Universal Audio landet den Freeware-Hammer des Jahres: Statt wie üblich ein oder zwei Plugins zu verschenken, schnürt der Hersteller mit UAD Explore FREE gleich ein komplettes Bundle. Mehrere FX-Klassiker sind als native Variante bereits enthalten – und das ist noch längst nicht alles.

- Plugins klingen fantastisch
- Einfache Workflows
- Zwei Kompressor-Legenden
- Gut klingender Channel-Strip und Plate-Reverb
- Vielseitiger Synthesizer
- Kein Contra
Außerdem gibt es mit PolyMAX Synth ein Instrumenten-Plugin und die hauseigene DAW Luna in der aktuellen Version 2.0, die jetzt auch für Windows kostenlos ist. Wir konzentrieren uns an dieser Stelle allerdings auf die acht Plugins.
DETAILS & PRAXIS
Wo gibt es die Freebies ?
Explore FREE gibt es ohne Hardware-Pflicht direkt bei UAD, wo du zuerst einen Account anlegen musst. Anschließend gehst du zur Produktseite und klickst auf „Get Now FREE“. Im nächsten Schritt gilt es einige Marketing-Fragen zu beantworten, denn nichts im Leben ist eben wirklich umsonst! Nun erscheint die Aufforderung, die App UA Connect herunterzuladen und zu installieren.
Ist dies geschehen, steht der Login in der App an. Jetzt brauchst du eine iLok-ID, alternativ kannst du direkt aus der UAD-App eine erstellen lassen. Und schon steht die Plugin-Suite zum Download und zur Installation bereit. Alles in allem ziemlich viel Arbeit, aber nichts, was den geübten Freeware-Connaisseur irritieren könnte. Die Plugins gibt es für macOS und Windows, in den Formaten VST3, AU und AAX.
UA 1176 Classic FET Compressor
Schon alleine der erste Effekt macht das Bundle UAD Explore FREE zu einem absoluten Must-have. Zwar gibt es auch von Herstellern wie Waves, Arturia oder IK Multimedia Emulationen des vielleicht berühmtesten Kompressors aller Zeiten, davon ist aber keine kostenlos.

Außerdem stammt das legendäre Hardware-Original von Bill Putnam Sr., dem Firmengründer von Universal Audio. Das Plugin UA 1176 Classic FET Compressor des Herstellers dürfte damit also zu den besten Emulationen gehören. Putnam entwickelte seiner Zeit einen der ersten FET-Kompressoren, die durch schnelle Reaktionszeiten hervorstachen.
Das macht auch das Plugin aus, wodurch sich der UA 1176 Classic besonders für Signale wie Drums oder Vocals eignet, die reich an Transienten sind. So gibt es wie beim Original die vier Ratio-Stufen und vier Regler für Input, Output, Attack und Release. Zu den modernen Features des Plugins gehören zudem Presets, A/B-Vergleich und Copy/Paste.
Zur Verdeutlichung laden wir den Kompressor auf drei völlig unterschiedliche Drum-Loops. Der erste Loop verliert durch das Plugin zwar ein wenig an Groove, Kick und Snare punchen aber besser. Außerdem werden Hi-Hat und Plattenknistern lauter und der Loop so homogener. Auch der Kanye-Loop wird dichter und die Sub-Kick tritt in den Vordergrund. Zum Schluss ein ähnliches Bild beim Techno-Groove. Die Kick wird deutlich leiser, schneidet durch die klangliche Veränderung zusammen mit der Clap aber trotzdem noch gut durch den viel homogeneren Mix.
Teletronix LA-2A Tube Compressor
Mit dem Teletronix LA-2A Tube Compressor gibt es in Explore FREE die zweite Kompressor-Legende in Plugin-Form. Obwohl die originale Hardware bereits in den 60ern auf den Markt kam, ist der Sound des LA-2A auch heute noch aktuell und gefragt.

