Solid State Logic SSL 1 Test

Diversifikation und Produktvielfalt heißen die Zauberworte im Kapitalismus: Portfolios werden feiner, Produktlinien kleinteiliger. SSL macht kräftig davon Gebrauch und liefert mit dem SSL 1 ein weiteres USB-Audiointerface – das bislang kleinste Modell hinsichtlich der Anschlussvielfalt, aber trotzdem kräftig in seiner Form als ausgewachsener Monitor-Controller. Schauen wir das Ganze im Test genauer an!

Solid State Logic SSL1 Test
Solid State Logic SSL1 im Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • übersichtliches, praxisnahes Desktop-Konzept
  • großer Monitor-Regler statt fummeligem Mini-Poti
  • 63 dB Mic-Gain mit guten Reserven, 4K-Mode, Low-Cut und 48 Volt direkt am Gerät
  • Direct-Monitoring einfach gelöst, dreifaches Stereo-Loopback für Content-Creator
  • class-compliant am Mac, iPhone und iPad, zusätzliches USB-C-Power-In für Mobilgeräte
Contra
  • Mikrofonvorverstärker ohne Combo-Buchse
  • keine Stereo-Aufnahme

Highlights Solid State Logic SSL1 Audiointerface

  • kompaktes SSL-Interface mit Monitor-Controller-Feeling
  • 2-In/2-Out über USB-C, 32 Bit / 192 kHz
  • 1x Mic-Preamp mit 63 dB Gain, separater Line-/Instrumenteneingang mit Hi-Z-Schaltung
  • Direct-Monitoring per Mix-Taste, dreifaches Stereo-Loopback für Streaming und Co
  • Solides Softwarepaket mit Ableton Live Lite, Harrison Mixbus 11, SSL Vocalstrip 2 und SSL Drumstrip

SSL1: 2-In/2-Out USB-C Audiointerface

Das SSL 1 ist ein solide und logisch aufgebautes USB-2.0-Audiointerface mit einer maximalen Auflösung von 32 Bit und 192 kHz. Es ist “Made in China” und die Verbindung erfolgt über einen USB-C Anschluss.

Anschlüsse SSL1
Zwei USB-C-Buchsen, zwei Outputs und zwei Eingänge schmücken die Rückseite. Ein USB-Kabel auf USB-C liegt bei.

Am Mac sowie an iPhone und iPad funktioniert das Ganze Class-Compliant und ohne Treiberinstallation, für Windows 11 gibt es ASIO und WDM-Treiber. Für iOS und Co. gibt es hier sogar einen zusätzlichen USB-C-Stromanschluss, damit das iOS-Gerät nicht allein die Stromversorgung übernehmen muss.

Konzipiert ist das SSL 1 grundsätzlich als 2-In/2-Out-Interface. Es kann also zwei analoge Eingangssignale gleichzeitig aufnehmen und auch ein Stereosignal ausgeben. Hinzukommt eine dreifache Stereo-Loopback-Funktion, sodass sich auch intern Audio vom Computer in die Aufnahme routen lassen – relevant für Streaming und Podcast.

Ausgangsseitig steht ein symmetrischer Hauptausgang bereit, dessen Lautstärke über den angenehm großen SSL-Style-Regler auf der Oberseite kontrolliert wird. Mit bis zu +14 dBu Ausgangspegel lassen sich Studio-Monitore direkt anschließen und “bis Eleven” drehen!

Solider Monitor-Controller mit Kopfhörer-Verstärker

Parallel gibt es einen Kopfhörer-Ausgang an der Front, der sich das Signal mit dem Main-Out teilt und leider nicht getrennt adressiert werden kann. Praktisch ist die Mix-Taste, mit der sich Direktabhörung und Computersignal kombinieren lassen: so kann man das Eingangssignal mit geringer Latenz und gleichzeitig das Playback der DAW abhören, was sich Direct-Monitoring nennt und wichtig beim Aufnehmen ist.

Ein schöner Kasten, der gut in der Hand liegt: das SSL 1 von Solid State Logic

Eingangsseitig setzt SSL auf eine reduzierte, aber praxisnahe Bestückung. Eingang 1 bietet einen Mikrofonvorverstärker mit 63 dB Gain und XLR-Anschluss. Eingang 2 ist als großer Klinkeneingang für Line- und Instrumentensignale ausgelegt. Beide Eingänge sind mono – Stereoaufnahmen sind nur eingeschränkt möglich.

Zwei Eingänge, nur ein Preamp

Auf der Oberseite finden sich für beide Kanäle jeweils ein Gain-Regler, eine fünfstufige LED-Pegelanzeige sowie Taster mit LED-Rückmeldung für die jeweiligen Zusatzfunktionen. Kanal 1 bietet eine 48-Volt-Phantomspeisung, den bekannten 4K-Mode für etwas mehr Präsenz und „Record-ready“-Glanz sowie einen festen Low-Cut.

