Im folgenden Text möchte ich alle Interessierten daran teilhaben lassen, wie ich die Superbooth 26 abseits aller Produktneuheiten empfunden habe. Viel Spass beim lesen!


- Die Superbooth und Bondeo
- Das FEZ und die Superbooth
- Die Superbooth 26 Atmosphäre
- Die Superbooth als Kontaktbörse
- Die Musik auf der Superbooth
- Die Prominenz auf der Superbooth: Hersteller
- Die Prominenz auf der Superbooth: Musiker und Social-Media Persönlichkeiten
- DIY, MiniBooth und FLINTA-Sektion
- Gibt es auch negative Seiten?
- Fazit: Nach der Superbooth ist vor der Superbooth
- Links
Die Superbooth und Bondeo
Nachdem wir in den vergangenen zwei Wochen für unsere Leserschaft die wichtigsten Produktneuheiten rund um Synthesizer vorbereitet haben, die auf der Superbooth 26 vorgestellt wurden, schickten wir zusätzlich auch noch das Bonedo-Videoteam nach Berlin. Dort fing das Team die neuesten Produkte direkt vor Ort ein, schnitt die Videos unmittelbar und ließ euch wenige Stunden später an den Videos teilhaben. In unserem Superbooth-Überblick findet ihr sämtliche Produkte, über die wir im Rahmen der diesjährigen Messe berichtet haben. Die Videos sind selbstverständlich eingebunden oder können auf dem Bonedo YouTube-Kanal angesehen werden.
Am Samstag konnte ich mich aufmachen und die Superbooth besuchen. In diesem Text möchte ich allen Zuhausgebliebenen meinen Eindruck von der Messe schildern. Ich denke, das ist lohnenswert, denn die Superbooth ist weit mehr als nur eine Musikmesse, auf der Hersteller ihre Produkte präsentieren und bewerben. In vielerlei Hinsicht funktioniert die Veranstaltung vollkommen anders als klassische Fachmessen.
Die Superbooth ist eine Messe, auf der hauptsächlich Synthesizer, Eurorack-Module, Grooveboxen und Keyboards vorgestellt werden. Umso überraschender war es, dass traditionelle Studio-Gear aus dem Mixing- und Mastering-Bereich vorgestellt wurde, die vor wenigen Jahren nur vereinzelt auf der Superbooth anzutreffen war

Das FEZ und die Superbooth

Was unterscheidet die Superbooth von klassischen Messen? Ein entscheidender Faktor ist die Umgebung des Veranstaltungsortes. Die Superbooth findet nicht auf einem typischen Messegelände statt, das hauptsächlich aus nüchternen Multifunktionshallen besteht.
Die Superbooth findet in einem Naherholungsgebiet statt. Das FEZ-Berlin ist ein großes Freizeit- und Kulturzentrum mitten in einer weitläufigen Parklandschaft. Das Hauptgebäude erinnert an eine Schule aus den 1970er-Jahren. In diesem Gebäude finden sich zahlreiche Funktionsräume, Säle und Veranstaltungsflächen, in denen unterschiedlichste Aktivitäten stattfinden können.

Sogar ein Schwimmbad ist vorhanden. Überall hängen Plakate und Veranstaltungshinweise, die auf Jugendprojekte, Kreativangebote und kulturelle Aktivitäten aufmerksam machen. Genau in diesem Umfeld findet also die Superbooth statt und genau das prägt auch ihre besondere Atmosphäre. Die Superbooth nutzt das Hauptgebäude für die klassischen Messestände, aber auch Vorträge, Gesprächskonzerte, Workshops und Live-Performances finden dort statt.

Das weitläufige, parkähnliche Außengelände mit Seen wird intensiv genutzt. Dort befinden sich mehrere Zeltstädte und Bungalows mit Messeständen und Bühnen. Es gibt sogar ein Zirkuszelt, das übrigens ein wichtiger Orientierungspunkt in dem weitläufigen Gelände ist. Unter den Bäumen stehen kleine Tische, an denen Besucher Instrumente direkt ausprobieren können.

Überall auf dem Gelände laden Sitzgelegenheiten, Imbissstände und offene Plätze dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen. Genau dadurch entsteht eine Atmosphäre, in der die Menschen sich miteinander austauschen.

Besonders beeindruckend ist dabei die internationale Vielfalt, denn die Menschen reisen aus der ganzen Welt an. Selbst kleinere Hersteller und Entwickler nehmen weite Wege auf sich, um ihre Produkte einem interessierten Publikum zu präsentieren und das macht die Messe so besonders: Überall spürt man die Begeisterung der Menschen für Musik, Technologie und den direkten Austausch miteinander. All das unterscheidet die Superbooth deutlich von einer klassischen Messe in anonymen Multifunktionshallen.

