Test: Two Notes Torpedo Captor X+ – Welche neuen Features bietet die Amp-Recording-Allzweckwaffe?

Mit dem Two Notes Torpedo Captor X+ präsentiert der französische Hersteller den Nachfolger seiner beliebten Kombination aus Loadbox, Attenuator und digitaler Boxensimulation. Auch wenn sich äußerlich auf den ersten Blick nichts geändert hat, versprechen die inneren Werte einige neue Features und Funktionen. Hierzu gehört eine neu designte DynIR True Stereo Engine, mit der zwei Mikrofone oder IRs flexibel im Stereobild platziert werden können. Außerdem hat man dem Captor X+ einen „Virtual Load Shaper“ zur Simulation verschiedener Speaker-Impedanzkurven spendiert.

Two Notes Torpedo Captor X+ bonedo Test
Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • kompakte und vielseitige Lösung zur direkten Abnahme von Röhren-Amps
  • flexibles Routing und Stereo-Imaging von IRs oder virtuellen Mikrofonen
  • Impedanzkurven-Simulation (Virtual Load Shaper)
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
Contra
  • (keins)

Two Notes Torpedo Captor X+ – Das Wichtigste in Kürze

  • Was kann der Two Notes Torpedo Captor X+? Mit dem Captor X+ ist es möglich, Röhren-Amps mit bis zu 100 Watt Leistung ohne Box zu betreiben oder per Attenuator in der Gesamtlautstärke zu reduzieren.
  • Was ist die DynIR-Technologie? Mit „DynIR“ bezeichnet Two Notes seine hauseigenen digitalen Boxensimulationen mit einer großen Auswahl an virtuellen Cabs, Mikrofonen und Effekten.
  • Kann der Captor X+ auch IRs von Drittanbietern laden? Ja. Der Captor X+ kann zwei Drittanbieter-IRs simultan laden und mit seinen internen Effekten und Stereo-Optionen kombinieren.
  • Wo sind die Unterschiede zur bisherigen Version? Der Captor X+ kann nun zwei virtuelle Mikrofone oder IRs flexibel im Stereobild platzieren oder an zwei getrennte Ausgänge senden (Dual Mono). Außerdem wurden der Plus-Version eine Simulation verschiedener Lautsprecher-Impedanzkurven (Virtual Load Shaper) und ein USB-C-Anschluss spendiert.
  • Wie wird der Captor X+ bedient? Der Captor X+ lässt sich mit der Torpedo-Remote-App per Computer oder via Bluetooth mit Mobilgeräten verwalten. Wichtige Parameter wie Lautstärke, Effektanteil und Preset-Wahl können am Gerät verwaltet werden.
  • Wie schneidet der Two Notes Captor X+ im Test ab? Mit dem Captor X+ hat Two Notes seine kompakte Allzweckwaffe zur Direktabnahme von Röhren-Amps noch einmal verfeinert. Sowohl die neuen Stereo-Optionen als auch der Virtual Load Shaper sorgen für noch mehr Flexibilität und machen das Gesamtpaket aus Preis und Leistung unangefochten attraktiv.

Was geblieben ist – Features und Grundfunktionen des Two Notes Captor X+

Der Captor X+ sitzt wie sein Vorgänger in einem 128 × 65 × 175 mm messenden und 1180 Gramm schweren Gehäuse. Auf der Vorderseite sorgen vier Potis für die Wahl der Ausgangslautstärke (Out Level), den globalen Klangcharakter (Voice), den Anteil der Raumsimulation (Space) und die Anwahl von sechs Lieblings-Presets (Preset). Auf der Rückseite stehen zwei Klinkenbuchsen zum Verbinden des Verstärkers (Speaker In) und zum Anschluss einer Lautsprecherbox (Speaker Out) mit zweistufiger Lautstärkereduzierung (Volume) bereit.

Wer den Captor X+ ohne Box verwenden möchte, lässt die Speaker-Out-Buchse frei und fängt das Signal über zwei XLR-Outputs (Left/Right) inklusive digitaler Boxensimulation ab. Ebenfalls auf der Rückseite zu finden sind eine Mini-Klinkenbuchse zur MIDI-Einbindung (Adapter inklusive) und der USB-C-Anschluss zur Steuerung per Desktop-App (Torpedo Remote).

