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„Diese Industrie hat mich fast zerstört“ – Yu über Machtstrukturen im Musikbusiness

Was Yu über Machtverhältnisse in der Musikindustrie erzählt erinnert an einen in die Jahre gekommenen Horrorfilm: Die Kulissen glänzen, doch hinter ihnen lauert ein System, das seine eigenen Regeln schreibt.

YU_CreditHalfasboring

Drei Jahre lang schwieg Yu über das, was hinter den Kulissen der eigenen Karriere passiert sein soll. Nun bricht Yu das Schweigen. Mit einem Video, das eine Mischung aus persönlichem Erfahrungsbericht, Warnung und Systemkritik ist.

Yu veröffentlicht ein Video auf YouTube, welches diesmal keine Musik beinhaltet. Es erinnert an einen Tagebuch-Eintrag und schafft eine Atmosphäre, in der man das Gefühl bekommen kann, als würde man gerade seiner besten Freundin oder besten Freund zuhören. In diesem Video beschreibt Yu eine Entwicklung, die viele junge Artists kennen: ein schneller Aufstieg über Social Media, Zusammenarbeit mit professionellen Strukturen und Machtverhältnisse, die irgendwann kaum noch zu kontrollieren sind.

„Die Musikindustrie ist ein Spiegelkabinett voller Lügen“, sagt Yu im Gespräch und berichtet von einem strukturellen Problem der Branche: das Ungleichgewicht zwischen jungen Artists und ihrem Management.

Wenn das Management mehr Kontrolle hat als der Artist

Managements übernehmen im Musikgeschäft eine zentrale Rolle. Sie koordinieren Tourneen, kümmern sich um Label-Kontakte, verhandeln Deals und strukturieren den Alltag von Künstler*innen. Gerade am Anfang einer Karriere kann diese Unterstützung entscheidend sein.

Doch genau diese Nähe kann auch zu einem empfindlichen Machtgefälle führen.

Yu beschreibt im Gespräch wie sein Manager Kontrolle bekam.

„Er war eigentlich mein ganzes Umfeld“, erzählt Yu im Interview mit Bonedo. „Alle haben mir gesagt, wie toll und fair er sei. Irgendwann dachte ich: Vielleicht bin ich einfach das Problem.“ Gleichzeitig wurde die Struktur immer unübersichtlicher. „Auf einmal hatte ich sechs Konten und steig da mal durch.“
Besonders problematisch sei gewesen, dass das Management genau wusste, wovor Yu Angst hatte.

„Ich hatte immer Angst, steuerlich irgendwas falsch zu machen. Und das wurde auch benutzt: ,Du kannst das alles selber machen… aber ich weiß nicht, ob du das wirklich willst.’“

Der Moment, in dem alles zu viel wurde

Neben organisatorischen Problemen beschreibt Yu auch eine Phase extremer psychischer Belastung.

Ein Moment aus dem Video war besonders emotional: eine Autofahrt auf der Autobahn, in der Yu darüber nachdachte, das eigene Leben zu beenden. Im Gespräch erinnert sich Yu an diesen Moment sehr konkret. „Ich hatte gar keine Musik an. Nur das Rauschen der Straße.“ Die Fahrt führte über die Autobahn irgendwo zwischen Hannover und Köln. In den vergangenen Nächten schlief Yu im eigenen Auto und versuchte, den Gedanken zu entkommen. „Ich kam gerade von einer Freundin aus Hamburg, um irgendwie auf andere Gedanken zu kommen.“ Dann kam ein Anruf.

„Ich war eigentlich schon komplett weg in meinem Kopf. Aber durch das Klingeln bin ich reflexartig rangegangen.“ Der Anruf führte schließlich in eine Klinik.

„Meine Community hat mir das Leben gerettet“

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Trotz dieser Krise spielte eine Gruppe eine entscheidende Rolle: Yu’s Community.

„Ich hatte schon immer ein sehr nahes Verhältnis zu meinen Fans“, erzählt Yu. „Ich war immer das ,weird Kid’ und ich mache Musik für weird kids.“

Viele Fans wollten sogar Geld spenden, als Yu öffentlich über die Situation sprach. „Das wollte ich aber nicht.“ Stattdessen unterstützten sie Yu, indem sie die Musik streamten.