In Kanal 2 lässt sich indes nur die Eingangsimpedanz umschalten, wodurch der Instrumenteneingang effektiv noch einmal 10 dB mehr Gain bereitstellt.

Saubere Sache, auch bei der Konkurrenz

Bei den Messwerten zeigt sich SSL erfreulich transparent und stellt die technischen Daten prominent bereit. In der Praxis liegen die aktuellen Platzhirsche eng beieinander: SSL 1, Focusrite Scarlett 4th Gen und Arturia MiniFuse bewegen sich hinsichtlich Dynamikbereich und beim Preamp-Rauschen allesamt auf gleich gutem Niveau.

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Messbare Unterschiede gibt es, dramatisch sind sie die im Alltag allerdings selten – Mikrofon, Raum, Quelle und Gain-Setting fallen viel stärker ins Gewicht.

Einen kleinen Vorteil hat das SSL 1 dennoch: Mit 63 dB Mic-Gain bietet es einfach mehr Gain-Reserven als das Scarlett Solo 4th Gen mit 57 dB und das MiniFuse 1 mit seinen eher geringen 56 dB. Gerade bei dynamischen Mikrofonen ist das schon auch angenehm.

Mitgelieferte Software

Das “SSL Production Pack” ist gut bestückt und liefert mit Ableton Live Lite sowie Harrison Mixbus 11 zwei DAWs beziehungsweise Produktionsumgebungen. Dazu kommen mit SSL Vocalstrip 2 und SSL Drumstrip zwei hauseigene Plugins für Gesang, Sprache, Drums und Percussion – inklusive Kompressor, Expander, Transient Shaper, EQ, De-Esser und mehr.

Ergänzt wird das Paket durch das sonible learn:bundle, die Bloom Drum Machine, Spitfire Originals Intimate Strings, AmpliTube 5 SE, BFD Player + Pop Essentials LE, Melodyne Essential, NI Hybrid Keys & Komplete Start sowie das AAS Session Bundle.

Einige Zugaben wie SSL Complete Access, SoundID Reference, Output Arcade, AutoTune Unlimited und Loopcloud sind nur zeitlich begrenzte Test- beziehungsweise Abo-Angebote, insgesamt aber ist das Softwarepaket für den Einstieg durchaus breit aufgestellt.


Das SSL 1 in der Praxis

Das SSL 1 war im Nu installiert: anschließen, loslegen, fertig. Treiber oder zusätzliche Software brauchte es am Mac und iPhone nicht, die Bedienung bleibt direkt am Gerät. Klanglich gibt sich das kleine Interface angenehm unauffällig: Die Wandler arbeiten sauber und neutral, hier wird nichts aufgehübscht, und auch nichts verschluckt.

Die Stereobühne ist bei Wiedergabe groß, das Top-End detailliert, der Bass tief und knackig. Im Vergleich zum MiniFuse 2 OTG empfand ich außerdem das Stereo-Bild beim SSL 1 breiter und definierter.

Positiv fällt zudem der Kopfhörerausgang auf: er klingt ausgewogen und kräftig, selbst wenn er nicht übertrieben laut wird. Gerade auch bei höheren Pegeln bleibt er sauber und verzerrt bei weiten nicht so schnell wie beispielsweise der Kopfhörerverstärker eines MacBook Pro mit anspruchsvolleren Modellen. Den Impedanz-Hunger vieler besserer Kopfhörer frühstückt das SSL 1 also damit auch recht souverän ab.

Mit nur einem Mikrofon-Preamp und dem separaten Instrumenteneingang ist das SSL 1 vor allem für Singer/Songwriter interessant, kommt aber grundsätzlich auch für Podcasting bzw. VoiceOver in Frage.

Schade bleibt, dass kein echter Stereo-Eingang vorhanden ist und selbst der Mikrofoneingang nicht als Combo-Buchse ausgeführt wurde. Auch ein separat adressierbarer Kopfhörerausgang oder getrenntes Direct-Monitoring für Kopfhörer und Main-Out wären praktisch gewesen. In dieser Preisklasse ist diese Einschränkung aber absolut normal.

Was ist der Unterschied zwischen SSL 1, SSL 2 und SSL 2+?

Gegenüber SSL 2 und SSL 2+ ist das SSL 1 klar das minimalistischere Interface. Es bietet nur einen Mikrofonvorverstärker und einen separaten Line-/Instrumenteneingang, währen das SSL 2 und SSL 2+ gleich zwei vollwertige Combo-Eingänge mit Preamp bereitstellen.

Das SSL 2+ bietet zusätzlich auf einen weiteren Stereo- Ausgang, DIN-MIDI-I/O sowie mehr Monitoring. Wer sich selbst bzw. nur eine Stimme und ein Instrument aufnimmt, kommt mit dem SSL 1 aus. Wer zwei Mikros braucht, greift besser gleich zum SSL 2. Wer auch noch zwei getrennt regelbarer Kopfhörer benötig zum SSL 2+.