Die Superbooth 26 Atmosphäre
Um einen unbefangenen Eindruck zu bekommen, habe ich mein Superbooth-Pressearmband nicht offen präsentiert. Ich wollte als regulärer Messebesucher wahrgenommen werden. Die Hersteller behandelten mich trotzdem offen und aufgeschlossen. Man wurde an den Ständen angesprochen und eingeladen, die Instrumente auszuprobieren. Die Entwickler erklärten geduldig und mit sichtbarer Begeisterung ihre Innovationen, ungeachtet der Tatsache, dass sie das alles vermutlich schon zum tausendsten Mal in den drei Tagen erzählten.

Bemerkenswert war dabei vor allem, dass das Messepersonal selbst am dritten Veranstaltungstag noch ausgesprochen freundlich und entspannt wirkte. Obwohl ständig Armbänder kontrolliert werden mussten, um die verschiedenen Bereiche der Messe betreten zu können, wurde man nirgendwo unfreundlich behandelt oder genervt angepöbelt, was man von anderen Veranstaltungen durchaus anders kennt.

Darüber hinaus geben sich viele Hersteller große Mühe bei der Gestaltung ihrer Stände und Räume. Besonders kreativ war beispielsweise der Auftritt von Bastl Instruments. Diese nutzen eine Glasfront als Schaufenster, hinter der sie eine Fantasy-Welt erschaffen haben, in der ihre Instrumente präsentiert wurden. Ableton zeigten ihre Produkte an einem regulären Messestand. Im Außenbereich hatten sie einen Imbisswagen angemietet. Dort gab es aber keine Würstchen, sondern Ableton Moves wurden für Workshops ausgegeben.

Die Superbooth als Kontaktbörse
Es ist fast unmöglich, auf der Superbooth nicht ständig mit irgendjemandem ins Gespräch zu kommen. Man trifft Hersteller, Kollegen, Musiker oder Menschen, die man bisher nur aus dem Internet kannte. Man ist auf dem Weg zu einem Stand eines Herstellers und plötzlich bleibt man stehen und spricht eine halbe Stunde über Sequenzer, Modularsysteme oder neue Produktionen.

Gerade in der elektronischen Musik arbeiten viele Menschen eher zurückgezogen und oft alleine im Studio. Außerhalb großer Städte gibt es häufig keine regelmäßigen Treffpunkte oder Szenestammtische. Umso mehr genießen viele Besucher diesen direkten Austausch. Und genau deshalb vergeht die Zeit auf der Superbooth auch wie im Flug.
Die Musik auf der Superbooth
Die musikalische Darbietungnehmen inzwischen einen enorm wichtigen Teil der Messe ein. Für viele Künstler ist die Superbooth längst nicht mehr nur eine Produktmesse dar, sondern eine Bühne für Live-Musik. Man bekommt direkt vorgeführt, was die Musizierenden aus den Produkten der Hersteller zaubern.

Die Konzerte finden dabei an den unterschiedlichsten Orten statt, wie etwa auf der Seebühne, auf Freiflächen oder sogar auf einem Beachvolleyballplatz. Für die musikalischen Beiträge hat die Superbooth sogar ein eigenes Filmteam abgestellt, das die Auftritte dokumentiert. Über das gesamte Gelände verteilt finden den ganzen Tag Konzerte, Performances und spontane Jam-Sessions statt. Gespielt wird auf Bühnen, in kleinen Räumen, draußen zwischen den Bäumen oder einfach spontan irgendwo auf dem Gelände.
Das Highlight meines Besuchstags war mit Sicherheit der Auftritt der Electronica- und Ambient-Künstlerin Andrea Cichecki, deren Album „Drawn into the Edge Effect“ letztes Jahr zahlreiche Preise gewonnen hat.

Die Prominenz auf der Superbooth: Hersteller
Die Superbooth 26 ist so entspannt, dass prominente Persönlichkeiten der elektronischen Musikszene sich dort entspannt bewegen können. Ich selbst war nur am Samstag vor Ort, doch bereits an diesem einen Tag begegneten mir zahlreiche bekannte Gesichter der Szene. Diese verstecken sich nicht in abgeschotteten VIP-Räumen oder tauchen nur auf Panels und Vorträgen auf. Die folgenden Personen wurden von mir am Samstag gesichtet:

Die Gesichter hinter den Marken waren anwesend. Auf der Superbooth begegnet man nicht nur Marketingabteilungen oder Vertriebsmitarbeitern, sondern oftmals direkt den Menschen, die hinter den Produkten stehen. Beispielsweise wurde der GRP A10 persönlich von Paolo Groppioni präsentiert, der selbst kaum Englisch spricht und von einem englischkundigen Assistenten unterstützt wurde.

