String Skipping lernen: Arpeggios, Pentatonik und Tapping Schritt für Schritt meistern

String Skipping lernen lohnt sich für alle Gitarristen, die große Intervallsprünge, schnelle Arpeggios und moderne Rock-Licks sauber und kontrolliert spielen möchten. Bekannt wurde die Technik vor allem durch Player wie Paul Gilbert, Eric Johnson, Nuno Bettencourt oder Shawn Lane, und später von Virtuosen wie Guthrie Govan weiterentwickelt. Der Name ist dabei Programm: Beim String Skipping werden gezielt Saiten übersprungen, wodurch melodisch spannende Linien entstehen, die mit klassischer Spielweise nur schwer umzusetzen wären. Gleichzeitig stellt die Technik hohe Anforderungen an Picking, Legato, Dämpfung und Koordination. Wir zeigen euch, wie ihr String Skipping effektiv und musikalisch sinnvoll übt!

String Skipping Workshop Gitarre
Credits: Shutterstock / sergey kolesnikov

Quick Facts

  • Was ist String Skipping? String Skipping ist eine Gitarrentechnik, bei der gezielt Saiten übersprungen werden, um größere Intervallsprünge, moderne Licks und ungewöhnliche melodische Linien zu erzeugen.
  • Wofür eignet sich String Skipping? Die Technik funktioniert besonders gut bei Arpeggios und Pentatonik-Runs und lässt sich gut mit Tapping kombinieren.
  • Welche Gitarristen nutzen String Skipping? Bekannte Vertreter sind unter anderem Paul Gilbert, Eric Johnson, Nuno Bettencourt, Shawn Lane, John Petrucci und Guthrie Govan.
  • Was ist beim Üben wichtig? Achtet besonders auf Kontrolle, Timing und eine saubere Dämpfung der übersprungenen Saiten.

String Skipping Grundlagen: Warum Arpeggios und Pentatonik besonders gut funktionieren

Natürlich kann man – ganz unabhängig davon, ob man Skalenläufe oder bestimmte Licks spielt – irgendwelche Saiten überspringen, um auf unorthodoxe Sounds zu kommen. Besonders gut klingt die Technik jedoch bei bekannten melodischen Strukturen, die ohnehin schon gewisse Intervallsprünge in sich tragen, und das sind beispielsweise Arpeggios oder Pentatoniken. 

String Skipping bei Arpeggios: Die Alternative zu Sweep Picking und Economy Picking

Bei Drei- oder Vierklangsarpeggios stellt sich das technische Problem, dass man in der Regel nur ein oder zwei Töne pro Saite zur Verfügung hat, was sowohl die Wechselschlagtechnik als auch das Legatospiel extrem erschwert. Viele Gitarristen weichen aus diesem Grund für das Arpeggiospiel auf die Sweep-Picking- oder Economy-Picking-Technik aus, die wiederum andere Einschränkungen und auch einen speziellen Sound mit sich bringt. Gerade für Guthrie Govan und Paul Gilbert waren diese beiden Punkte entscheidend, eine alternative Technik für das Spiel von Akkordzerlegungen hinzuzunehmen, die eventuelle Nachteile des Sweepens geschickt umschifft.

Warum String Skipping bei Pentatonik-Licks so gut funktioniert

Beim Spiel mit der Pentatonik ist das Problem ähnlich gelagert. Da man in den CAGED-Standardfingersätzen jeweils nur zwei Töne pro Saite benötigt, erweist sich das Spielen von lang angelegten Skalenläufen als schwierig. Gitarristen wie Zakk Wylde oder Greg Howe fassen daher gerne zwei Pentatonik-Pattern zusammen, um mithilfe von Stretchpentatoniken die beliebten “Three-Note-Per-String”-Runs umsetzen zu können. Möchte man dies jedoch über alle sechs Saiten anwenden, wird man zwangsläufig bei einem Pattern landen, das sich diagonal über das halbe Griffbrett erstreckt und innerhalb einer Lage so nicht spielbar ist. Auch hier kann String Skipping zumindest ein Stück weit Abhilfe schaffen.

