Test: Harley Benton MV-4P Daphne Blue – Precision-Bass zum Budgetpreis

Der Markt für Precision-Bässe ist mittlerweile kaum noch zu überblicken. Vom sensationell günstigen Einsteigerinstrument bis hin zum edlen Custom-Shop-Modell ist alles vertreten – entsprechend groß ist die Auswahl. Wer allerdings nicht allzu tief in die Tasche greifen möchte, sei es als Anfänger, Gitarrist auf Bass-Abwegen oder einfach als Zweitinstrument für den Proberaum, landet früher oder später bei Harley Benton. Die Eigenmarke von Thomann hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, wenn es um viel Gegenwert fürs Geld geht – insbesondere die Deluxe- und Vintage-Serien erfreuen sich großer Beliebtheit.

Test: Harley Benton MV-4P Daphne Blue

Mit dem MV-4P Daphne Blue schickt Harley Benton einen klassischen Preci mit zeitgemäßen Features ins Rennen, der optisch stark an die Sechzigerjahre angelehnt ist. Der Bass kommt mit einem Erlekorpus, einem geschraubten Hals aus geröstetem Ahorn mit Lorbeergriffbrett samt Perloid-Blocks und floureszierenden Dots, bestückt mit einem traditionellen Alnico-5-Split-Coil-Pickup und passiver Elektronik. Das frische Daphne-Blue-Finish samt Matching Headstock rundet den stimmigen Retro-Look schließlich ab. Ob der MV-4P Daphne Blue mehr kann als nur gut aussehen – und vor allem, wie er klingt –, finden wir im folgenden Test heraus.

Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • klassischer Preci-Sound mit moderner Note
  • gelungene Retro-Optik
  • sehr umfangreiche Ausstattung
  • guter Spielkomfort, nicht kopflastig
  • hervorragendes Setup ab Werk
  • überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
Contra
  • keins

Harley Benton MV-4P Daphne Blue – das Wichtigste in Kürze

  • Klassischer Budget-Precision-Bass mit modernen Features
  • Erlekorpus mit Daphne Blue Lackierung 
  • Hals aus karamellisierten Bergahorn mit Lorbeergriffbrett
  • cremefariges Binding, Perloid-Block-Inlays und fluoreszierende Seitenmarkierungen
  • HBZ-Custom Wound VPB Alnico 5 Split-Coil-Pickup
  • passive Elektronik, Volume/Tone
  • Sung Il WB401CR Brücke mit Messingreitern
  • Druckgussmechaniken im Vintage-Stil
  • D’Addario EXL165 .045 – .105 Saiten

Coole Retro-Optik

Der Harley Benton MV-4P ist wirklich eine Schönheit und hat optisch einiges zu bieten: eine poppige Lackierung in Daphne Blue samt Matching Headstock, ein Parchment-Pickguard und ein eingefasstes Griffbrett mit markanten Perloid-Block-Inlays – der coole 60er-Jahre-Look holt mich persönlich sofort ab. Auch die anderen erhältlichen Variationen „Seafoam Green“, Burgundy Mist“ und das schlichte „Black“ stehen dem MV-4P gut – da fällt die Wahl nicht leicht. Noch interessanter als die Farben sind allerdings die Features unter der Haube, denn Harley Benton verpasst dem an sich klassischen Precision-Bass einige Modernisierungsmaßnahmen, die in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich sind.

Der MV-4P Daphne Blue hat eine poppige Lackierung in Daphne Blue samt Matching Headstock.

Bewährte Zutaten in guter Qualität

Das Kernstück des Budget-Preci ist ein Korpus aus altbewährter Erle, der natürlich in der klassischen Precision-Bass-Form gehalten ist. Dieser wurde im schicken Daphne Blue lackiert und mit einem passenden, dreilagigen Parchment-Pickguard versehen. Sogar ein Thumbrest unterhalb der G-Saite wie bei den Exemplaren aus den 60er-Jahren ist verbaut – Vintage-Fans kommen also voll auf ihre Kosten. In der Praxis dürfte das Teil bei einigen Spieltechniken allerdings eher stören und wird von vielen vermutlich früher oder später demontiert. Der Hals hat es in sich und bietet einige zeitgemäße Features, über die man in dieser Preisklasse wirklich staunt. Das fängt schon beim verwendeten Holz an: Er besteht aus karamellisiertem Bergahorn, also thermisch behandeltem Holz, welches dadurch stabiler und widerstandsfähiger gegenüber äußeren Einflüssen wird. Nebenbei sieht der im Vergleich zu unbehandeltem Ahorn dunklere Ton auch einfach richtig gut aus.