DynIR Engine, IR-Loader und FX-Suite – die inneren Werte des Captor X+

Auf der Software-Ebene verfügt der Captor X+ über eine virtuelle Studio-Umgebung aus (aktuell) 12 unterschiedlichen Räumen (Reverbs). In diesen können 32 vorinstallierte Cabs mit je zwei von acht zur Auswahl stehenden Mikrofonen „abgenommen“ werden (Dual-Miking). Zur weiteren Bearbeitung stehen hier neben den Reverbs auch eine EQ-Sektion, ein Enhancer, ein Double Tracker und ein Noise Gate bereit.

Fotostrecke: 2 Bilder Der Captor X+ lässt sich mit der Torpedo-Remote-App per Computer…

Wer lieber eigene IRs verwendet, ersetzt damit die hauseigenen Boxen- und Mikrofonsimulationen, kann aber trotzdem auf alle Effekte und Routing-Optionen zurückgreifen. Verwaltet werden alle Einstellungen über entsprechende Cabinet-, Preset- und IR-Manager, mit denen sich Boxensammlungen erweitern, IRs laden und Presets speichern lassen.

Fotostrecke: 4 Bilder Mit dem Captor X+ ist es möglich, Röhren-Amps mit bis zu 100 Watt Leistung ohne Box zu betreiben…

Was ist neu? Software-Upgrades und Routing-Optionen

Zu den wichtigsten Neuerungen der +-Version zählt die True Stereo DynIR Engine. Sie erlaubt es, zwei virtuelle Mikrofone oder Drittanbieter-IRs flexibel im Stereobild zu platzieren oder auf separate Outputs zu senden (in der vorherigen Version waren alle Stereo-Optionen auf den Twin Tracker und die Reverbs beschränkt). Außerdem kann der Captor X+ mit dem Virtual Load Shaper unterschiedliche Lautsprecher-Impedanzkurven simulieren, die sich gleichermaßen auf den Sound, die Ansprache und damit auch auf das Spielgefühl auswirken. Nach Rücksprache mit Two Notes wurde mir bestätigt, dass die beschriebenen Upgrades nicht auf den bisherigen Captor-X-Modellen installiert werden können, da sie auf einer komplett neu gestalteten Firmware-Plattform basieren.


So wird der Captor X+ getestet

Für den Test sitzt der Captor X+ hinter einem 45-Watt-starken Budda Superdrive-Topteil mit zwei Kanälen und wird von dort aus direkt über das Audio-Interface in Stereo aufgezeichnet. Als Gitarren stehen eine Maybach Texonian T54, eine Maybach Lester und eine Patrick Eggle Berlin Plus (PRS-Style) bereit. Für einen genauen Einblick in alle Funktionen der Software-Umgebung empfiehlt sich ein Blick in das dazugehörige Video.    

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Erste Eindrücke – Sind True Stereo Engine und Virtual Load Shaper ein Gewinn?

Vorab sei erwähnt, dass ich den Captor X seit Jahren, wenn auch mit Drittanbieter-IRs, für alle Reviews und Homerecording-Zwecke nutze. Die DynIR Engine liefert eine große und größtenteils hochwertig klingende Auswahl an Boxensimulation und lädt dank der anschaulichen virtuellen Umgebung zum Experimentieren mit Mikrofonmodellen, Abständen und Positionen ein.

Was den „Grundsound“ des Captor X+ in seiner Funktion als Loadbox angeht, bietet der Virtual Load Shaper nun erheblich mehr Flexibilität in Bezug auf den Klang und die Ansprache des angeschlossenen Amps. Da Loadboxen in der Regel die Impedanzkurve eines einzelnen Speakers nachbilden, verfügt unser Testkandidat jetzt über deutlich mehr Möglichkeiten.
In der Praxis verhält sich dieses neue Feature wie eine Art Post-EQ für den Bass- und Presence-Bereich. Die Möglichkeit, zwei IRs zu kombinieren, stellt in meinen Augen ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal der Torpedo-Software dar. Mit der True-Stereo-Engine ist es nun möglich, die beiden IRs (bzw. die beiden virtuellen Mikrofone) nicht bloß in ihrem Lautstärkeverhältnis zu beeinflussen, sondern flexibel im Stereobild zu platzieren; für Homerecording-Zwecke ein sehr wirkungsvolles und spannendes Feature.

