
Der Algorithmus funktioniert offline – mit relativ langer Rechenzeit – und erzeugt die üblichen Standardgruppen Vocals, Drum, Bass und Other. Ihr könnt hier allerdings auch nur selektierte Stems erstellen – also zum Beispiel nur Bass und Vocals. Ferner könnt ihr zwischen hoher Geschwindigkeit oder hoher Qualität wählen.

Anschließend wird der Original-Clip deaktiviert und eine neue Group mit entsprechenden Tracks kreiert, die direkt und ohne umständliches Importieren zur Verfügung stehen. Die Beatgrids des Stereotracks werden in allen erzeugten Stems übernommen, was sich ebenfalls in einem schnellen Workflow bemerkbar macht.
Dank Warp-Markern besteht die verlockende Möglichkeit, Ungenauigkeiten, zum Beispiel im Bass oder den Drums, ohne Umschweife zurechtzurücken. Der Ableton-Stem-Separation-Algorithmus scheint eine vernünftige Qualität zu haben: die Vocals klingen sauber, während die “Other”-Spur hingegen deutliche Artefakte der anderen Spuren aufweist. Die Bassspur klingt zunächst schön lebendig mit spürbaren Bass-Anteilen – verliert allerdings sobald der Snarewirbel reinblutet. Die Bassdrum in der Drumspur hat ordentlich Pfund, aber gegen Ende ebenfalls deutlich Bleed von der Vocalspur.
Serato Studio
Serato nutzt ein eigenes Stem-Separation-Modell mit Fokus auf knackige Transienten sowie DJ- und Remix-Tauglichkeit. Drums und Vocals weisen geringe Artefakte auf, weswegen sich Serato Studio gut für Musik wie Hip-Hop eignet, wo es auf Beats und Vocals ankommt. Freundlicherweise schreibt Serato beim Export gleich die BPMs und die Tonart ins File. Auch die Vocals unseres House-Tracks bringt Serato Studio ziemlich artefaktfrei zur Geltung.

Zplane PEEL + PEEL STEMS
Zplane lizensieren ihre SDKs wie Elastique (Timestretching) und STEMS an verschiedene Partner. Die eigenen Produkte PEEL und PEEL STEMS laufen als Plugin in der DAW und funktionieren in Realtime, aber mit hoher Latenz (ca. 1 Beat).
In PEEL könnt ihr musikalische Ereignisse isolieren, vorhören, mit externen Plugins bearbeiten und auf beliebige Spuren in der DAW routen. PEEL ist ein spezialisiertes Sounddesign-Tool, um zum Beispiel eine Snare in einem Drum-Loop zu isolieren und ihr etwas Hall zu geben.
Aber Zplane hat mit PEEL Stems auch ein geradliniges Stem-Separation-Plugin im Angebot. Hier können wir vier Gruppen (Drums, Bass, Vocal, other) mischen, muten, klanglich isolieren und als separate Outputs in die DAW routen, hier gezeigt am Beispiel von Ableton Live.
Natürlich kann man die entsprechende Spur auch in Live in-place bouncen – oder auch gleich den Ableton-eigenen Stem-Separation-Algorithmus verwenden, den es mittlerweile gibt.
PEEL ist mit der What-you-hear-is-what-you-get-Soundisolierung allerdings flexibler und daher eine gute Ergänzung für Sounddesigner.
Die Echtzeitfähigkeit ist derzeit das große Alleinstellungsmerkmal von Zplane und der nächste große Schritt in Sachen Stem-Separation


In unserem Audiobeispiel mit PEEL STEMS 1.0.3 hören wir, dass sich einige Vocals in die Instrumentenspur verirrt haben und auch Drums und Bass nicht so knackig klingen wie andere Mitbewerber. Als Echtzeit-Processing-Plugin kann PEEL sehr nützlich sein, während einige Mitbewerber in Sachen Stem-Separation schon deutlich besser und praktischer sind.
iZotope RX 11
RX ist ein hochwertiges Master- und Musikrestaurationstool, mit dessen „Musik Rebalance“-Feature ihr die Lautstärke der vier Gruppen (Drum, Bass, Vocals und andere Instrumente) neu mischen könnt. Dank Sensitivity-Regler könnt ihr sie außerdem von den anderen Gruppen abgrenzen.
Per „Stem Split“-Befehl erhaltet ihr vier weitere Tabs mit den gesplitteten Spuren, die ihr nun mit den fortschrittlichen Tools von RX 11 weiter optimieren könnt. Das erlaubt hochprofessionelles Arbeiten zu einem saftigen Preis von 1.449 Euro.
iZotope RX11 trennt die Drums dafür aber auch präzise aus dem House-Track. Sehr schön, wie die tiefe Bassdrum im Break den Puls setzt und die Reverse-Cymbal und Claps Crisp darüberspielen.
Die Bassspur zeigt die Kehrseite der guten Bassresponse im Drumtrack: Die Anteile der Kickdrum im Break sind deutlich zu hören. Auch sonst hat die Bassspur tiefe Frequenzen spürbar an die sehr gute Drum-Spur verloren. Der „Bleed“ hält sich dafür in akzeptablen Grenzen.
Der Instrumental-Stem offenbart trotz hoher Qualität die aktuellen Grenzen von Stem-Separation: Hohe Percussion- und Bassanteile sowie Gesangsfetzen suppen in die Spur hinein. Im Mix mit anderen Quellen ist das Ganze aber trotzdem brauchbar.
Der Vocal-Track erhält deutlich mehr „Bleed“ aus anderen Quellen, und das bei recht hoher Klangqualität. Die stillen Stellen bleiben fast unberührt.

