Die Dokumentation “I Feel Love – Giorgio Moroder und Donna Summer” beleuchtet die Entstehung des 1977 veröffentlichten Songs, der als Blueprint für Techno und moderne elektronische Tanzmusik gilt.

I Feel Love Dokumentation
Ein Lied muss schon außergewöhnlich sein, wenn Arte ihm eine ganze Dokumentation widmet. Die Rede ist von Donna Summers „I Feel Love“, produziert von Giorgio Moroder und Pete Bellotte. Der 1977 veröffentlichte Song gilt als Blueprint für Techno und moderne elektronische Tanzmusik.
Die Dokumentation „I Feel Love – Giorgio Moroder und Donna Summer“ beleuchtet die Entstehung dieses Meilensteins anhand seltener Aufnahmen aus den Musicland Studios sowie zahlreicher Archivaufnahmen und aktueller Interviews mit den Protagonisten.
Gleichzeitig zeigt sie eindrucksvoll die Bedeutung Münchens für die internationale Popmusik und erklärt, warum die Zusammenarbeit des Trios so außergewöhnlich erfolgreich war. Eine wirklich erstklassige Dokumentation.
Donna Summer, Giorgio Moroder & Pete Bellotte
Giorgio Moroder stammt aus einem kleinen Dorf in Südtirol und eröffnete nach ersten Erfolgen das legendäre Musicland Studio in München, wo die gesamte Rock-Elite der damaligen Zeit arbeitete.

Pete Bellotte erkannte, dass erfolglose Musiker von Plattenfirmen gefeuert wurden, die Menschen hinter dem Mischpult ihren Job jedoch behielten. Als Giorgio Moroder einen Assistenten suchte, bewarb er sich.

Donna Summer kam nach München, nachdem sie eine Rolle im Musical „Hair“ erhalten hatte. Nebenbei übernahm sie Gesangsjobs für Giorgio Moroder und Pete Bellotte. Ihr außergewöhnlicher Stimmumfang machte sie zur bevorzugten Sängerin des Produzententeams.

„Love to Love You Baby“
Die Zusammenarbeit begann mit typischen Funk-Produktionen der damaligen Zeit. „Love to Love You Baby“ wurde ihr erster großer internationaler Hit. Der Song enthielt ihre berühmten Stöhnpassagen, wodurch sie auf das Image einer sexualisierten Pop-Diva festgelegt wurde, mit dem sie nie zufrieden war. Es brauchte viele Hits, um dieses Image zu verändern.
Der Höhepunkt: I Feel Love
Nun kommen wir zu „I Feel Love“. 1977 planten Giorgio Moroder und Pete Bellotte das Album „I Remember Yesterday“ für Donna Summer. Jeder Titel sollte eine bestimmte Ära der Popmusik widerspiegeln. Der letzte Song des Albums sollte selbstverständlich die Zukunft darstellen: „I Feel Love“.
Wie sollte der Sound der Zukunft klingen? Elektronische Musik gab es schon, etwa von Tangerine Dream, Kraftwerk oder Klaus Schulze. Diese Musik hatte aber wenig mit der damaligen Tanzmusik zu tun. Giorgio Moroder wollte mehr.

Das Album „Switched-On Bach“ von Wendy Carlos inspirierte ihn dazu, „I Feel Love“ mit Synthesizern zu produzieren. Wie kam man damals an einen Moog-Synthesizer? In München besaß Eberhard Schoener als erster Deutscher ein Moog-System. Da diese Instrumente neu und komplex waren, stellte Schoener nicht nur den Synthesizer, sondern auch einen Assistenten zur Verfügung, der Moroder bei der Programmierung half. Die Arbeit mit diesem Instrument war allerdings nicht einfach. Es gab viele technische Schwierigkeiten.

Die berühmte rhythmische Sequenz von „I Feel Love“ entstand ursprünglich nicht direkt aus dem Sequencer des Moog 3P. Sie wurde mithilfe eines Tape Delays verdoppelt, wodurch dieses treibende, hypnotische Gefühl entstand, das bis heute in Genres wie Techno, Trance oder Goa verwendet wird.
Der Höhepunkt und das Ende Der Disco-Ära
„I Feel Love“ erschien zeitgleich mit der Eröffnung des legendären New Yorker Studio 54 und markierte sowohl den Höhepunkt der Disco-Ära als auch den Beginn einer neuen elektronischen Musikkultur. Kurz darauf endete jedoch die fünfjährige Zusammenarbeit von Giorgio Moroder, Pete Bellotte und Donna Summer. Die Disco-Welle hatte ihren Höhepunkt überschritten, eine Anti-Disco-Bewegung entstand und Punk veränderte die Musiklandschaft erneut.
Die Zeit nach I feel Love
Moroder folgte seinem Traum und ging in die USA. Zuvor verkaufte er die Musicland Studios an Reinhold Mack, der dort unter anderem zahlreiche Queen-Hits produzierte. Der Junge aus einem Tiroler Bergdorf wurde zu einem der erfolgreichsten Produzenten der Musikgeschichte.
Er schrieb zahlreiche Filmsoundtracks und Hits, darunter für Midnight Express, Scarface und Die unendliche Geschichte, betätigte sich zudem in vielen weiteren Bereichen und feierte 2013 durch die Zusammenarbeit mit Daft Punk auf dem Album Random Access Memories ein viel beachtetes Comeback.
Donna Summer arbeitete nach ihrem Durchbruch mit Giorgio Moroder mit zahlreichen weiteren Produzenten zusammen. Im Laufe ihrer Karriere verkaufte sie über 130 Millionen Tonträger, stellte mehrere Rekorde auf und wurde als „Queen of Disco“ weltberühmt. Sie verstarb leider bereits 2012.
Pete Bellotte erzählt in der Dokumentation, dass seine Karriere nach der Zusammenarbeit mit Moroder weitgehend zum Stillstand kam, schließt aber nicht aus, dass sich daran noch etwas ändern könnte.
Die Geschichte von „I Feel Love“ zeigt, wie drei außergewöhnliche Persönlichkeiten innerhalb von nur fünf Jahren mit Mut, technischem Pioniergeist und musikalischer Vision einen Sound erschufen, der die elektronische Musik bis heute prägt.

