String Skipping-Vorübungen: Wechselschlag, Legato und saubere Dämpfung

Um uns der Technik anzunähern, stelle ich euch hier zwei kleine Übungen aus der Am-Pentatonik vor, die ihr sowohl mit Wechselschlag als auch legato probieren solltet. Spielt diese Übungen zunächst clean und später mit einem High-Gain-Sound und geht dabei nicht zu sparsam mit Verzerrung um, denn die deckt ziemlich schonungslos auf, ob ihr die leeren, geskippten Saiten richtig abgedämpft habt! Ihr hört die Beispiele zunächst mit konsequentem Wechselschlag und anschließend legato.

Übung 1

Übung 1 Wechselschlag
Übung 1 Wechselschlag
Audio Samples
0:00
Übung 1

Übung 2

Übung 2 Legato
Übung 2 Legato
Audio Samples
0:00
Übung 2

String Skipping mit Dreiklang-Arpeggios: Dur, Moll und Vermindert richtig einsetzen

Kommen wir nun zum Spiel mit Arpeggios, genauer gesagt, dem Spiel von Dreiklängen. In der Dur-Tonleiter finden wir drei diatonische Strukturen, nämlich Dur, Moll und Vermindert. Der übermäßige Dreiklang fehlt im ionischen System und soll für die folgenden Übungen auch erst einmal ausgeklammert werden, wobei die Erhöhung der Quinte im Dur-Dreiklang auch kein allzu schwerer Transfer mehr ist. Für die String Skipping-Technik erweisen sich vor allem die Grundstellungen mit Grundton auf A- und D-Saite als besonders praktikabel.

Dur-Dreiklang:

Dur-Dreiklang
Dur-Dreiklang
Audio Samples
0:00
Dur-Dreiklang

Moll-Dreiklang:

Moll-Dreiklang
Moll-Dreiklang
Audio Samples
0:00
Moll-Dreiklang

Verminderter Dreiklang:

Verminderter Dreiklang
Verminderter Dreiklang
Audio Samples
0:00
Verminderter Dreiklang

Dreiklang-Arpeggios mit String Skipping flexibel sequenzieren

Nun kann man diese Dreiklänge natürlich ganz schlicht auf- und abwärts spielen. Allerdings, und das ist der Vorteil gegenüber dem Sweep-Picking, können die Arpeggiotöne dabei auch in beliebiger Reihenfolge und in Sequenzen angeordnet werden. Hier ist ein Beispiel dazu mit allen Akkordgeschlechtern. Ihr hört die Arpeggios zuerst langsam und dann in höherem Tempo:

Arpeggios
Arpeggios
Audio Samples
0:00
Arpeggios

Hier findet ihr eine kleine Etüde in C-Dur, bei der ihr alle Dreiklangstypen anwenden könnt. Die Akkordprogression lautet:
|| C | Am | F | G B0 ||

C-Dur Etüde
C-Dur Etüde
Audio Samples
0:00
Etüde C-Dur Etüde C-Dur Playback

String Skipping-Arpeggios erweitern: Lower-Structures und Upper-Structures

Nun mag es für den einen oder anderen sehr mager wirken, dass wir für jeden Akkordtyp nur jeweils eine Arpeggio-Umkehrung mit Grundton auf A- und D-Saite zur Verfügung haben, aber das ist natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss, denn jede Akkordstufe besteht aus sogenannten Lower- und Upper-Structures.

Betrachten wir z. B. einen Cmaj7-Akkord, so sehen wir, dass die Töne dieses Vierklangs (c e g b) aus einem C-Dur-Dreiklang (c e g) und einem Em-Dreiklang (e g b) bestehen. Das bedeutet, dass ich, um den Akkordtypus des maj7-Klangs auszudrücken, den Dur-Akkord auf der ersten Stufe und den Moll-Akkord auf der dritten Stufe zur Verfügung habe. 

Doch das Spiel kann noch weiter getrieben werden: Was passiert, wenn ich noch eine Terzschichtung obendrauf packe? Ich lande bei einem Cmaj9-Akkord, bestehend aus den Tönen c e g b d. Nun habe ich sogar drei Dreiklänge, die ich über diese Harmonie spielen kann, nämlich C-Dur, Em und G-Dur usw.