UAD bietet die Leveler Collection, ein Bundle das drei Meilensteine aus der LA-2A-Historie enthält, schon seit 2013 an. Der Teletronix LA-2A im Explore-Bundle stammt aus dieser Collection und basiert auf der berüchtigten Silver-Edition des optischen Kompressors.
Funktionsumfang und Interface des Plugins richten sich im Wesentlichen ebenfalls an der Hardware aus. Neben den drei Reglern für Gain, Peak Reduction und Gain Reduction gibt es nur noch den Switch zwischen für die beiden Funktionalitäten Limit und Compress, die sich lediglich durch die verwendete Ratio unterscheiden. Zusätzlich bietet auch dieses Plugin von Universal Audio Presets, A/B-Vergleich und Copy/Paste-Funktion.
Die akustische Gitarre wird heller und rückt ein ganzes Stück nach vorne, genau deshalb wird der LA-2A so gerne auf wichtigen Signalen in Mixen eingesetzt. Die Transienten werden lauter und verstärken den perkussiven Effekt des Saitenanschlags. Aber auch Drums können von diesem Plugin profitieren. Der entsprechende Loop puncht durch den LA-2A mehr, wird lebendiger, definierter und dichter. Allerdings ist er durch die von mir getroffenen Einstellungen klanglich nicht mehr so ausgewogen, da die Percussion ein wenig zu laut wird.
UA 610 Tube Preamp & EQ Collection
Die UA 610 Tube Preamp & EQ Collection besteht aus zwei Plugins, die minutiös emuliert wurden und bei denen sich alles um authentischen Sound und analogen Charakter dreht.

Die beiden Kombinationen aus Röhrenvorverstärker und EQ gehen auf das Hardware-Modul UA 610 Tube Preamp zurück, mit dem Putnam eine der ersten Kombinationen aus Vorverstärker und Equalizer schuf, die im Anschluss auf unzähligen Aufnahmen der Musikgeschichte für Charakter und Präsenz sorgte. Das Plugin 610-A entspricht einer direkten Emulation der analogen Vorlage, 610-B klingt dagegen etwas moderner und bietet zusätzliche Features. Beide Einheiten bieten Presets und A/B-Vergleich.
Der erste Synth-Loop blüht durch den Röhren-Sound des 610-A-Moduls auf und kommt ein ganzes Stück nach vorne. Dafür sorgt die Sättigung, die an manchen Stellen schon zur hörbaren Verzerrung wird. 610-B verändert das Klangbild des zweiten Loops auf ähnliche Weise. Besonders interessant ist hier aber, dass sich das Plugin auch auf den Sustain der Noten und Akkorde auswirkt und diese dadurch länger ausklingen. Die anschließende Jazz-Gitarre nutzt wieder das Modul 610-A und wirkt dadurch wieder runder, wärmer und präsenter.
Pure Plate Reverb
Freunde des Plattenhalls werden mit dem Plugin Pure Plate Reverb, das ebenfalls in der Collection UAD Explore FREE enthalten ist, ihre wahre Freude haben.

Das Interface beherbergt eine überschaubare Anzahl an Features, umso schneller kommt man mit dem Effekt aber ans klangliche Ziel. Der tolle Grund-Sound bildet die Basis des Effekts, der durch die hochwertige Emulation einer mechanischen Hallplatte erzielt wurde. Die beiden Parameter Bass und Treble ermöglichen die klangliche Anpassung des Halls im Stil eines Baxandall-EQs, während der Low-Cut gröbere Adaptionen erlaubt. Balance lässt zudem die Platzierung des Effekts im Stereo-Raum zu. Außerdem gehören zum Funktionsumfang des Plugins wieder Presets, A/B-Vergleich und Copy/Paste.
Obwohl der Synth-Loop im ersten Beispiel bereits eine Menge Delay aufweist, klingt er gleichzeitig auch ein wenig trocken. Durch Pure Plate lässt sich mit wenigen Handgriffen die perfekte Atmosphäre erschaffen, durch die der Synthesizer harmonischer und zudem geheimnisvoller klingt. Klanglich ebenfalls deutlich verbessert wird die Jazz-Gitarre im zweiten Beispiel, bei der das Instrument vom Plugin in einen wundervollen Raum platziert wird. Jetzt fehlen nur noch eine Sängerin und ein wenig Zigarettenrauch.
Vibe Analog Machines Essentials
Auch bei den Vibe Analog Machines Essentials geht es um das Klangideal analoger Hardware, dafür enthält die Bundle-Version des Plugins vier verschiedene Tape-Emulationen, die kostenpflichtig erweitert werden können.