„Am Ende hat meine Community mir wirklich das Leben gerettet.“

Eine klare Warnung an junge Artists

Am Ende des Videos richtet Yu eine sehr deutliche Botschaft an junge Musiker*innen und bleibt auch im Gespräch dabei. Der wichtigste Rat:

„Hol dir einen Anwalt.“

Selbst wenn eine Zusammenarbeit wie ein Traum wirkt.

„Unterschreib nichts. Auch wenn es dein Lieblingsartist ist.“

Gerade junge Künstler*innen würden sich häufig von der Situation überwältigen lassen.

„Es fühlt sich manchmal an wie ein Hollywood-Moment.“

Doch langfristig sei ein anderer Weg oft gesünder.

„Lieber langsam, nachhaltig und gesund.“

Yu beschreibt rückblickend eine Zeit, in der nur noch gearbeitet wurde.

„Ich habe nicht geschlafen.“

Dabei sei vieles auch ohne große Industrie-Strukturen möglich.

„Du kannst auch alles alleine machen. Ich habe trotz Manager und Label fast alles alleine gemacht.“

Natürlich mache man Fehler, sagt Yu, aber man finde auch den eigenen Weg.

Marketing statt Mythos

Neben Kritik an der Branche spricht Yu auch überraschend pragmatisch über den Aufbau einer Karriere. Viele Mechanismen seien heute relativ transparent.

„Wie Marketing funktioniert, kannst du überall lernen. Vieles sogar kostenlos.“

Zum Beispiel über Social Media.

„Musik-Hooks kannst du googeln.“

Gerade kurze, visuell interessante Inhalte würden heute gut funktionieren.

„Unter 30 Sekunden, visuell interessant, irgendwas, das triggert.“

Yu selbst habe vieles durch „Try and Error“ gelernt.
Dabei sei Engagement entscheidend.

„Ich habe zwei Tage am Stück am Smartphone gesessen und 2000 Leuten geschrieben.“

Das sei nicht unbedingt gesund gewesen, sagt Yu, aber effektiv.

Neue Strukturen statt alter Systeme

Heute arbeitet Yu mit einem deutlich kleineren Team.

Eine Person unterstützt im Management, eine Booking-Agentur ohne Knebel-Vertrag ist gefunden. Alles andere organisiert Yu größtenteils selbst oder über Beteiligungsmodelle.

Langfristig denkt Yu sogar über ein neues Netzwerk nach.

„Ich würde gerne ein Künstlerkollektiv aufbauen. Mit Jams, Austausch, gegenseitiger Unterstützung.“

„Meine Religion ist: F* it, just have fun“

Bei aller Kritik bleibt am Ende eine überraschend einfache Haltung übrig.

Ein Satz aus Yu’s Song Loser fasst diese Philosophie zusammen:

„Meine Religion ist: F* it, just have fun.“

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus einer Geschichte, die fast mit dem Ende einer Karriere, oder sogar eines Lebens, geendet hätte.

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Wer ist Yu?

Yu ist ein deutscher Pop-Artist und hat durch Social Media und Songs mit gesellschaftskritischen Texten Bekanntheit erlangt. In der Musik verbindet Yu politische Inhalte mit eingängigen Pop-Strukturen und ironischen Elementen.

Welche Musik macht Yu?

Yu beschreibt die eigene Musik als „gesellschaftskritisch, ironisch und sarkastisch“. Stilistisch bewegt sich Yu zwischen Pop, alternativem Deutschpop und internetgeprägter Songwriting-Kultur.

Wie wurde Yu bekannt?

Yu begann, eigene Musik auf Social Media, insbesondere TikTok, zu veröffentlichen. Die Videos erreichten schnell ein großes Publikum und führten zu wachsender Aufmerksamkeit in der Szene.

Welche Rolle spielte die Community in Yu’s Karriere?

Yu beschreibt die Community als entscheidend für den eigenen Weg. Besonders in schwierigen Zeiten habe der Support der Fans geholfen, weiter Musik machen zu können.

Warum kritisiert Yu die Musikindustrie?

Yu spricht von problematischen Machtverhältnissen zwischen jungen Artists und Management-Strukturen. Im Interview beschreibt Yu die Branche als „Spiegelkabinett voller Lügen“ und warnt junge Künstler*innen davor, Verträge ohne juristische Beratung zu unterschreiben.

Was plant Yu aktuell?

Nach eigenen Aussagen arbeitet Yu derzeit mit einem kleineren Team und denkt über neue Formen der Zusammenarbeit nach, etwa ein Künstlerkollektiv oder alternative Netzwerkstrukturen.

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