Hier findet ihr eine Übersicht über gängige Dreiklang-Kombinationen: 

AkkordtypOberstrukturIn relativen Stufen
Cmaj7 ionischC, Em, G, AmI, IIIm, V, Vim
Fmaj7 lydischF, Am, C, Em, G, DmI, IIIm, V, VIIm, II, VIm
Dm7 dorischDm, F, Am, C, Em, GIm, III, Vm, VII, IIm, IV
Am7 aeolischAm, C, Em, GIm, III, Vm, VII
G7 mixolydischG, Bdim, Dm, EmI, IIIdim,Vm, VIm

Nun liegt es an euch, kreativ die obigen Dreiklänge miteinander zu kombinieren.
Hier ein Beispiel meinerseits für ein String-Skipping-Lick über Em unter Verwendung von Lower- und Upperstructures. Ich kombiniere hierbei ein G-Dur-, Bm- und Em-Arpeggio:

String-Skipping-Lick
String-Skipping-Lick
Audio Samples
0:00
String-Skipping-Lick

String Skipping Pentatonik: Imposante Licks mit einfachen Stretch-Patterns

Kommen wir nun zur Pentatonik. Hier lassen sich durch die Kombination aus Stretchpentatonik und dem Überspringen von Saiten tolle Lines kreieren, die wesentlich imposanter klingen, als sie eigentlich sind. Das Prinzip ist dasselbe: Ich spiele drei Töne pro Saite, überspringe die nächsthöhere Saite, spiele wieder drei Töne usw. Dieses Vorgehen zieht notwendigerweise die Konsequenz nach sich, dass jeweils eine Note in der Pentatonik ausgelassen werden muss, um das Prinzip durchhalten zu können. Hier findet ihr ein Beispiel für die Gm-Pentatonik in der 10. Lage mit dem Grundton auf der A-Saite. Diese Struktur solltet ihr aber natürlich auch mit Grundton auf der E-Saite und in jeweils allen fünf Pattern und Tonarten üben:

Gm-Pentatonik
Gm-Pentatonik
Audio Samples
0:00
Gm-Pentatonik in der 10. Lage

String Skipping Variation: Licks verlängern und Saitenwechsel entschärfen

Als Variation könnt ihr natürlich auf jeder Saite noch eine „Extrarunde“ drehen, um das Lick zu verlängern. Das macht das Spielen der Phrase auch etwas einfacher, da die Saitenwechsel nicht so schnell daherkommen:

Variation
Variation
Audio Samples
0:00
Gm-Pentatonik in der 10. Lage Variation

Horizontale String-Skipping-Licks mit Pentatonik-Patterns

Die obigen Beispiele waren vertikale Ausführungen, aber es gibt auch lineare bzw. horizontale Varianten, um pentatonische Licks abzufeuern. Hierzu knöpft man sich ein nicht benachbartes Saitenpaar vor und spielt die Phrase durch die Pentatonik-Pattern.


Hier einige Beispiele mit Lagenwechsel auf der tieferen Saite:

Lagenwechsel auf der tieferen Saite
Lagenwechsel auf der tieferen Saite
Audio Samples
0:00
Lagenwechsel auf der tieferen Saite

Und ein Beispiel mit dem Lagenwechsel auf der höheren Saite:

Lagenwechsel auf der höheren Saite
Lagenwechsel auf der höheren Saite
Audio Samples
0:00
Lagenwechsel auf der höheren Saite

String Skipping mit Tapping kombinieren: Moderne Arpeggio- und Pentatonik-Shapes

Nun geht es um Arpeggio- bzw. Pentatonik-Shapes, die das String Skipping mit Tapping verknüpfen, eine Technik, die man bei vielen modernen Playern, allen voran Guthrie Govan, regelmäßig beobachten kann. Beim Erlernen der Fingersätze solltet ihr zwei Punkte besonders beachten:

1. Prägt euch den Fingersatz der Greif- und der Tap-Hand separat ein und lernt, welche Funktionstöne von welcher Hand gespielt werden. Da die Tap-Hand in den folgenden Arpeggio-Shapes immer Quinte, Terz und Grundton spielt, sind die Fingerings dieser Hand für maj7 und Dominant 7 identisch.