Die vier freigeschalteten Module Sweeten, Warm, Thicken und Vintagize featuren alle verschiedene Formen von Bandsättigung und Röhrencharakteristika und zielen auf Lo-Fi-Feeling und Analog-Flavor ab. Außer den vier Emulationen verlässt sich das Plugin auf nur einen Regler, über den die Intensität des Effekts gesteuert werden kann.
Der Synth-Loop im ersten Beispiel erinnert an Stranger Things, in so einem Fall kann man also gar nicht genug Retro-Vibe haben. Die klangliche Veränderung durch das Plugin gefällt mir in diesem Fall sehr gut, auch wenn sie ziemlich dezent ausfällt. Die Sättigung des Sweeten-Moduls steigert die Präsenz und gestaltet die tiefen Mitten ein wenig aufgeräumter. Deutlicher wirken sich die Vibe Analog Machines Essentials bei den anderen beiden Loops aus, die dadurch leicht verzerren und klanglich um ein paar Jahre altern.
Showtime ’64 Tube Amp
Auch eine Amp-Simulation ist in UAD Explore FREE enthalten. Das Plugin Showtime ’64 Tube Amp beruht auf dem Fender Showman, der vom Hersteller ursprünglich für großen und lauten Sound konzipiert wurde.

Die Simulation bietet nur diesen einen Amp, weitere lassen sich hinzukaufen. Der Klang des Plugins kann über den Tonestack (Treble, Middle und Bass), sowie über Vibrato und Raumanteil verändert werden. Die Abnahme des virtuellen Verstärkers ist zudem beeinflussbar, dafür wurden verschiedene Mikrofone der Kategorien Kondensator, Bändchen und dynamische Mikrofone implementiert.
Aufgrund der Ausstattung wird Showtime ’64 n natürlich nicht jeden Amp-Wunsch eines gestandenen Gitarristen erfüllen können. Wie das Plugin aus der ersten komplett harmlosen Gitarre aber ein sattes und screamendes Biest zaubert, ist schon beeindruckend. Die zweite Gitarre geht dagegen eher in Richtung Rock, rockt mit dem Effekt aber ebenfalls ganz schön. Beim letzten Beispiel zeigt sich die Amp-Simulation dann eher von ihrer sanften Seite.
Century Tube Channel Strip
Wie alle bisherigen Plugins der Kollektion legt auch der Century Tube Channel Strip seinen Fokus darauf, schnell einen guten Sound zu erreichen, ohne dafür lange Einstellungen vornehmen zu müssen.

