Ein Alleskönner, das möchte der Tascam FR-AV4 Field Recorder ganz offensichtlich sein. Mit vier Mikrofon-Preamps, 32 Bit Float Aufnahme, jeweils zwei Wandlern pro Kanal, Touch Display und HDMI-Anschlüssen ist er gerüstet für Podcast-Situationen, aber auch Bands, Sounddesign und die Filmvertonung gehören zu seinen Spezialitäten. Im Test haben wir gecheckt, ob das Gerät die Versprechen einlösen kann.

- sehr guter Sound der Preamps und Wandler
- zügige, intuitive Bedienbarkeit
- robust verarbeitet
- lange Batterielaufzeit
- Kopfhörerausgang bei hochohmigen Modellen eher schwach
Der Lieferumfang besteht nur aus dem Gerät selbst
Erst einmal geht es ans Auspacken. Das fällt bei diesem als auch den meisten anderen modernen Kompakt-Recordern meistens ernüchternd aus. Es ist nämlich nichts dabei außer dem Gerät. Das ist ein Trend, den auch die Konkurrenz so mitmacht.
Robustes Metallgehäuse im flachen Format
Ansonsten ist der erste Eindruck erfreulich. Das flache Gehäuse besteht aus Metall, die Ecken sind mit roten Schutzstreben versehen. Auf der Vorderseite befindet sich links ein hochauflösendes, helles Touch Display, mit welchem sich der FR-AV4 theoretisch exklusiv steuern ließe, wären da nicht die Taster und Regler weiter rechts. Der größte ist der Push Encoder zum Navigieren und bestätigen, daneben sitzen die Gainregler. Sie sind als Regler mit Anschlag ausgelegt, ihre Aktionen werden jedoch digital übermittelt und auf dem Display dargestellt. Jedem Gainregler ist eine Anwahltaste zugeteilt, hier lassen sich Phantomspeisung, Low Cut (40, 80, 120, 220 Hz), Limiter, Noise Gate (dreistufig), Stereo Link (ein Regler fungiert für zwei Eingänge simultan), Knob Hold (Reglersperre), Phaseninvertierung und ein EQ anwählen.

Fast alle Bedienelemente sitzen vorne
Mittig unten befinden sich vier runde Taster. Links ist die Menü/Home-Taste zum schnellen Zurückkehren ins Hauptmenü angeordnet, daneben liegen die Transporttasten. Die Zurück-Taste fungiert als Monitor-Schalter, die Vor-Taste trägt außerdem die fn Key Funktion zum Zuweisen eines individuell zuweisbaren Schnellzugriffs. Natürlich darf auch die Record-Taste nicht fehlen, welche sich ganz rechts rot von den anderen abhebt. Ebenfalls auf der Vorderseite sitzt ein Slot für den optionalen Bluetooth-Adapter namens Tascam AK-BT2. Wer den besitzt, kann das Gerät per App fernsteuern, Audio per Bluetooth senden oder einen drahtlosen Bluetooth Kopfhörer für das Monitoring nutzen. Auch ein Timecode für Atomos-kompatible Geräte kann hier ausgegeben werden.
Die Seiten beherbergen die Anschlüsse
Dass der FR-AV4 über eine umfangreiche Konnektivität verfügt, zeigt ein Blick auf die Seiten. Jeweils rechts und links sitzen zwei verriegelbare XLR-Kombibuchsen, deren Signal von Tascams Ultra HDDA Vorverstärkern bearbeitet wird. Ein Dynamikumfang von 133 dB und ein Eingangsrauschen von -127 dB lassen sehr rauscharme Audioresultate erwarten. Weiterhin sitzen rechts dedizierte Timecode In- und Out-Miniklinken, ein Miniklinken-Stereo-Input für eine Kamera sowie ein Kopfhörerausgang samt Regler. Auch der On/Off-Schieberegler ist hier zu finden.
Links befindet sich ein 3,5mm Miniklinke-Ausgang, der USB-C Anschluß und – eine Spezialität des FR-AV4 – HDMI Ein- und Ausgangsbuchsen zur Synchronisation und Durchleitung von 4K und 8K Videos.


Stromversorgung, Aufnahmemedien und Aufnahme-Formate
Der Tascam FR-AV4 läßt sich über USB Bus Power mit Strom versorgen, die zweite Option findet sich auf der Rückseite. Hinter einer gesicherten Klappe verbirgt sich eine Batteriehalterung für vier AA-Batterien, für den Betriebsmodus mit zwei Kanälen ohne Phantomspeisung und Alkaline Batterien gibt Tascam eine Betriebsdauer von neun Stunden an. Hinter der Abdeckung verbirgt sich jedoch auch das Fach für das Speichermedium, SD, SDHC und SDXC-Karten bis zu 512 GB Fassungsvermögen akzeptiert das Gerät. Zwischen zwei Bitraten darf gewählt werden. Bei 24 Bit muss manuell gepegelt werden, 32 Bit Float macht den Gainregler überflüssig. Die Technik dahinter wird hier ausführlich erklärt.

Was ist 32 Bit Float und klingen Aufnahmen in dem hoch aufgelösten Format besser? In unserem Workshop entmystifizieren wir das Thema.

Nachgereicht: die Auto Mixer Funktion
Ein Vorteil der digitalen Welt ist die Möglichkeit, Produkte auch nach dem Marktstart noch zu verbessern. Das hat Tascam beim FR-AV4 wahrgenommen, denn offensichtlich haben viele Erstkäufer das Fehlen einer Automix-Funktion beklagt. Deren Aufgabe ist es, Lautstärke-Ausreißer in Aufnahmen automatisch zu beheben. Bei langen Mehrspuraufnahmen wie zum Beispiel Podcasts, kann die Nachbearbeitung zu lauter oder zu leiser Geräusche viel Zeit in Anspruch nehmen. Während die Konkurrenz von Zoom und Sound Devices entsprechende Funktionen in ihren vergleichbaren Modellen verbaut, kam das aktuelle Testgerät noch ohne daher, konnte jedoch per SD-Karte einfach aktualisiert werden. Gut gemacht, Tascam!




