Reine Stem-Separation ist hier eigentlich eher Beifang und auch der One-by-One-Exportprozess ist im Vergleich zu DAW-basierten Stem-Split-Lösungen etwas langwierig. iZotope gehört mittlerweile zu Native Instruments, sodass man dieselben Algorithmen auch in Maschine 3 und Traktor Pro 4 findet – in gefühlt geringerer Qualität, aber zum Bruchteil des Preises. Aktuell ist der Konzern zwar in der Insolvenz, aber das wird sicherlich nicht lange so bleiben.
Native Instruments Maschine 3
In Maschine 3 werkelt ebenfalls der iZotope-Algorithmus, allerdings liefert er nicht so gute Ergebnisse wie im iZotope-Flaggschiff: mehr Bleed in Vocals und Instrumental, weniger Wucht in Bass und Drums. Dafür ist der Stem-Separation-Workflow auf das bewährte Maschine-Konzept angepasst. Stem-Erstellung geht nur mit allen vieren auf einmal. Nach Abschluss erstellt Maschine automatisch eine neue Group.

Die ersten vier Pads enthalten jeweils einen Stem in einem eigenen Sampler. Die Stems werden auch als einzelne Samples im Maschine-Content-Ordner abgelegt, wo sie lokalisiert und weiter verwertet werden können, zum Beispiel in Maschine+. Stand-alone und ohne potente Computerunterstützung funktioniert Stem-Separation bei Maschine+ noch nicht und ob das nach der im Januar 2026 angekündigten Insolvenz von Native Instruments jemals passieren wird, steht noch in den Sternen.
Akai Pro MPC
Auf der MPC-Hardware kann man Stems nun auch berechnen, das MPC STEMS Add-ON macht es möglich. Die MPC 2 Desktop Software Version 2.14 nutzt den hochwertigen Zplane-Algorithmus. Auf der MPC-Groovebox-Systemen läuft hingegen ein effizienter programmierter Algorithmus, der zur Berechnung mehr als drei mal mehr Zeit benötigt, siehe Akai Website.
Auch die MPC-Hard-oder-Software erzeugt das klassische 4-Stem-Modell – entweder alle vier oder individuell nach Wahl. Der Fokus liegt auf Beat- und Hip-Hop-Tauglichkeit. Er klingt ähnlich gut wie Serato Studio, allerdings nicht so gut wie Logic 11.2.2 oder Ableton Live 12.3.
In diesem offiziellen Akai-Video erkärt Produktspezialist Andy Mac sehr eindrucksvoll und emotional, was mit Stems alles möglich ist.
Hit ‘n Mix RipX
RipX war eines der ersten Stem-Separation-Tools überhaupt und hat mit RipX DAW Pro 8 mittlerweile eine DAW am Start, die sich als „first AI DAW“ mit voller Kontrolle über Noten, Harmonien und Sound präsentiert. Sie geht damit weit über reine Stem-Separation hinaus.
RipX DAW bietet mehr als die üblichen vier Stems an und legt diese nach etwas Berechnung in einem Folder ab: Neben Drums, Bass, Voice und anderen Instrumenten separiert RipX auf Wunsch auch Piano und Gitarre – oder zumindest das, was es dafür hält.

Bei unserem Bonedo-House-Test-Track sind das einige Gitarren-Restbestände und ein letzter Piano-Ton ganz am Ende eines leeren Files, wie ihr in unserem Soundbeispielzusammenschnitt hören könnt. Kein Vergleich zu Logic 11.2.2. Auch andere Experimente mit RipX haben gezeigt, dass die Trennung zwischen other, Gitarre und Piano nur selten hilfreich ist und man in der Regel ohne „Separate Guitar & Piano“-zu besseren Ergebnissen kommt. Dafür erkennt RipX die Hall-Anteile auf dem Gesang sehr gut. Probiert das ruhig selbst mit eurer Musik aus, denn RipX DAW Pro kann man 21 Tage umsonst testen.
