Gibt es Besonderheiten am MV-4P?

Das Griffbrett besteht aus Lorbeerholz und ist mit einer cremefarbenen Einfassung versehen. Neben den 20 Neusilberbünden sitzen große Block-Inlays im Griffbrett, die den Vintage-Look des Precis perfekt machen. Harley Benton legt aber noch einen drauf und spendiert dem MV-4P zusätzlich fluoreszierende Punkte an der Flanke: Die Lagenmarkierungen leuchten im Dunkeln und erleichtern so die Orientierung auf dunklen Bühnen – ein Feature, das man sonst eher bei deutlich teureren Bässen findet.

Ebenfalls selten in dieser Preisklasse ist das praktische Einstellrad für den Zweiwege-Halsspannstab am Griffbrettende. Mit dem mitgelieferten Tool lässt sich der Hals damit sehr komfortabel justieren. Der Trussrod wurde von hinten eingesetzt, was der sogenannte Skunk Stripe aus Roseacer – also der Verschluss des Kanals – auf der Rückseite des Halses verrät.

Ab Werk ist der MV-4P mit D’Addario-Nickelsaiten ausgestattet.
Ab Werk ist der MV-4P mit D’Addario-Nickelsaiten ausgestattet.

Auch bei den Saiten wurde nicht gespart

Auch bei den Saiten spart Harley Benton nicht: Ab Werk ist der MV-4P mit D’Addario-Nickelsaiten (EXL165, .045–.105) bespannt, die im Einzelhandel allein schon mit rund 20 € zu Buche schlagen.

Die besagten Saiten laufen über einen Graphitsattel zur klassisch gehaltenen Kopfplatte, die vier leichte, offene Druckgussmechaniken sowie einen breiten Saitenniederhalter für die A-, D- und G-Saite beherbergt – wie man ihn beispielsweise auch von Sandberg-Bässen kennt.

Die Brücke auf dem Korpus hört auf den sperrigen Namen Sung Il WB401CR und ist im Grunde eine typische Vintage-Winkelkonstruktion mit Einstellmöglichkeiten für Intonation und Saitenlage. Die Reiter bestehen allerdings aus Messing, was der Bridge eine etwas hochwertigere Anmutung verleiht.

Split-Coil-Pickup wie es sich für einen Preci gehört

Die Tonabnehmer- und Elektronikausstattung ist schnell beschrieben: Selbstverständlich kommt ein Preci-typischer Split-Coil-Pickup mit Alnico-5-Magneten (HBZ Custom Wound VPB) zum Einsatz, kombiniert mit einer rein passiven Elektronik, die über einen Lautstärkeregler und eine Tonblende bedient wird. Die beiden Potis sind statt mit großen Domeknöpfen mit einfachen Kunststoffknöpfen bestückt – kann man bei Bedarf ja problemlos und günstig austauschen, wenn man den typischen Preci-Look will. 

Fotostrecke: 5 Bilder Preci-typisch: Split-Coil-Pickup mit Alnico-5-Magneten (HBZ Custom Wound VPB), kombiniert mit einer rein passiven Elektronik.

Kann die Ausstattung des MV-4P überzeugen?

Wie man an der Beschreibung sieht, ist die Ausstattung für einen Bass in dieser Preisklasse erstaunlich hochwertig – viele der Features findet man normalerweise erst bei deutlich teureren Instrumenten. Darüber hinaus gibt es auch an der Verarbeitung nichts zu beanstanden. Der Hals sitzt extrem passgenau in der Halstasche und die Lackierung ist absolut in Ordnung, auch wenn sie an manchen Kanten nicht zu 100 % perfekt ausgeführt ist. Die Bundierung erlaubt zudem eine sehr niedrige Saitenlage, was für eine saubere Abrichtung spricht. Wenn ich mit der Pistole auf der Brust irgendetwas kritisieren müsste, dann vielleicht die Stimmmechaniken. Sie haben etwas Spiel und arbeiten nicht sonderlich präzise, auch wenn sie die Stimmung am Ende zuverlässig halten. Wirklich fair ist das allerdings nicht – gemessen am Preis des Basses gehen die Tuner absolut in Ordnung. 

Die Stimmmechaniken haben etwas Spiel und arbeiten nicht sonderlich präzise, auch wenn sie die Stimmung am Ende zuverlässig halten.
Die Stimmmechaniken haben etwas Spiel und arbeiten nicht sonderlich präzise, auch wenn sie die Stimmung am Ende zuverlässig halten.