Besonders bei Aufnahmen hat sich diese Philosophie bewährt, denn dabei geht es ja darum, eine Idee schnellstmöglich festzuhalten, ohne Einbußen beim Klang hinnehmen zu müssen. Dafür sorgen bei diesem Plugin große Sweet Spots und vier Module. Das erste emuliert einen Röhrenvorverstärker, der ein Signal mit Obertönen und analoger Wärme anreichert, es aber auch deutlich anzerren kann.
Der anschließende 3-Band-EQ dient dazu, das Signal klanglich grob zu formen und den Punch von Instrumenten oder die Brillanz von Vocals schon auf dem Weg in die DAW zu verbessern. Es folgt ein Opto-Kompressor, der weich und musikalisch agiert und dynamische Abweichungen für das Recording grundlegend abfedert, in dem er die gröbsten Spitzen einfängt und klanglich verdichtet. Im Master-Modul kann der durch Verzerrung und Kompression erfolgten Pegelveränderung entgegengewirkt werden.
In der Praxis geht das Plugin-Konzept sehr gut auf. Das Saxophon greift besser zu, rückt zudem nach vorne und der höchste Ton der Phrase wird dynamisch effektiv eingefangen. So auch bei der Gitarre im zweiten Beispiel, bei der 80% der Verzerrung bereits im unbearbeiteten Zustand vorhanden waren. Den Bass-Boost, den der Channel-Strip hervorruft, müsste man mit dem EQ-Modul des Plugin noch mehr korrigieren. Genau das passiert bei der akustischen Gitarre, hier arbeitet der Effekt absolut perfekt. Seine Auswirkungen sind nämlich recht dezent, sie verbessern das Signal Richtung DAW aber doch merklich. Mehr muss der Channel-Strip bei Aufnahmen eigentlich nicht tun, denn schließlich gibt es nach der Aufnahme keinen Weg mehr zurück.
PolyMAX Synth
Zum Schluss enthält UAD Explore FREE auch noch ein spielbares Instrument, bei dem es natürlich auch darum geht, dem analogen Sound-Ideal gerecht zu werden.

PolyMAX Synth orientiert sich dafür am Klang bekannter Namen der Szene, wie Roland, Sequential und Oberheim. Das Plugin basiert auf subtraktiver Synthese und zwei Oszillatoren mit OSC-Mix-Modul und einem weiteren Noise-Oszillator. Es folgt ein Multimode-Filter mit vier Typen und ein LFO mit fünf Wellenformen.
Zwei Hüllkurven und ein Arpeggiator gehören ebenfalls zum Funktionsumfang des Plugins. Abschließende Klanganpassungen können über die beiden FX-Module vorgenommen werden, die Phaser, Flanger und Chorus, Delay und zwei Hallarten bereitstellen.
Klanglich habe ich nicht allzu viel erwartet, bin aber nun absolut positiv überrascht. UADs Synth-Cocktail klingt wirklich erstaunlich gut und auch die Presets sind sehr breit gefächert. 10 Aachen Street ist ein gut klingendes Pad im Juno-Stil. Das Preset Gold Dreams erinnert dagegen ein wenig an Physical Modelling, hier klingen auch die Effekte toll. Selbst in den Tiefen fühlt sich der Synthesizer wohl, wie der wohlig warme Sound Dusty Sub Bass zeigt. Und dann ist da der rohe Arp-Sound Epic 1, der richtig Spaß macht. Zu guter Letzt versöhnliche Keys-Vibes mit Cumin.
Fazit – UAD Explore FREE Test
UAD Explore FREE ist ein unwiderstehlich gut ausgestattetes Plugin-Bundle, das konsequent auf den Klangcharakter klassischer Analogtechnik und einen unkomplizierten Workflow setzt. Beides geht hier voll auf – die Tools machen einfach Spaß im täglichen Einsatz.
Schon allein die beiden hervorragend klingenden Kompressor-Legenden rechtfertigen den kleinen Aufwand für Download, Registrierung und Installation. Doch auch Plate-Reverb, Channel-Strip und Synthesizer liefern durchweg starke Ergebnisse und runden das Paket sinnvoll ab.
Zwar waren einzelne Plugins daraus bereits vereinzelt als Freeware erhältlich, als gebündelte Essentials-Collection ergibt Explore FREE aber deutlich mehr Sinn. Unterm Strich: ein absoluter Pflicht-Download!
Features
- Zwei Kompressoren
- Zwei Röhrenvorverstärker
- Plate Reverb
- Tape-Emulation
- Amp-Simulation
- Channel Strip
- Ein Synthesizer
- A/B-Vergleich
- Copy/Paste-Funktion
- In Stufen skalierbare Interfaces
- Für Windows und macOS (Intel/AMD/Apple)
- Verfügbare Formate: VST3, AU und AAX
- WEBSEITE: uaudio.com/products/uad-explore-free
- PREISE: UAD Explore FREE ist kostenlos