Auch Bob Coover von 3rd Wave ließ es sich nicht nehmen, seine Synthesizer persönlich vorzustellen und beantwortete geduldig die Fragen der Besucher. Tatsuya Takahashi von Korg war anwesend und für einen Ingenieur hat er sehr viele Bewunderer, was mich sehr überrascht hat. Sehr gefreut hat mich das Zusammentreffen mit Paul Tas von Error Instruments und Techno-Urgestein Steve Baltes vom Vertrieb Sonic Sales. Auch Mateo Ferley von Custom MIDI-Controller Hersteller Yaeltex hat den Weg von Argentinien auf die Superbooth gefunden.

Die Prominenz auf der Superbooth: Musiker und Social-Media Persönlichkeiten
Die wohl prominenteste Person am Samstag war sicherlich Richie Hawtin: DJ-Superstar, Labelgründer und Techno-Legende, der unter anderem mit Erica Synths zusammenarbeitet. Natürlich erkannten ihn viele Besucher und zahlreiche Menschen suchten das Gespräch mit ihm. Dennoch verlief alles erstaunlich entspannt und respektvoll. Sehr gefreut habe ich mich über das Zusammentreffen mit Electro-Legende Anthony Rother, der zusammen mit Italo Brutalo die Messe besuchte. Auch Sarah Sommers war zu sehen und Keyboarder und Synthesizer Solo-Artist Marius Leicht lief mir ebenfalls über den Weg.

Kennenlernen durfte ich die Filmmusikerin und Gitarristin Freya Arde und die elektronische Musikerin Panda Lassow, die Andrea Cichecki mir vorstellte. Mit DJ und Music Coach Julie Marghilano war ich schon auf Instagram bekannt. Das ist eben auch Superbooth: Virtuelle Social-Media Bekanntschaften verwandeln sich in echte Menschen.

Natürlich liefen auch zahlreiche bekannte Gesichter der Synthesizer- und YouTube-Szene über das Gelände. So waren etwa Cuckoo und BoBeats andwesend. Auch Peter Kirn von Create Digital Music und SynMag sowie Sequencer.de-Gründer Moogulator war mit dabei. Das SynMag selbst war mit einem Stand vertreten. Auch Michelle Moog war zu sehen. Sie sprach immer wieder mit einzelnen Besuchern und wirkte dabei völlig entspannt. Gerade das machte Eindruck: Trotz der Bekanntheit vieler Personen herrschte keinerlei aufdringliche Atmosphäre.

DIY, MiniBooth und FLINTA-Sektion
Ungewöhnlich für eine Musikmesse ist außerdem die große DIY-Sektion. Dort konnten Besucher in Workshops eigene kleine Synthesizer zusammenlöten oder zusammenbauen und gleichzeitig die elektronischen Grundlagen der Klangerzeugung kennenlernen.

Es ist sinnvoll, in Workshops die Grundlagen der Elektronik zu verstehen, also Schaltkreise, Signalwege und technische Zusammenhänge kennenzulernen, auf denen die gesamte Synthesizer-Technologie und vieles mehr basiert. Überall auf der Superbooth wurden Instrumente nicht nur vorgestellt, sondern die Hersteller luden die Besucher ein, ihre Instrumente direkt auszuprobieren, anstatt große Reden über sie zu halten.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die MiniBooth zu erwähnen. Die Messe richtet ihren Blick nicht nur auf die aktuelle Szene, sondern auch auf die nächste Generation. Mit der „MiniBooth“ gab es einen eigenen Bereich für Kinder, in dem spezielle Workshops rund um elektronische Musik angeboten wurden.

Dort konnten junge Besucher mit kindgerecht gestalteten Instrumenten erste Erfahrungen mit Synthese und elektronischer Klangerzeugung sammeln. Die nächste Generation steht bereit, das weiterzuführen, was sich die Szene über viele Jahre hinweg aufgebaut hat. Noch nie war elektronische Musik gesellschaftlich so anerkannt und akzeptiert wie heute. Damit das auch in Zukunft so bleibt, ist es wichtig, jungen Menschen einen offenen und angstfreien Zugang zu dieser Technologie zu ermöglichen.

Ebenso bemerkenswert war der geschützte FLINTA-Bereich. Dort konnten sich FLINTA-Personen aus der elektronischen Musikkultur in entspannter Atmosphäre austauschen. Hoffentlich leben wir bald in einer Gesellschaft, in der FLINTA-Personen keinen Schutzraum mehr brauchen, weil sie als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft angesehen werden.
Gibt es auch negative Seiten?
Im Grunde macht die Superbooth 26 alles richtig. Das Personal ist freundlich, die Atmosphäre entspannt und die Besucher begegnen sich respektvoll. Hersteller treten nicht arrogant auf, sondern freuen sich ehrlich über interessierte Menschen an ihren Ständen, auch wenn sie ihre Produkte bereits zum hundertsten Mal erklären mussten.