Wie gut lässt sich der Harley Benton MV-4P bespielen?

Der Harley Benton MV-4P Daphne Blue macht optisch nicht den Eindruck eines Budget-Basses – und er fühlt sich in der Tat auch nicht so an. Dafür ist vor allem der wirklich komfortable Hals verantwortlich. Auf dem Halsrücken sind keinerlei Unebenheiten zu spüren, zudem wurde er mit einem sehr dezenten, matten Finish behandelt, das sich wunderbar seidig anfühlt.

Auch die Halsmaße sind sehr gelungen, sodass sich der Viersaiter wirklich kinderleicht spielen lässt. Wir haben es hier nicht mit einem fetten Preci-Hals zu tun: Die Sattelbreite beträgt Jazzbass-typische 38 mm und das Profil wird von Harley Benton als „Soft D“ angegeben. Es fühlt sich etwas rundlicher und minimal kräftiger an als bei einem klassischen Jazzbass, liegt aber sehr gut in der Hand und dürfte auch für Jazzbass-Fans absolut passen.

Out of the box optimal eingestellt

Regelrecht begeistert war ich vom Setup, mit dem der Bass bei mir ankam. Gerade bei Budget-Instrumenten ist man ja auf alles vorbereitet und stellt sich mental schon auf Einstellorgien ein – hier war das überhaupt nicht nötig. Die Halskrümmung war perfekt eingestellt, die Saitenlage angenehm flach und selbst die Sattelkerben waren sauber, gleichmäßig und ausreichend tief gefeilt – ein Detail, das oft vernachlässigt wird.

Zum Test habe ich die Saiten dann noch etwa einen halben Millimeter tiefer gelegt, um zu schauen, was die Bundierung hergibt. Kein Problem: Der Budget-Preci lässt sich bei Bedarf auch mit einer fast boutique-mäßigen Saitenlage von rund 1,5 mm ohne Scheppern spielen – wirklich respektabel! Mir ist natürlich klar, dass es bei Setup und Bundierung innerhalb der Serie gewisse Streuungen geben kann. Trotzdem wollte ich nicht unerwähnt lassen, dass es eben auch solche Exemplare gibt.

Auch beim Gewicht stimmt alles: Mit ziemlich genau 4 kg liegt der Viersaiter absolut im grünen Bereich. Und die leichten Stimmmechaniken zeigen Wirkung – der Bass ist nämlich nicht kopflastig, was für einen klassisch konstruierten Budget-Bass im Fender-Stil durchaus bemerkenswert ist. Bleibt also nur noch die entscheidende Frage: Wie schlägt sich der günstige Preci klanglich? Das klären wir im folgenden Abschnitt anhand einiger Audiobeispiele, für die ich den Harley Benton MV-4P wie immer ohne zusätzliches Equipment aufgenommen habe. 

Kommt der Sound an das Original heran?

Wie man im ersten Beispiel mit voll geöffneter Tonblende hören kann, liefert der Harley Benton MV-4P Daphne Blue den wunderbar knurrigen Sound, für den der Precision-Bass bekannt ist. Er hat ein solides Fundament, präsente Mitten und einen für Preci-Verhältnisse recht ausgeprägten Höhenbereich, wodurch er eine Spur offener und moderner klingt als viele klassische Vertreter seiner Gattung.

Der Bass spricht außerdem schnell an, zeigt keine auffälligen Deadspots und wirkt für ein Instrument dieser Preisklasse bemerkenswert ausgewogen über alle Lagen hinweg.

Audio Samples
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Ton-Regler: 100%

Die Tonblende bietet einen erfreulich großen Regelbereich und damit entsprechend viele Klangvariationen. Im nächsten Beispiel hört ihr das andere Ende des Spektrums: Die Blende ist komplett zugedreht. Das Ergebnis ist ein wunderbar warmer Vintage-Sound, der sich bestens für Soul, R&B oder verwandte Genres eignet. 

Für den Slap-Sound habe ich die Höhen mit der Tonblende etwas entschärft (ca. 60 %), damit sich die Pops organischer ins Klangbild einfügen.

Audio Samples
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Ton-Regler: geschlossen Ton-Regler: 60%, Slapping

Variable Sounds bis hin zu Metal

Die starken Höhen des MV-4P wirken sich auf den Pick-Sound durchaus positiv aus. Die Attacks treten in den Vordergrund und der Sound wirkt insgesamt sehr perkussiv und lebendig. Die Tonblende war bei der Aufnahme zu 100% auf. 

