Behringer BDS-3 Test

Der Behringer BDS-3 soll den ersten Simmons Drum-Synthesizer SDS-3 ins Studio beamen – und das analog und bezahlbar. Neben einer Reihe klassischer Drum-Machines wie der Behringer RD-8 MKII oder der Behringer LM Drum konnte uns auch der Syncussion SY-1 bereits begeistern. Beim Behringer BDS-3 handelt es sich zwar auch um einen analogen Desktop-Synthesizer mit praktischer Eurorack- und MIDI-Integration, doch schlägt er in puncto Drums und Percussion einen anderen Weg ein.

Behringer BDS-3: Test.
Behringer goes Simmons: Der BDS-3 ähnelt seinem Vorbild, dem Simmons SDS-3 sehr, bringt aber kleinere Extras mit.

Mit dem Simmons SDS-3 legte Dave Simmons den Grundstein für eine ganze Reihe ikonischer Instrumente – allen voran das Simmons SDSV, das heute als Klassiker gilt.

Für die vielen Leser, die selbst noch kein SDS-3 unter den Fingern hatten: Im Video „Origins of a Legend – The Simmons SDS-3 Drum Synthesizer from 1978“ enthüllt Alex Ball einige technische Details der Original-Maschine.

Behringer BDS-3 Mini Highlights

  • Analoger Drum-Synth nach Vorbild des Simmons SDS-3
  • Vier Kanäle für vier unterschiedliche Sounds wie Kick, Snare oder Tom
  • Jeder Kanal per MIDI/USB oder Mic-Eingang anspielbar
  • Ein Audio/Mic-Ausgang und Mix-Ausgang pro Kanal
  • Master/FX-Sektion mit Pitch-Regler, LFO und Sample & Hold
  • USB-C-Anschluss, MIDI-Eingang 

DETAILS & PRAXIS

Ist der BDS-3 ein Simmons-Klon?

Auch beim BDS-3 orientiert sich Behringer sehr strikt am Original – und pimpt den Clone nur mit wenigen modernen Extras. Dazu gehören etwa MIDI, USB und Eurorack-Kompatibilität. Der Aufbau des BDS-3 entspricht der Struktur des Simmons SDS-3. Ihr bekommt vier identische Drum-Kanäle plus einen Effekt-/Modulationskanal.

Behringer BDS-3: Oberfläche.
Klarer Aufbau 4+1: Der BDS-3 reiht von links nach rechts vier Synth-Channels auf und schließt mit einer Master-/FX-Sektion ab. (Quelle: Behringer)

Wie beim Original dreht sich auch hier alles ums Formen von analogen Klängen – Presets gibt es keine, ebenso wenig wie Speicherplätze für eigene Soundkreationen oder einen internen Step-Sequenzer. Der Behringer BDS-3 fordert euch heraus: Er will entdeckt werden. Pads, MIDI-Sequenzer oder ein Controller-Keyboard gehören allerdings nicht zum Lieferumfang.

Behringer BDS-3: Rückseite.
Auf der Rückseite befinden sich ein Main-Ausgang, MIDI-USB sowie die beiden speziellen Pedal-Anschlüsse für Pitch Pedal und Decay Kill.

Wie funktioniert die Klangerzeugung beim Behringer BDS-3?

Ihr trefft bei allen vier Kanälen auf ein einen klassischen analogen Aufbau, der Oszillator und Noise-Generator kombiniert.Zu den Parameter gehören Pitch, Decay, Bend und Noise/Tone-Mix. Basics wie Pitch-Hüllkurven und Lautstärke-Regler gibt’s natürlich auch. In einem zusätzlichen Master/FX-Kanal findet ihr LFO, Pitch sowie Sample & Hold.

Behringer BDS-3: Parameter.
Alle vier Kanäle sehen gleich aus: Oben die Ein- und Ausgänge, unten die Lautstärke-Regelung, dazwischen Klangparameter wie Impact Click, Pitch, Decay Time und Noise-Tone-Mix.

Ihr solltet euch im Klaren sein, dass der Behringer BDS-3 nicht dem klassischen Aufbau eines Analog-Synthesizers entspricht – Filter und ADSR-Hüllkurven gibt es leider nicht. Mir ist es auch nicht auf Anhieb gelungen, die bekannten Simmons-Toms überzeugend nachzubauen.

Macht die Bedienung des Behringer BDS-3 viel Spaß?

Grundsätzlich könnt ihr dank der über 50 Bedienelemente auf der Frontplatte intuitiv arbeiten. Das gesamte Gerät ist ordentlich verarbeitet und fühlt sich gut an. Da alle vier Drum-Kanäle identisch aufgebaut sind, verschafft man sich relativ schnell einen Überblick.

Zuerst müsst ihr euch allerdings etwas „eingrooven“. Wie gesagt, der BDS-3 bewegt sich in Sachen Parametern in seinem eigenen Kosmos. So mancher Regler verhält sich dabei etwas anders als erwartet. Die Decay Time reagiert beispielsweise eigentlich nur im unteren Drittel des Reglerwegs, was ich gewöhnungsbedürftig finde.

Behringer BDS-3: App.
Ohne Software läuft nichts: Die Synthtribe-App unterstützt auch den Behringer BDS-3.

Wie bei Behringer üblich: Die kostenfreie Synthtribe-App erlaubt den Zugriff auf weitere Einstellungen und Firmware-Updates. Kleiner Tipp: Velocity Control Loudness unbedingt aktivieren. Nur so lassen sich die Sounds dynamisch anspielen.

