Dass das Zeitalter der sozialen Medien einen ganz speziellen, technisch extrem versierten Typus Drummer hervorgebracht hat, wird kaum jemand bestreiten. Für Songschreiber und Bandleader steht jedoch immer noch die Funktion als Rhythmuslieferant im Vordergrund, der dem Stück das gewisse Etwas verleiht. Steve Gadd, seines Zeichens einer der berühmtesten Drummer aller Zeiten und immer noch Vorbild für viele, ist eine Art Prototyp für diese Art musikalischen Drummers.

In einem kürzlich veröffentlichten Interview aus dem Archiv des Education-Anbieters Hudson Music erklärt Eric Clapton, warum er immer wieder zu Steve Gadd zurückkehrt. Spannend ist, dass er zwar seinen Jazz-Background erwähnt, aber vor allem von einer Art magischer Zutat spricht, die er selbst nicht genau erklären kann.
“Die absolute Hinwendung zum jeweiligen Song”
Dass er das Ganze mit einem kleinen Seitenhieb in Richtung Elvin Jones würzt, ist umso bemerkenswerter. Der käme ihm zwar grandios im Kontext vor, aber doch irgendwie abgekoppelt. Steves Stärke sei hingegen die absolute Hinwendung zum jeweiligen Song und die Fähigkeit, genau die kleinen Details hinzuzufügen, die dazu beitragen, dass das Stück auf ein neues Level gehoben wird.

Eric Clapton über Steve Gadd: „Ein Bruder, den ich nie hatte.“
Am Ende des Gesprächs wird dann der tiefere Sinn klar, denn offensichtlich ist es der menschliche Charakter, der sich im Spiel widerspiegelt. So beschreibt Eric Clapton Steve Gadd als starken, ausgeglichenen und bescheidenen Menschen, als „Bruder, den ich nie hatte“. Diese gesamtheitliche Perspektive auf Musiker erscheint in Zeiten der Selbstdarstellung und des Spektakulären wie eine wohltuende Abwechslung.
Das Interview wurde übrigens bereits 2003 geführt, wirkt aber bis heute erstaunlich aktuell. 2021 spielte Clapton zeitweise sogar mit zwei Drummern gleichzeitig: Steve Gadd und Sonny Emory (ehemals Earth, Wind & Fire). Seit 2022 ist Emory der einzige Drummer in Claptons aktueller Tourband. Mit Ausnahme von Nathan East verbindet Eric Clapton mit keinem anderen Musiker eine längere Zusammenarbeit als mit Steve Gadd.