ModellEingängeAusgängePreampsKopfhörerBesonderheit
SSL 12 In2 Out1 Mic-Preamp1 OutDual-USB für iOS
SSL 2 MKII2 In2 Out2 Mic-Preamps2 Out (gemeinsam)Combo-Buchsen
SSL 2+ MKII2 In4 Out2 Mic-Preamps2 Out (getrennt)MIDI I/O

Grundsätzlich sind auch Interfaces von Focusrite und Arturia interessant, die im Zweifelsfall alle etwas günstiger sind und durchaus vergleichbaren Sound liefern. Die Preamps erachte ich trotzdem hier als einen Ticker besser. Auch die paar dB mehr Gain sind extrem hilfreich, selbst wenn auch hier im allerletztem Millimeter Regelweg des Preamps das Rauschen deutlicher wird. Den konkreten Beweise muss ich euch schuldig bleiben, deswegen hier nur erstmal die Audios meines Kollegen Max vom SSL 2.

Audio Samples
0:00
Nord Drum, Neutral Nord Drum, 4K Nord Drum, RME UFX Bass, Neutral Bass, 4K Bass, SPL Crimson Sprache, Neutral Sprache, 4K Sprache, RME

Unterm Strich ist das SSL 1 ein sehr unkompliziertes, gut klingendes und angenehm analog bedienbares Einsteiger-Interface mit starkem Kopfhörerausgang und typischem SSL-Charme über den 4K-Schalter. Wer nur einen Mikrofoneingang, einen Instrumenteneingang und einen sauberen Stereo-Ausgang braucht, bekommt hier ein kompaktes Interface ohne Schnickschnack. Wer dagegen Stereo-Recording, mehr Ausgänge oder getrennte Kopfhörerwege benötigt, sollte eher zum SSL 2 oder SSL 2+ greifen.

Test des SSL 1: Fazit

Mit dem SSL 1 bringt Solid State Logic ein kompaktes 2-In/2-Out-Interface auf den Markt, das den typischen SSL-Einstieg nochmals günstiger und einfacher macht. Geboten werden USB-C-Anbindung, bis zu 32 Bit/192 kHz, zwei Eingänge, ein symmetrischer Stereo-Ausgang sowie ein kräftiger Kopfhörerausgang. Am Mac, iPhone und iPad funktioniert das Interface class-compliant ohne Treiberinstallation, für Windows 11 stellt SSL passende ASIO/WDM-Treiber bereit.

Praktisch ist der zusätzliche USB-C-Stromanschluss, der besonders beim mobilen Betrieb mit iPhone oder iPad hilft. Die Bedienung bleibt angenehm direkt und komplett hardwarebasiert: große Monitor-Lautstärke, klar getrennte Gain-Regler, 4K-Analog-Enhancement und unkompliziertes Direct Monitoring. Auf digitale Erweiterungen, MIDI, zusätzliche Ausgänge oder getrennt regelbare Kopfhörerwege muss man beim SSL 1 allerdings verzichten.

Klanglich liefert das kleine Interface eine sehr ordentliche Performance und bleibt dem SSL-Konzept treu: sauber, direkt und mit etwas zusätzlichem Charakter über den 4K-Schalter. Wer ein günstiges, kompaktes und unkompliziertes Audiointerface für Recording, Podcasting, Streaming oder mobiles Produzieren sucht, sollte sich das SSL 1 unbedingt anschauen. Für größere Setups bleiben SSL 2 und SSL 2+ flexibler, als Einstieg in die SSL-Welt macht das SSL 1 aber vieles richtig.

Features

  • USB-2.0-Audiointerface mit USB-C-Anschluss, maximale Auflösung: 32 Bit / 192 kHz
  • 2 Eingänge / 2 Ausgänge
  • Eingang 1: XLR-Mikrofoneingang mit 63 dB Gain, 48-Volt-Phantomspeisung, SSL 4K-Mode für mehr Präsenz und Glanz, Low-Cut
  • Eingang 2: Klinkeneingang für Line- und Instrumentensignale, Hi-Z-/Impedanzumschaltung mit effektiv 10 dB zusätzlichem Gain
  • symmetrischer Stereo-Main-Out mit bis zu +14 dBu, großer Monitor-Level-Regler im SSL-Style
  • Kopfhörerausgang mit gemeinsamem Signal zum Main-Out
  • Mix-Taste für latenzarmes Direct-Monitoring plus DAW-Playback
  • fünfstufige LED-Pegelanzeige pro Eingang
  • dreifaches Stereo-Loopback
  • zusätzlicher USB-C-Stromanschluss für iPhone/iPad-Betrieb
  • macOS/iOS class-compliant, Windows 11 mit ASIO/WDM-Treiber
  • SSL Production Pack inklusive Ableton Live Lite, Harrison Mixbus 11, SSL Vocalstrip 2, SSL Drumstrip und weiteren Plug-ins/Instruments
  • HERGESTELLT IN: China
  • WEBSEITE: solidstatelogic.com/products/ssl-1
  • PREIS: 159 € (Straßenpreis am 8.6.26)

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