Audio Samples
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Ton-Regler: offen, Plektrum

Rock und Metal kann der Budget-Preci mit seinem soliden, breiten Sound natürlich ebenfalls. Im letzten Beispiel habe ich den blauen Schönling durch die Zerre geschickt – das Ergebnis kann sich absolut hören lassen!

Audio Samples
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Ton-Regler: offen, Distortion

Was sind die Alternativen zum Harley Benton MV-4P Daphne Blue Bass?

Features Harley Benton MV-4P Daphne Blue Squier Sonic Precision California BL Markbass MB YELLOW PB
Mensur 34″ 34″ 34″
Elektronik Passiv, Volume/Tone Passiv, Volume/Tone Passiv, Volume/Tone
Tonabnehmer HBZ-Custom Wound VPB Alnico 5 Split-Coil Ceramic Split Coil P-Style Split-Coil
Korpus Erle Pappel Pappel
Hals Geschraubter Hals aus karamellisiertem kanadischem Bergahorn mit Roseacer Skunk Stripe,
Lorbeergriffbrett
Geschraubter Hals aus Ahorn,
Ahorngriffbrett
Geschraubter Hals aus Ahorn,
Lorbeergriffbrett
Sonstiges Perloid Block Griffbretteinlagen und fluoreszierende Seitenmarkierungen, cremefarbenes Binding, D’Addario-Saiten Inklusive Tasche und Gurt
Preis 229,- € 195,- € 279,- €
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Fazit

Der Harley Benton MV-4P Daphne Blue ist weit mehr als nur ein günstiger Einstieg in die Precision-Welt. Er punktet mit einer wirklich gelungenen Retro-Optik und einer für diese Preisklasse erstaunlich umfangreichen Ausstattung. Features wie der geröstete Ahornhals, fluoreszierende Side Dots oder das praktische Trussrod-Einstellrad sind in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich und zeigen, dass Harley Benton bei der Entwicklung weitergedacht hat. Auch in der Praxis weiß der Bass zu überzeugen: Klanglich liefert er den typischen Preci-Sound mit viel Druck, guter Definition und einer leicht offenen, modernen Note. 

Gleichzeitig liegt die Bespielbarkeit dank des komfortablen Halses und des hervorragenden Setups auf einem überraschend hohen Niveau. Verarbeitung und Gesamtanmutung bewegen sich ebenfalls deutlich über dem, was man in dieser Preisklasse erwarten würde. Unterm Strich bekommt man hier ein Instrument, mit dem man nicht nur als Anfänger glücklich wird – ich würde mit diesem Bass ohne Zögern auch auf die Bühne gehen. Angesichts der gebotenen Ausstattung, der soliden Verarbeitung und des überzeugenden Sounds ist das Preis-Leistungs-Verhältnis schlichtweg überragend.

Viel Preci fürs Geld: Der Harley Benton MV-4P punktet mit starkem Sound, guter Bespielbarkeit und überraschend umfangreicher Ausstattung.
Viel Preci fürs Geld: Der Harley Benton MV-4P punktet mit starkem Sound, guter Bespielbarkeit und überraschend umfangreicher Ausstattung.
  • Hersteller: Harley Benton
  • Modelle: MV-4P Daphne Blue, Deluxe Series
  • Mensur: 34“ (Long Scale)
  • Korpus: Erle, Daphne Blue Hochglanzlackierung, 3-lagiges Parchment Schlagbrett
  • Hals: geschraubt, karamellisierter kanadischer Bergahorn mit Roseacer Skunk Stripe, Lorbeergriffbrett, 20 Neusilber-Bünde, Perloid Block Griffbretteinlagen und fluoriszierende Seitenmarkierungen, Binding in creme, Graphitsattel 38 mm
  • Tonabnehmer: HBZ-Custom Wound VPB Alnico 5 Split-Coil
  • Elektronik: passiv, Volume-Regler, Tonblende
  • Hardware: Sung Il WB401CR Brücke mit Messingreitern, Vintage-Style-Mechaniken, Saitenniederhalter, chrom
  • Saiten: D’Addario EXL165 .045 – .105
  • Zubehör: Einstellschlüssel, Kabel
  • Gewicht: 4 kg
  • Preis: 229,- Euro (Ladenpreis im Juli 2026)

Herstellerseite: https://harleybenton.com

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