Besonders bemerkenswert ist auch, dass bekannte Persönlichkeiten die Messe besuchen und sich dabei frei bewegen können, ohne dass Fans sie permanent belästigen oder bedrängen. Diese entspannte und respektvolle Atmosphäre ist vermutlich einer der Hauptgründe dafür, warum die Superbooth für viele Menschen inzwischen weit mehr ist als nur eine klassische Musikmesse.
Doch einen kleinen negativen Aspekt gibt es dann eben doch. Auf der Superbooth 26 wurde praktisch überall musiziert, ausprobiert, getestet und präsentiert. Zwar sind viele Instrumente mit Kopfhörern ausgestattet, doch längst nicht alle Vorführungen finden über diese statt. Dadurch entsteht auf dem gesamten Gelände ein dauerhafter Geräuschpegel, der mitunter ziemlich anstrengend werden kann.

Natürlich kostet ein Messeplatz auch auf der Superbooth Geld und nicht jeder Hersteller kann es sich leisten, im Gebäude einen eigenen abgeschlossenen Raum anzumieten wo er ungestört seine Produkte päsenteiren kann. In den Zelten teilen sich deshalb mehrere Hersteller auf engem Raum ihre Präsentationsflächen. Wenn mehrere Hersteller in einem Zelt oder auf einer Freifläche im Hauptgebäude ihre Produkte präsentieren und gleichzeitig an jedem Stand Klänge erzeugt werden und Entwickler ihre Produkte erklären, entstehen Klangkakophonien und surreale Situationen.

Da versucht jemand ernsthaft, die Qualitäten eines Instruments einzuschätzen oder ein Video darüber aufzunehmen, während mehrere Vorführungen gleichzeitig stattfinden. Gerade aus musikalischer Perspektive wirkt das absurd.
Gleichzeitig gehört dieses Klangchaos aber auch zur Identität der Superbooth dazu. Es ist eben keine sterile Hochglanzmesse, sondern ein lebendiger Ort voller Menschen, Ideen und Geräusche. Eine „Kopfhörer-Superbooth“ würde vermutlich vielen Besuchern und Ausstellenden guttun.

Fazit: Nach der Superbooth ist vor der Superbooth
Die zehnte Ausgabe der Superbooth 26 hat sich selbst übertroffen. Zahlreiche Aussteller waren vor Ort, viele spannende Produkte wurden präsentiert und das Publikum war zahlreich vertreten. Gemeinsam haben alle Beteiligten die Superbooth 26 zu einem großen Erfolg gemacht.

Verantwortlich dafür ist vor allem die Offenheit aller Menschen, die diesen Event gestalten und besuchen. Ich habe die Superbooth zu 100 % als durchweg positives Erlebnis empfunden und kann wirklich jedem empfehlen, sich dieses Event einmal anzuschauen.
Denn es geht dort nicht nur um Musikinstrumente oder Produktneuheiten, über die Kanäle wie Bonedo ohnehin ausführlich berichten. Die Superbooth ist vor allem ein Treffpunkt für Menschen, die sich für elektronische Musik interessieren oder in diesem Bereich aktiv sein möchten.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man interessierter Anfänger ohne große Vorkenntnisse ist oder ein Vollprofi aus der Szene ist. Die Superbooth ist ein zentraler Treffpunkt der elektronischen Musikszene. Diese Szene ist über den gesamten Planeten verteil und heutzutage entstehen viele Kontakte hauptsächlich über Videokonferenzen oder Telefonate.

Doch einmal im Jahr trifft sich ein großer Teil dieser Community in Berlin und erlebt echten menschlichen Austausch und genau dieser Austausch ist aus meiner Sicht noch bedeutender als alle modernen Kommunikationsmittel, die uns heute zur Verfügung stehen. Virtuelle Personen werden zu echten Menschen aus Fleisch und Blut. Und diese persönliche Begegnung, diese unmittelbare Nähe und gemeinsame Erfahrung kann ein virtuelles Treffen bis heute nicht ersetzen.
Genau das macht die Superbooth so einzigartig: Anfänger, Nerds, Entwickler, Musiker, Künstler und neugierige Besucher treffen hier direkt aufeinander und daraus kann Großes entstehen.
Links
Superbooth 26: Alle News, Highlights & Infos direkt von der Messe
























CHRizz Schneider sagt:
#1 - 11.05.2026 um 21:09 Uhr
Als ich meinem Freund in Vancouver Bilder der Besucher plus Geräte von der Messe geschickt hatte, kam folgender Kommentar zurück: Es besteht doch noch Hoffnung für die Menschheit!; Ich denke, besser kann man es nicht sagen und bestätigt den Artikel!