Per Attenuator oder externer Endstufe lassen sich laute Röhren-Amps zähmen

Auch der zweistufige Attenuator hält, was er verspricht, und kann Röhren-Amps in einem gewissen Rahmen auf ein erträgliches Lautstärkelevel reduzieren. Two Notes weist jedoch seit Beginn der Modellreihe darauf hin, dass es sich beim integrierten Attenuator um eine recht „einfache“ Lösung handelt. Hier haben andere (teurere) Produkte in Sachen Sound und Flexibilität sicherlich die Nase vorn. Eine Variante, die in meinen Augen deutlich authentischer klingt, lässt sich jedoch mit einer einfachen externen Endstufe realisieren. Da einer der Ausgänge des Captor X+ bei Bedarf in den Bypass-Modus (ohne Effekte und Cab-Sim) versetzt werden kann, lässt sich hier ein unverfälschtes und nicht „attenuiertes“ Direktsignal abgreifen und nach Belieben neu verstärken; ein Prinzip, auf das viele Hersteller von Leistungsreduzierern mittlerweile setzen.

Die virtuellen Cabs und Mikrofone der Two Notes DynIR Engine

Für den Anfang hören wir eine Auswahl von 10 vorinstallierten virtuellen Cab-Modellen mit der jeweils gleichen Mikrofonkombination. Danach gibt es alle acht verfügbaren Mikrofonsimulationen, zunächst jede für sich allein und danach in unterschiedlichen Kombinationen und Positionen.

Audio Samples
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Virtual Cabs, 1×10 / 1×12, verschiedene Modelle (Tele) Virtual Cabs, 2×12 / 4×12, verschiedene Modelle (Les Paul) Virtual Mics, alle Modelle einzeln (Tele) Virtual Mics, verschiedene Kombinationen und Positionen (PRS)

Weiter geht es mit zwei Drittanbieter-IRs aus dem Hause cabIR und wir hören eine Demonstration der Stereo-Routing-Optionen. Was dabei genau passiert, seht ihr im dazugehörigen Video.

Audio Samples
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IR-Loader, Stereo-Routing-Optionen (Tele)

In den nächsten Audiofiles demonstriere ich die wichtigsten Features der FX-Suite, die beim Captor X+ größtenteils unverändert geblieben ist.

Audio Samples
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Reverbs, Auswahl 1 (Tele) Reverbs, Auswahl 2 (Tele) Twin Tracker, off/on (PRS) Enhancer, verschiedene Settings (Tele)

Zum Abschluss hören wir noch alle sechs Presets aus dem Virtual Load Shaper, mit dem sich verschiedene Lautsprecher-Impedanzkurven simulieren lassen.

Audio Samples
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Virtual Load Shaper, alle Presets (Les Paul)

Fazit

Der Two Notes Torpedo Captor X+ verteidigt seinen Ruf als Preis-Leistungs-Ass im Bereich der direkten Amp-Abnahme und überzeugt als flexible und hochwertige Kombination aus Loadbox, IR-Loader und Boxensimulation. Die Neuerungen im Softwarebereich machen ihn dabei in meinen Augen zum noch attraktiveren Gesamtpaket für Homerecording und Bühne. Wer seinen Captor X ausschließlich in Mono verwendet und mit dem Grundsound seines Amps zufrieden ist, braucht das Upgrade vermutlich nicht unbedingt. Wer in Sachen Sound-Shaping und Stereo-Optionen noch breiter aufgestellt sein möchte, sollte den Captor X+ definitiv testen.

Artikelbild
Torpedo Captor X + 8 Ohms
Für 549,00€ bei
  • Hersteller: Two Notes Audio Engineering
  • Modell: Torpedo Captor X+
  • Typ: Loadbox, Attenuator, Boxensimulation
  • Herstellungsland: China
  • Anschlüsse: Output L/R, Speaker In, Speaker Out, MIDI-In, USB, Phones
  • Regler/Schalter: Out-Level, Voicing, Space, Preset, In-Level, Ground-Lift, Volume (Attenuator)
  • Stromversorgung: 12-V-Netzteil (im Lieferumfang)
  • Stromaufnahme: 200 mA
  • Abmessungen: (BxHxT) 128 x 65 x 175 mm
  • Gewicht: 1180 g
  • Ladenpreis: 549,00 Euro (April 2026)

Herstellerseite: https://www.two-notes.com/

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