Ist der Behringer BDS-3 nur für Drummer gut?

Der BDS-3 ist keineswegs nur für Drummer gut. Ich zum Beispiel trommele selbst nicht und nutze weder Drumpads noch ein Kit. Dennoch finde ich schnell einen praktischen Zugang: DAW starten und den Behringer als externes MIDI-Gerät auf eine Spur legen – und schon lassen sich die vier Kanäle beziehungsweise vier Sounds des BDS-3 mit den Noten C, D, E und F in einer Oktave spielen.

Dank MIDI-FX-Plugins wie Arpeggiator und Co. ist innerhalb der DAW schnell Abhilfe geschaffen und ihr könnt euch musikalisch inspirieren lassen. Übrigens: Arbeitsweise und Sound des BDS-3 sprechen für sich – ein Plugin diesen Behringer nicht so einfach ersetzen.

Behringer BDS-3: App.
Im Gegensatz zum Original SDS-3 wird der moderne Behringer Clone in der DAW durch MIDI-FX- und Audio-FX-Plugins unterstützt.

Die vier Sounds des BDS-3 lassen sich aber leider offenbar nicht frei über die Tastatur verteilen. Das wäre mein größter Wunsch fürs Update. Gerade melodische Phrasen oder Tom Fills wären so viel einfacher erstellt.

Analoger Punch – wie klingt der Behringer BDS-3?

Zwar ist das Soundangebot verglichen mit aktuellen Klopfgeistern beim BDS-3 durchaus begrenzt, dafür liefert er aber genau den analogen, direkten, rohen Simmons-Klang, der sich perfekt für elektronische Retro-Musik anbietet. Nichts anderes habe ich von diesem Testgerät erwartet.

Konkret heißt das: Die Kicks erzeugen in tieferen Lagen viel Druck und insbesondere Noise- und Zap-Sounds sind fantastisch. Bei den Snares und Hi-Hats müsst ihr klanglich Abstriche machen. Es lohnt sich, den gewohnten Pfad zu verlassen und Drones, melodische Phrasen und LFO-basierte Effekte selbst zu kreieren. Noch mehr Spaß habt ihr, sobald ihr externe Effekte einbindet. Bei einigen der Soundbeispiele hört ihr den Freeware-Klassiker Valhalla DSP Supermassive.

Die Audio-Demos starten mit drei einzelnen Sounds. Die Beispiele Tom Seq und LFO-FX1/2 zeigen, welche Möglichkeiten im Master/FX-Kanal des Behringer BDS-3 stecken. Auf „Kick Drone“ folgen vier musikalische Beispiele, bei denen alle vier Kanäle des BDS-3 für Drum Grooves zum Einsatz kommen. Für die ersten Demos habe ich einen Arpeggiator verwendet, die beiden letzten Beats habe ich als MIDI-Noten in der DAW eingespielt.

Audio Samples
0:00
Analog Kick 1 Analog Kick 2 Noise Tom Seq LFO-FX 1 LFO FX 2 Kick Drone Arp Demo 1 Arp Demo 2 Seq Demo 1 Seq Demo 2

Behringer-Duell – BDS-3 oder Syncussion Sy-1?

Solltet ihr euch nach Alternativen umsehen, könnt ihr gern bei Behringer bleiben. Der Behringer Syncussion SY-1 bietet nämlich ebenfalls analoge Drumsounds. Konzeptionell gibt es hier aber klare Unterschiede: Während ihr beim BDS-3 einen klassischen Drum-Synthesizer bekommt, ist der Syncussion Sy-1 tatsächlich als Percussion-Synthesizer gedacht. Bei Syncussion geht es um Modulation, Routing und Soundexperimente, während der BDS-3 sich eher als klassisches Drum-Modul mit Kick, Tom oder Snare versteht. So gesehen ist es kein wirkliches „Duell“ – die beiden Desktop-Synths ergänzen sich eher.

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FAZIT – Behringer BDS-3

Ich selbst mag viele der preiswerten Desktop-Synths von Behringer. Sie klingen ordentlich, das Panel ist bedienungsfreundlich und sie bringen spezielle Vintage-Konzepte für wenig Geld zurück. Und so zähle ich auch den Behringer BDS-3 zu den gelungenen Exemplaren. Ich kannte Simmons zwar von etlichen Synthesizer-Presets und Sample-Bibliotheken, und trotzdem ist es erfrischend anders, solche Sounds mal eigenhändig an einem analogen Klangerzeuger zu designen. Dazu müsst ihr noch nocht mal ein Live-Drummer sein. Auch wenn ihr per MIDI-Sequenzer triggert, könnt ihr mit dem BDS-3 sehr gut auf Entdeckungstour gehen und eigene Ideen entwickeln – die sind dann eher technoid und bewegen sich jenseits der 80er-Jahre.

Mangels Speicherplätzen ist das Gerät im Studio besser aufgehoben als im hektischen Live-Einsatz. Sowieso müsst ihr euch mit dem BDS-3 etwas intensiver beschäftigen – es ist absolut keine Preset-Maschine, sondern ein Spielkasten für Individualisten mit Faible für pure Analogsounds.

Danke, Behringer! Für Simmons-Fans quasi ein Muss, für Liebhaber analoger Drums eine gute, aber spezielle Wahl – vier Sterne!

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