2. Eine besondere Herausforderung trifft den Zeigefinger der Greifhand, der nämlich sogenannte „Tappings from Nowhere“ ausführen, also “aus der Luft” auf die Saite klopfen muss. Da dieser Finger es in der Regel nicht gewohnt ist, Hammer-On-Bewegungen auszuführen, solltet ihr genau das erst einmal separat üben und darauf achten, dass er die gleiche Kraft wie die restlichen Finger entwickelt.

String Skipping-Tapping: Vierklang-Arpeggios sicher kombinieren

Hier findet ihr eine Übersicht über die gängigen Vierklang-Arpeggio-Shapes, die ihr zunächst einzeln auswendig beherrschen solltet:

• Major 7

Audio Samples
0:00
Major 7

• Dominant 7

Audio Samples
0:00
Dominant 7

• Moll 7

Audio Samples
0:00
Moll 7

• Halbvermindert

Audio Samples
0:00
Halbvermindert

• Vollvermindert

Audio Samples
0:00
Vollvermindert

Nun lassen sich auch hier Phrasen bilden, bei denen man zwei oder mehrere Arpeggio-Shapes miteinander kombiniert, so wie wir es bereits mit den Dreiklang-Arpeggios (Punkt 2) getan haben:

Arpeggio-Shapes miteinander kombiniert
Arpeggio-Shapes miteinander kombiniert
Audio Samples
0:00
Arpeggio-Shapes miteinander kombiniert

String Skipping Tapping: Stretchpentatonik-Shapes kontrolliert spielen

Für die Pentatonik gilt das gleiche Prinzip, allerdings kommt für die Greifhand ein weiterer Ton hinzu, sodass wir bei einem Stretchpentatonik-Pattern landen. So klingt Pattern 1 der Gm-Pentatonik in der 10. Lage mit Grundton auf der A-Saite.

Pattern 1 der Gm-Pentatonik in der 10. Lage
Pattern 1 der Gm-Pentatonik in der 10. Lage
Audio Samples
0:00
Gm-Pentatonik in der 10. Lage mit Grundton auf der a-Saite

Natürlich müssen wir auch hier alle anderen Shapes einüben, allerdings würde ich diese Phrasen nicht unterhalb des 5. Bundes spielen, da hier einiges an Dehnarbeit anfällt. Am sinnvollsten erscheint es, in den hohen Lagen zu beginnen und sich langsam nach unten vorzuarbeiten. Hier findet ihr eine Übersicht über alle fünf Pentatonik-Shapes:

Übersicht über alle fünf Pentatonikshapes
Übersicht über alle fünf Pentatonikshapes

Fazit

Damit sind wir am Ende unseres Workshops zum Thema String Skipping angelangt.
Versucht, diese Übungen akkurat und zu Beginn mit einem Tempo zu spielen, bei dem ihr das Gefühl habt, noch vollkommene Kontrolle über die Phrasen zu besitzen.
Mein Tipp: Bleibt dann jeweils eine Woche bei einem Tempo und steigert euch in Zehner-BPM-Schritten, bis ihr euch eurer persönlichen Zielgeschwindigkeit annähert. Wenn ihr euch halbwegs fit fühlt, solltet ihr alles zu einem Playback spielen, um den Sound im Kontext kennenzulernen und ein Gespür für die Klangästhetik zu bekommen. Gutes Gelingen und viel Spaß dabei!

Hot or Not
?
string_skipping_lernen_workshop_gitarre Bild

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

Kommentieren
Profilbild von MG

MG sagt:

#1 - 02.11.2020 um 07:51 Uhr

0

Toller Artikel, der mich wieder inspiriert hat. Besten Dank Haiko!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bonedo YouTube
  • More Gretsch Than Tele? | Fender 75th Anniversary Cabronita Telecaster | Sound Demo
  • This Tele Sounds Like a Gretsch?!
  • Orange Baby Terror | Tiny Amp, Big Orange Tone? | Sound Demo